Angeblich 58 Kirchen durch den Staat geschlossen

Die koptischen Christen in Ägypten geraten weiter unter Druck. Menschenrechtler sprechen von einer willkürlichen Einschränkung der Religionsfreiheit. Doch das ist noch nicht alles.

Ägypten | Göttingen - 12.09.2017

Menschenrechtler werfen Ägyptens Behörden eine willkürliche Einschränkung der Religionsfreiheit koptischer Christen vor. Mindestens 58 Kirchen seien auf staatliche Anordnung in den vergangenen Monaten angeblich aus Sicherheitsgründen geschlossen worden, teilte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag in Göttingen mit. "Dies ist ein massiver Eingriff in die Glaubensfreiheit koptischer Christen und macht deutlich, dass Kopten in dem mehrheitlich muslimischen Land noch immer nicht als gleichberechtigte Bürger anerkannt sind", kritisierte GfbV-Direktor Ulrich Delius.

Vor allem in dem von Kopten bewohnten Oberägypten seien in vielen Dörfern Kirchen von der Polizei nach Protesten von Muslimen aus der Nachbarschaft geschlossen worden, hieß es. Zudem behaupteten die Sicherheitskräfte, die Kirchengemeinden seien nicht wirksam vor Terrorangriffen zu schützen. Delius nannte die offizielle Begründung "absurd und ein Armutszeugnis für Ägyptens Polizei und Armee", denen das in der Verfassung garantierte Recht auf Religionsfreiheit sei für alle Bürger zu gewährleisten. "Es kann nicht angehen, dass wegen Einschüchterungen und Pöbeleien von muslimischen Extremisten vielen Kopten die Ausübung ihres Glaubens verweigert wird."

Nicht nur die Glaubensfreiheit gefährdet

Seit 2012 mussten laut GfbV landesweit 67 Kirchen schließen, nur neun seien inzwischen wiedereröffnet. Die Behörden hätten den Kopten mehrfach zugesagt, sich um eine baldige Wiedereröffnung aller Kirchen zu bemühen. Für die Kopten bedeuteten die Schließungen einen tiefen Einschnitt, da sie meist keine alternativen Orte für ihre Gottesdienste hätten, sagte Delius. Laut dem koptischen Bischof Makarios fehlen in rund 70 Dörfern seines Bezirkes Kirchen, da trotz eines neuen Gesetzes keine Genehmigung zu deren Bau erteilt werde.

Doch nicht nur die Glaubensfreiheit ist in Gefahr. In den vergangenen Monaten mussten die Kopten im Land teilweise sogar um ihr Leben fürchten. Im Dezember waren bei einer Explosion in der Nähe der koptischen Markus-Kathedrale in Kairo 27 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. Im Januar sorgte dann eine Mordserie an koptischen Christen für Unruhe und Besorgnis. Die christliche Minerheit stellt Schätzungen zufolge rund zehn Prozent der Bevölkerung Ägyptens. (bod/KNA)

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