Bistumsreise: Erzbistum Paderborn

An den Quellen der Pader

Das Erzbistum Paderborn im Porträt

Paderborn - 01.06.2015

Im Erzbistum Paderborn startete im Jahr 2004 unter dem Titel "Perspektive 2014" ein diözesaner Prozess, um die Herausforderungen, die sich aus dem gesellschaftlichen und demografischen Wandel der letzten Jahrzehnte ergeben, gemeinsam mit vielen Haupt- und Ehrenamtlichen zu schultern. Das erklärte Ziel dieses Prozesses: das Weiterleben des Glaubens in der Ortskirche von Paderborn zu sichern.

Das Erzbistum Paderborn liegt in der Mitte Deutschlands und erstreckt sich im Norden von Minden bis nach Siegen im Süden, im Westen von Höxter an der Weser bis östlich ins Ruhrgebiet nach Herne. Hinzu kommen der ehemalige Kreis Waldeck (Hessen) und die Stadt Bad Pyrmont (Niedersachsen). Ursprung und geistliches Zentrum des Erzbistums ist die Stadt Paderborn, deren Geschichte ohne die Kirche kaum denkbar ist: 777 hielt Karl der Große in "Patrisbrunna", dem späteren Paderborn, zum ersten Mal eine fränkische Reichsversammlung auf sächsischem Boden ab. Rund zwanzig Jahre später empfing er 799 in Paderborn Papst Leo III. und besiegelte mit ihm auf einer synodalen Versammlung die Gründung des Bistums Paderborn.

Auch heute noch zeigt ein Blick auf das Zentrum der Stadt mit den vielen Kirchtürmen, dass die Kirche die Geschichte und Kultur Paderborns über die Jahrhunderte entscheidend geprägt hat. So bilden der Hohe Dom zu Paderborn, die Abdinghofkirche und die Busdorfkirche eine markante Silhouette im Herzen der Stadt. Der Dank für diese bis heute weithin sichtbare Gestalt dieser Gotteshäuser gebührt der Bautätigkeit von Bischof Meinwerk, der von 1009 bis 1036 Bischof von Paderborn war. In seiner Amtszeit ließ er den nach einem Brand zerstörten Dom wiederherstellen, gründete das Kloster am Abdinghof und das Kanonikerstift Busdorf. Ihre Blütezeit erlebte die Bautätigkeit im Hochstift Paderborn darüber hinaus vor allem in der Zeit der Paderborner Fürstbischöfe vom 14. bis 19. Jahrhundert.

Libori – Patronatsfest und "Fünfte Jahreszeit"

In Paderborn wird eines der größten und ältesten Volksfeste in Deutschland gefeiert, das in der Paderborner Ortskirche seine historischen und geistlichen Wurzeln hat: Zu Ehren des heiligen Liborius, des Patrons der Stadt, des Bistums und des Hohen Domes, wird jedes Jahr Ende Juli neun Tage lang das Liborifest begangen. Die Gebeine des heiligen Liborius, der im 4. Jahrhundert Bischof des französischen Bistums Le Mans war, wurden im Jahr 836 aus Le Mans nach Paderborn überführt. Damit wurde zwischen den Bistümern Le Mans und Paderborn ein "Liebesbund ewiger Bruderschaft" begründet – eine der ältesten Städtepartnerschaften Europas, die bis heute mit gegenseitigen Besuchen zwischen den beiden Bistümern lebendig gehalten wird.

Ein Riesenrad und eine Kapelle
Riesenrad und Kapelle: Das Liborifest in Paderborn  Gabriele Höfling/katholisch.de

Das Liborifest hat viele Facetten, die erst zusammengenommen den ganz besonderen Charakter dieses Festes ausmachen: Libori, das ist die vom feierlichen Libori-Tusch begleitete Erhebung  der Reliquien des Heiligen Liborius, die in einem kostbaren Schrein durch die Stadt getragen werden. Libori, das sind feierliche Pontifikalämter im Hohen Dom, in denen die Stimmen zahlreicher Gläubiger das Lied "Sei gegrüßet, o Libori" durch die Paderborner Bischofskirche schallen lassen und der Duft von Weihrauch das ganze Gotteshaus erfüllt. Libori, das sind Kulturveranstaltungen, die in der Festwoche zahlreiche Gäste in die Stadt an der Pader locken. Und nicht zuletzt ist Libori natürlich auch ein turbulentes Kirmesvergnügen für Jung und Alt. Rund 1,7 Millionen Menschen zieht diese besondere Mischung aus "Kirche und Kirmes" jedes Jahr weit über die Region hinaus an. Wo andernorts der Karneval als die "Fünfte Jahreszeit" bezeichnet wird, ist dies für die Paderborner und die Menschen im ganzen Erzbistum Paderborn "ihr" Liborifest.

