Bistum Essen

An der Seite der Menschen

Das Bistum Essen im Porträt

Essen - 09.03.2015

Das Bistum Essen ist ein "junges" Bistum. Die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und dem Land Nordrhein-Westfalen führten am 19. Dezember 1956 zu einem Vertrag über die Errichtung des Bistums Essen, welches zum 1. Januar 1958 aus bisherigen Gebieten der Bistümer Köln, Münster und Paderborn gegründet wurde. Das Bistum umfasst sowohl die Städte und Kreise entlang der Ruhr (mit Ausnahme von Dortmund und Recklinghausen) als auch das märkische Sauerland.

Das Ruhrgebiet ist eine "Region im Umbruch". Auch die Kirche an der Ruhr und an der Lenne will den Umbruch wagen und sich der Zukunft stellen. Dabei will das Bistum Essen vor allem "nah bei den Menschen sein" und die Gläubigen bestärken, selbst aktiv zu werden.

Reich an Geschichte und Kunst

Das Bistum Essen ist trotz seiner "jungen Jahre" reich an Geschichte und Kunst. Im Mittelpunkt steht dabei das "altehrwürdige Münster am Hellweg". Die ehemalige Stiftskirche von Essen wurde 1958 zur Kathedrale des Bischofs von Essen. Der Essener Dom ist ein Zeugnis romanischer und gotischer Baukunst und hat eine über 1150 Jahre alte Geschichte vorzuweisen. Diese geht auf die Errichtung eines hochadeligen Damenstifts durch Altfrid (späterer Bischof von Hildesheim) zurück. Dom und Domschatzkammer in Essen beherbergen zahlreiche bedeutende Kunstwerke, darunter die Goldene Madonna, den Siebenarmigen Leuchter, das Essener Schwert und die Essener Krone.

Daneben gehört die St.-Ludgerus-Basilika in Essen-Werden zu den bedeutendsten spätromanischen Kirchenbauten des Rheinlandes. Im Osten der ehemaligen Abteikirche befindet sich die Krypta mit dem Schrein des heiligen Ludgerus. Ludgerus, der 805 erster Bischof von Münster wurde, hatte zuvor die Abtei in Werden gegründet. In der Schatzkammer St. Ludgerus befindet sich unter anderem eine Elfenbeinpyxis aus dem 5./6. Jahrhundert, diese zeigt die älteste Darstellung der Geburt Jesu in Deutschland.

Halt und Hoffnung für die Menschen der Region

Seit der Gründung des Bistums Essen haben sich deren Bischöfe vor allem an die Seite der Menschen im Ruhrgebiet und im märkischen Sauerland gestellt. Angefangen von Dr. Franz Hengsbach, dem ersten Bischof von Essen, welcher ein Stück Steinkohle in seinem Bischofsring trug. Der 1988 zum Kardinal erhobene "Ruhrbischof" wollte mit dem neuen Bistum an der Ruhr dafür sorgen, "dass die Kirche den arbeitenden Menschen in dem ständig wachsenden Ballungsraum näherkommt und tiefer verwurzelt wird". In seine Bischofszeit fallen einerseits die Neugründung vieler Kirchen und kirchlicher Einrichtungen, andererseits aber auch die ersten Krisen des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Kardinal Hengsbach hat wie seine Nachfolger Bischof Dr. Hubert Luthe, Bischof Dr. Felix Genn und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck immer "vor Ort" an der Seite der Menschen gestanden. Gerade auch in schlechten Zeiten, beispielsweise bei den Schließungen von Zechen und Industriezweigen (Nokia und aktuell Opel) sowie den Stahlkrisen, haben die Kirchen und die Ruhrbischöfe den Menschen der Region Halt und Hoffnung vermittelt.

20. Haldenkreuzweg auf der Bottroper Halde Prosper Haniel mit Bischof Franz-Josef Overbeck.  Nicole Cronauge/Bistum Essen

Dies hat auch zu einer engen Verbindung zwischen Bergbau, Industrie und Kirche geführt. Belege dafür sind nicht nur die zahlreichen Knappenvereine, die christliche Traditionen, wie die Verehrung der heiligen Barbara (Schutzpatronin des Bergbaus), ins 21. Jahrhundert überführt haben. Auch der Initiativkreis Ruhr , ein Zusammenschluss von Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Industrie, der von Kardinal Hengsbach initiiert wurde, trägt bis heute maßgeblich zur Gestaltung des Strukturwandels im Ruhrgebiet und Sauerland bei.

