Angriff Israels: Dutzende Tote an Gaza-Grenze

Luftangriff auf eine Hamas-Stellung, Auseinandersetzung bei einer palästinensischen Demo: Die Situation an der Grenze zum Gazastreifen droht zu eskalieren. Es gibt bereits mindestens 52 Todesopfer.

Israel | München/Eichstätt - 14.05.2018

Die Lage entlang der Grenze zum Gazastreifen spitzt sich zu. Die israelische Armee flog am Montagnachmittag einen Luftangriff auf eine Hamas-Stellung in Jabalia nördlich von Gaza-Stadt, wie israelische Medien unter Berufung auf Armeeangaben berichteten.

Unterdessen kam es bei der palästinensischen Kundgebungen zum "Marsch der Rückkehr" ebenso zu Toten wie im Südgaza, wo Palästinenser beim Versuch erschossen wurden, Sprengstoff in der Nähe des Grenzzauns anzubringen. Auch an mehreren Orten im Westjordanland kam es Medienberichten zufolge zu Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Armee. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza stieg die Zahl der Toten auf 52, die Zahl der Verletzten auf 2.400 an. Es ist damit der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014.

Israel machte die Hamas verantwortlich

Israel machte die Hamas sowie den Iran für die Eskalation verantwortlich. Die Hamas sende Demonstranten mit dem Auftrag zur Grenze, Gewalt auszuüben und die Sicherheitsanlagen zu beschädigen, erklärte die israelische Sicherheitsbehörde. Der Iran unterstütze die Gewaltakte der Hamas finanziell. Israel werde die Sicherheit seiner Bürger verteidigen und entschieden gegen jeden Versuch vorgehen, die Grenze nach Israel zu durchbrechen.

Hintergrund der angespannten Sicherheitslage sind die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem an diesem Montag sowie der sogenannte Nakba-Tag am Dienstag, mit dem die Palästinenser an die Vertreibung im Zuge der Staatsgründung Israels gedenken. "Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen", sagte US-Präsident Donald Trump am Montag in einer Videobotschaft, die bei der Eröffnung der Botschaft ausgestrahlt wurde. Trotz der zalreichen Toten twitterte Trump am Nachmittag: "Großer Tag für Israel. Glückwunsch!"

Al-Kaida-Führer Ayman al-Zawahiri rief unterdessen laut israelischen Medienberichten in einem Video (Sonntagabend) zum Dschihad gegen die USA auf. Die Arabische Liga kündigte für Mittwoch eine außerordentliche Sitzung über die als illegal angesehene US-Botschaftsverlegung an, wie israelische Medien unter Berufung auf die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur "Mena" berichteten.

Die Vereinten Nationen äußerten sich alarmiert über einen "unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt" israelischer Sicherheitskräfte gegen palästinensische Demonstranten seit Beginn der Proteste Ende März. Sie appellierten an Israel, dies unverzüglich zu beenden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Netanjahu: Verlegt eure Botschaften nach Jerusalem

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief die Länder der Welt unterdessen auf, dem Beispiel der USA zu folgen. "Verlegt eure Botschaften nach Jerusalem, weil es den Frieden voranbringt, und das deshalb, weil man Frieden nicht auf ein Fundament von Lügen aufbauen kann", sagte Netanjahu laut Mitteilung des Regierungspressebüros am Sonntagabend bei einem Empfang für die US-Delegation zur Eröffnung der Botschaft.

Die Verlegung der US-Botschaft, die ihren Sitz bislang wie alle anderen diplomatischen Vertretungen in Tel Aviv hatte, war auf scharfe Kritik in der Arabischen Welt und Unverständnis in vielen westlichen Staaten gestoßen. Der endgültige Status Jerusalems solle erst im Rahmen einer Friedenslösung geklärt werden, so die internationale Position. (bod/KNA/dpa)

14.5., 18:47 Uhr: Opferzahlen korrigiert. /tmg

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