Als hervorgehobene Feste des Glaubens haben auch Wallfahrten im Erzbistum Paderborn eine große Tradition. Auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn finden sich rund 50 größere und kleinere Pilger- und Wallfahrtsorte. Der größte und bedeutendste Wallfahrtsort im Erzbistum ist Werl. Seit 1661 und somit seit über 350 Jahren pilgern Wallfahrer zum Werler Gnadenbild "Trösterin der Betrübten" – heute sind es jährlich rund 100 000 Menschen.
Die Wallfahrtsgeschichte von Salzkotten-Verne reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Auf eine besondere Geschichte blickt die Stadtwallfahrt von Paderborn nach Verne zurück: Im Jahr 2013 fand diese zum 250. Mal statt.

Bildung und Ökumene im Blick

Die Kirche im Erzbistum Paderborn zeigt seit jeher ein großes Engagement im Bereich der Bildung. Vor allem Ordensleute unterrichteten seit dem Mittelalter die Menschen im Hochstift Paderborn. Jesuiten unterhielten beispielsweise in Büren ein Kolleg. Die prachtvolle, im 18. Jahrhundert im Auftrag des Ordens errichtete Jesuitenkirche "Maria Immaculata" erinnert bis heute an den Orden. Die Kirche ist ein echtes "Schmuckstück" – gehört sie doch zu den wenigen Gotteshäusern im italienisch geprägten Stil nördlich des Mains.
1614 wurde in der Stadt an der Pader Bildungsgeschichte geschrieben: Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg gründete in Paderborn mit der Theologischen Fakultät die heute älteste Universität in Westfalen, deren Leitung ebenfalls den Jesuiten oblag. Im Oktober 2014 begeht die Fakultät ihr 400-jähriges Bestehen.

Heute ist der Theologischen Fakultät auch das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik angegliedert, das 1957 von Erzbischof Lorenz Jaeger in Paderborn gegründet wurde. Er gilt als Pionier der ökumenischen Bewegung und war seit 1941 Erzbischof von Paderborn. Erzbischof Jaeger war an der Initiative zur Gründung des vatikanischen Einheitssekretariates beteiligt und gilt als einer der Väter des Ökumenismusdekretes des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auch aufgrund seines Einsatzes für die Einheit der Kirche wurde er 1965 in den Kardinalsrang erhoben. Auch heute wird die Ökumene im Erzbistum Paderborn großgeschrieben: Dies wird etwa konkret im zur Tradition gewordenen Ökumenischen Vesper-Gottesdienst, den Erzbischof Hans-Josef Becker jedes Jahr am Sonntag vor Pfingsten mit den leitenden Geistlichen der benachbarten evangelischen Landeskirchen, den auf dem Territorium des Erzbistums Paderborn wohnenden orthodoxen Bischöfen sowie Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) feiert.

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Dr. Michael Bredeck, Geschäftsführer der "Perspektive 2014" erläutert im katholisch.de-Studio dieses Projekt im Erzbistum Paderborn.  katholisch.de

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts kümmerten sich die Augustiner Chorfrauen um die Mädchenbildung im Erzbistum Paderborn. Das Engagement des Erzbistums Paderborn im Bereich der Bildung ist auch heute deutlich sichtbar: 19 katholische Schulen unterhält das Erzbistum Paderborn in eigener Trägerschaft, insgesamt gibt es 42 katholische Schulen in freier Trägerschaft. Auch die große Zahl von insgesamt 625 Kindertageseinrichtungen im gesamten Erzbistum spricht für sich.
Im Bereich der Bildung beschränkt sich das Engagement des Erzbistums Paderborn nicht auf Kinder und Jugendliche: In fünf katholischen Bildungshäusern in Paderborn, Dortmund, Schwerte, Winterberg-Elkeringhausen und Warburg-Hardehausen sowie in fünf Bildungsstätten für Katholische Erwachsenen- und Familienbildung und 21 Dekanatsbildungswerken können Erwachsene und Familien ein breit gefächertes Bildungsangebot wahrnehmen.