Die enge Verbundenheit zwischen den Menschen und der Kirche wird besonders an zwei Stellen im Bistum Essen deutlich: Einerseits auf dem Kreuzweg auf der Halde an der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. im Mai 1987 im Ruhrgebiet wurde von Auszubildenden des Bergwerks ein 156 Meter hohes Holzkreuz gefertigt, das nach Fertigstellung des Kreuzwegs auf dem Haldengipfel errichtet wurde. Jedes Jahr nehmen mehrere Tausend Gläubige an der Karfreitagsprozession auf der Halde Prosper-Haniel teil. Andererseits in der Kapelle der "Arena auf Schalke". Dass Fußball und die Religion auch heute noch fest mit dem Leben der Menschen im Ruhrgebiet verbunden sind, zeigt der ökumenisch genutzte Gottesdienstraum in der Fußballarena in Gelsenkirchen. Ein Novum in der Bundesliga. Ein evangelischer und ein katholischer Pfarrer nehmen dort Trauungen sowie Taufen vor und sorgen dafür, dass die Kapelle ein würdiger Ort des Glaubens ist, der für alle Konfessionen offen ist.

"Heimat im Glauben"

In die Amtszeit des zweiten Essener Bischofs, Dr. Hubert Luthe , fällt der Abschluss des Partnerschaftsvertrages mit dem Erzbistum Kattowitz (Polen). Auch die Partnerschaft mit dem Bistum Hongkong, der Austausch mit den USA ("crossing over") sowie die ausgeprägte Arbeit der fremdsprachigen Gemeinden zeigen, dass im Bistum Essen der Integration verschiedener Nationen ein besonderer Stellenwert eingeräumt wird. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche haben dazu beigetragen, den Menschen an Ruhr und Lenne eine "Heimat im Glauben" zu geben. Dazu gehört auch die gute Partnerschaft mit den jüdischen und den muslimischen Gemeinden, die vor allem durch Weihbischof em. Franz Vorrath vorangetrieben wurde.

Das Gebiet des Bistums Essen umfasst rund 2,5 Millionen Menschen, und in einer der fünf größten Metropolen Europas sind 33,5 Prozent der Bevölkerung katholisch (rund 830 000 Menschen). Rund die Hälfte des Bistums Essen bildet dabei das ländlich geprägte Sauerland mit dem Ankerpunkt Lüdenscheid. Und Europa war im Kulturhauptstadtjahr 2010 auch zu Gast an der Ruhr und an der Lenne. Die Kirche im Bistum Essen hat dabei gezeigt, dass sie – damals wie heute – Brücken zwischen den Nationen, Kulturen und Religionen schlagen kann.

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Diskussionen und zuspitzende Meinungen bringen voran: die Form der Kirche muss neu bestimmt werden.  Katholische Fernseharbeit

Vom Strukturwandel zum Zukunftsbild – die Kirche im Wandel

Der Strukturwandel mit seinem demographischen Wandel und sinkenden Katholiken- sowie Priesterzahlen hat dazu geführt, dass Bischof Dr. Felix Genn im Jahr 2005 einen Umstrukturierungsprozess im Bistum initiierte. "Wir müssen diese große pastorale Herausforderung annehmen und den Umbruch der Kirche gestalten. Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden hat eine Sendung zu erfüllen – auch mit weniger Mitteln", so Bischof Genn wörtlich. Dabei ging es dem dritten Bischof von Essen in seinem Hirtenwort vom 10. Januar 2005 aber nicht darum, das Ruhrbistum allein finanziell und strukturell handlungsfähig zu halten, sondern auch inhaltlich als "lebendige Kirche" neu aufzustellen. Dazu wurden die 259 Gemeinden im Ruhrgebiet und märkischen Sauerland zu 43 Pfarreien zusammengeschlossen sowie Personal und Angebote reduziert. Gerade die Aufgabe von Kirchengebäuden , die vielerorts erst nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut oder neu entstanden waren, betrübte die Gläubigen im Bistum Essen anfangs schwer. Bis heute sind diese "Wunden" noch mancherorts spürbar, wie Generalvikar Klaus Pfeffer betonte. Das Bistum Essen ist aber froh, für viele der sogenannten "weiteren Kirchen" eine gute Nutzung gefunden zu haben. "Die Kirche im Ruhrbistum ist weiterhin bei den Menschen vor Ort präsent", betonte Msgr. Pfeffer und blickt dabei optimistisch in die Zukunft.

Gemeinsam die Zukunft gestalten

Denn Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat am 28. Januar 2012 den Dialogprozess "Zukunft auf katholisch" initiiert, in dessen Folge in thematischen "Bistumsforen", aber auch dezentral in Gemeinden, Pfarreien und Verbänden über die Zukunft des Ruhrbistums beraten wurde. Daraus entstanden ist ein "Zukunftsbild", mit dem die Kirche im Ruhrgebiet und Sauerland neu "modelliert" werden soll – und dies gemeinsam mit allen Gläubigen. Das Bistum Essen beschreibt sein Zukunftsbild mit sieben Eigenschaften: "Wir schlagen vor, eine Kirche sein zu wollen, die erfahren werden kann als: berührt, wach, vielfältig, lernend, gesendet, wirksam und nah", so Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer, und sie verbinden mit dem Zukunftsbild den Wunsch, "dass wir gemeinsam eine Kirche 'entfalten', der man die Lust am Christsein siebenfach anmerkt!" Und das Bistum Essen ist bereit, dafür auch neue Wege zu gehen und dabei im Sinne des Zukunftsbildes alle Getauften, "die sich für den Glauben engagieren wollen", einzubinden, wie Generalvikar Msgr. Klaus Pfeffer betont. Es werden "überzeugte Christen" gesucht, die die Kirche mitgestalten wollen, auch wenn dies zuvor bedeutet "schmerzhaft Abschied nehmen zu müssen" (z. B. von Kirchengebäuden). Der Strukturwandel an der Ruhr und Lenne wird dabei noch einige Zeit und Kraft kosten, die "wandelerprobten" Katholiken im Ruhrgebiet und Sauerland sind aber bereits aufgebrochen, die Zukunft der Kirche im Bistum Essen aktiv mitzugestalten.

Persönlichkeiten des Bistums

Kardinal Dr. Franz Hengsbach Kardinal Hengsbach war der erste Bischof des Bistums Essen. Der Gründerbischof des Bistums an Ruhr und Lenne wurde am 10. September 1910 im Sauerland geboren. Mit seiner engen Verbundenheit zur Region stellte Hengsbach einen idealen Repräsentanten des Ruhrbistums dar. Zugleich genoss er bei der Bevölkerung aufgrund seiner freundlichen und offenen Art große Sympathien. Zu seinen zentralen Errungenschaften zählte vor allem der Aufbau des Bistums Essen. Aber auch die Zuversicht und Hoffnung, die er den Menschen während der Strukturkrise vermittelte, bleiben bis heute in Erinnerung. Die Nähe zu den Menschen und seine Präsenz "vor Ort" – während die Zechenstilllegungen in den 60er-Jahren die wirtschaftliche Situation im Bistum überschatteten – waren charakteristisch für das Leben und Wirken Hengsbachs. In seiner über 30-jährigen Amtszeit als Bischof Essens hat er viel bewirkt. Als einer der Initiatoren des Briefwechsels zwischen der polnischen und der deutschen Bischofskonferenz trug er maßgeblich zur Aussöhnung zwischen den beiden Völkern bei. Zudem war Hengsbach Mitbegründer der Bischöflichen Aktion Adveniat im Jahr 1961, deren Vorsitz er bis zu seinem Tod innehatte. Am 28. Juni 1988 würdigte der Papst das Wirken des Bischofs mit der Aufnahme in das Kardinalskollegium. Rund drei Jahre später – am 24. Juni 1991 – starb Dr. Franz Hengsbach. Eine prägende Figur für das Ruhrbistum wird er immer bleiben.Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck Geboren wurde der aktuelle Bischof des Bistums Essen am 19. Juni 1964 in Marl. Damit ist er zurzeit der Jüngste unter den fünf nordrhein-westfälischen Bischöfen. Nach Abschluss des Studiums in Münster wurde Franz-Josef Overbeck am 10. Oktober 1989 in Rom durch Joseph Kardinal Ratzinger zum Priester geweiht. Overbeck promovierte ebenfalls in Münster und wurde im Jahr 2000 zum Leiter des Instituts für Diakonat und pastorale Dienste im Bistum Münster ernannt. Franz-Josef Overbeck wurde am 1. September 2007 im St.-Paulus-Dom zu Münster zum Bischof geweiht. Zwei Jahre später erfolgte die Ernennung zum Bischof von Essen. Am 24. Februar 2011 erfolgte seine Berufung zum Katholischen Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr durch Papst Benedikt XVI.

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