Weitere überregional bedeutsame Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft bereichern das Kultur- und Bildungsangebot im Erzbistum, so die Erzbischöfliche Akademische Bibliothek und das Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit im Erzbistum Paderborn (IRUM), beides in Paderborn. Zudem findet sich hier das Erzbischöfliche Priesterseminar, das Erzbischöfliche Theologen-Konvikt Collegium Leoninum und eine Abteilung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW). In Paderborn, direkt neben dem Hohen Dom, ist auch das Erzbischöfliche Diözesanmuseum beheimatet, das regelmäßig mit überregional bedeutsamen Ausstellungen zahlreiche Besucher in die Stadt an der Pader lockt – zuletzt sorgte im Jahr 2013 die große kunst- und kulturhistorische Schau "CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter", ein Kooperationsprojekt des Erzbistums Paderborn, der Stadt Paderborn und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, für eine große, auch internationale Resonanz.

Soziales Engagement mit Tradition

Ein Grundpfeiler kirchlicher Arbeit ist im Erzbistum Paderborn ebenfalls stark ausgeprägt: die "Caritas". Auch in diesem Bereich waren es zunächst vor allem Ordenschristen, die anfingen, Hilfe in sozialen Notsituationen zu leisten. Besonders zu nennen ist hier die selige Ordensgründerin Mutter Pauline von Mallinckrodt, eine Tochter der Stadt Paderborn. Sie kümmerte sich um die Blinden und Notleidenden. Sie versammelte gleichgesinnte Frauen um sich und gründete mit ihnen die Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe, die noch heute ihr Mutterhaus in Paderborn hat. Die Schwestern führen in der Domstadt eine von fünf Blindenschrift-Druckereien in Deutschland.

Zahlreiche weitere Ordensleute engagierten sich im sozialen Bereich: Im 19. Jahrhundert entstand die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Salzkotten. Die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul kamen nach Paderborn, um sich der Armen, Kranken und Menschen mit Behinderung anzunehmen, ebenso wie die Missionsschwestern von Neuenbeken. Mit Recht kann dies als sozialer Aufbruch bezeichnet werden.

Heute kommt die Kirche im Erzbistum Paderborn ihrem caritativen Auftrag auch durch vielfältige Beratungsstellen nach – von der Telefonseelsorge über Schuldnerberatung, Beratung für Drogenabhängige oder arbeitslose Jugendliche bis hin zur Hilfe für werdende Mütter in Konfliktsituationen. In zahlreichen unterschiedlichen Einrichtungen erfahren Alte, Kranke und Sterbende Hilfe und Begleitung. 78 Einrichtungen für Kinder und Jugendliche sind im Erzbistum Paderborn zu finden, ebenso wie 119 Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und 213 Angebote für Menschen in Krisensituationen.

Diözesanes Forum im Erzbistum Paderborn.
Diözesanes Forum im Erzbistum Paderborn: Gläubige formen mit ihren Händen ein Kreuz.  Erzbistum Paderborn

Eine wichtige Pionierin auf dem Gebiet der Caritas war – neben der seligen Mutter Pauline von Mallinckrodt – Mutter Maria Theresia Bonzel OSF aus Olpe. 1863 gründete sie die Kongregation der "Armen Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung zu Olpe", die sich – auch unter den widrigen Bedingungen des Kulturkampfes – um kranke und bedürftige Menschen kümmerte. Heute ist der Orden in den USA vertreten sowie auf den Philippinen und in Brasilien. Große Weitsicht bewies Mutter Maria Theresia, als sie 1902 als eine der ersten Frauen eine GmbH gründete, um die Tätigkeit ihres Ordens wirtschaftlich und rechtlich abzusichern. Heute ist die GmbH bekannt als "Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen" (GFO). Am 18. September 1961 wurde der Seligsprechungsprozess für Mutter Maria Theresia Bonzel durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger eröffnet. Über 60 Jahre später, am 27. März 2013, unterzeichnete Papst Franziskus das Dekret zur Seligsprechung der Ordensgründerin. Am 10. November 2013 war es dann so weit: Mutter Maria Theresia Bonzel OSF wurde in einem feierlichen Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn seliggesprochen.

Eine weitere bedeutende Persönlichkeit der jüngeren Geschichte aus dem Erzbistum Paderborn ist der aus Neheim im Sauerland stammende Priester Franz Stock, der während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg zunächst als Standortpfarrer in den Gefängnissen der Wehrmacht in Paris und später als Regens des als "Stacheldrahtseminar" bekannt gewordenen Priesterseminars von Chartres wirkte und so zu einem Wegbereiter der deutsch-französischen Verständigung und Aussöhnung wurde. Die Verehrung für Abbé Franz Stock ist in Frankreich wie in Deutschland bis heute ungebrochen: In beiden Ländern halten Franz-Stock-Komitees sein Andenken und Wirken lebendig. Am 14. November 2009 eröffnete der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker das Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock. Der diözesane Informativprozess zur Seligsprechung des Priesters aus dem Erzbistum Paderborn wurde am 8. November 2013 abgeschlossen.

Auf dem Weg in die Zukunft

Die Kirche im Erzbistum Paderborn stellt sich den Herausforderungen, die sich aus dem gesellschaftlichen und demografischen Wandel der letzten Jahrzehnte ergeben. Erzbischof Hans-Josef Becker startete im Jahr 2004 unter dem Titel "Perspektive 2014" einen diözesanen Prozess, um diese Herausforderungen gemeinsam mit vielen Haupt- und Ehrenamtlichen zu schultern. Das erklärte Ziel dieses Prozesses: das Weiterleben des Glaubens in der Ortskirche von Paderborn zu sichern. Dies erfordert auf allen Ebenen ein Umdenken: In den Pastoralen Räumen des Erzbistums sind Priester, hauptamtliche Laien und Ehrenamtliche aufgerufen, nach innovativen Wegen der Seelsorge zu suchen, die der vielfältigen Lebenswirklichkeit heutiger Menschen Rechnung tragen. Zentral in diesem Entwicklungsprozess ist die umfassende Aneignung einer "Pastoral der Berufung", die auf dem Gedanken der Berufung aller Menschen gründet. Ihr Ziel ist es, die Begabungen und Fähigkeiten der Menschen im Pastoralen Raum zur Geltung kommen zu lassen und weiterzuentwickeln. Die Seelsorge vor Ort richtet sich also an den vorhandenen Gaben und Charismen aus, die Kirche vor Ort bildet sich neu als "Gemeinschaft der Berufenen".

Der Paderborner Erzbischof und seine Weihbischöfe

Hans-Josef Becker ist der 66. Bischof und der vierte Erzbischof von Paderborn. Er wurde als Nachfolger des am 25. Juli 2002 verstorbenen Erzbischofs Johannes Joachim Kardinal Degenhardt am 28. September 2003 in sein Amt eingeführt. Becker, der als bescheiden und volksnah gilt, wurde am 8. Juni 1948 in Belecke/Warstein geboren. Rund 15 Jahre wirkte er als Pfarrer und Dechant in Lippstadt. 1995 wurde er Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Im Jahr 2000 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Vina und Weihbischof in Paderborn. In seiner Zeit als Weihbischof war er Bischofsvikar für die Priesterfortbildung. Seit 2006 hat Erzbischof Hans-Josef Becker den Vorsitz der Kommission VII Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz inne. Zudem ist er Mitglied in der „Gemeinsamen Konferenz“ von Deutscher Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken.
Erzbischof Hans-Josef Becker wird unterstützt von drei Weihbischöfen: Weihbischof Manfred Grothe (Weihe 2006) ist Bischofsvikar für die Caritas. Weihbischof Matthias König, der zusammen mit Weihbischof Grothe geweiht wurde, ist Bischofsvikar für die Aufgaben der Weltkirche und Weltmission sowie für Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des apostolischen Lebens. Weihbischof Hubert Berenbrinker, der 2008 geweiht wurde, ist Bischofsvikar für die Begleitung der Ruhestandsgeistlichen. Der Generalvikar von Erzbischof Hans-Josef Becker ist Apostolischer Protonator Alfons Hardt.

Der vorliegende Text ist dem Buch 27 x katholisch. Die deutschen Bistümer im Porträt. entnommen, das im Bonifatius-Verlag erschienen ist und zu einer Reise durch das katholische Deutschland einladen will. Das Buch porträtiert die 27 deutschen Bistümer in Text und Bild.

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