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Aufruf zum Frieden

Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Friedensgebet von Israels Staatspräsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Vatikan hat die Initiative konkrete Formen angenommen: Klarer als zuvor ist nach der Vorstellung des Programms am Freitag vor allem, dass es sich nicht um ein "interreligiöses Gebet" handeln wird. Juden, Christen und Muslime beten am gleichen Ort, aber nacheinander.

Nahost | Vatikanstadt - 07.06.2014

Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Friedensgebet von Israels Staatspräsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Vatikan hat die Initiative konkrete Formen angenommen: Klarer als zuvor ist nach der Vorstellung des Programms am Freitag vor allem, dass es sich nicht um ein "interreligiöses Gebet" handeln wird. Juden, Christen und Muslime beten am gleichen Ort, aber nacheinander.

Deutlich wurde auch noch einmal, dass es sich nicht um eine politische Vermittlungsaktion handelt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen am Sonntagabend Gebet, Musik und Meditation. Die anschließend vorgesehenen Reden von Peres, Abbas und Franziskus sollen nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi nicht politisch sein. Ebenso klar ist jedoch, dass eine Begegnung der beiden Staatsoberhäupter Peres und Abbas nie unpolitisch sein könne.

"Man betet nicht zusammen, sondern kommt zusammen, um zu beten", lautete die Formel, die der Kustos für das Heilige Land, Pierbattista Pizzaballa, am Freitag bei der Vorstellung des Programms in Rom verwendete. Jede Vermischung der Religionen solle vermieden werden, so der Franziskaner. Damit bekräftigte er die vatikanische Position, die der damalige Kardinal Joseph Ratzinger nach Irritationen über das erste Weltgebetstreffen in Assisi 1986 formuliert hatte. Dies dürfte wohl auch ein Grund dafür sein, dass die Begegnung auf einer Rasenfläche unter freiem Himmel in den Vatikanischen Gärten zwischen den Vatikanischen Museen und dem Sitz der päpstlichen Akademie der Wissenschaften stattfindet - und nicht etwa im Apostolischen Palast. Diese Grünfläche unter Bäumen kann wohl als einer der religionsneutralsten Orte im Vatikan gelten.

Kein "interreligiöses Gebet"

Die Begegnung sei kein "interreligiöses Gebet" von Juden, Christen und Muslimen, sondern ein Aufruf zum Frieden von Israelis und Palästinensern, stellte Pizzaballa klar. Gebetet wird nach der Religionszugehörigkeit nacheinander über nationale und ethnische Grenzen hinweg. Erst Juden, dann Christen und schließlich Muslime. Kriterium für die Reihenfolge sei die Entstehungszeit der jeweiligen Religion, erläuterte der Vatikansprecher. Das heißt, ein arabischer Christ aus der israelischen Delegation würde mit den Christen aus der palästinensischen Delegation zusammen beten; ein Jude in der päpstlichen Delegation mit seinen Glaubensbrüdern. Und ein Muslim aus der israelischen Delegation mit den palästinensischen Muslimen.

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Bilanz der dreitägien Reise von Papst Franziskus durch das Heilige Land
 KNA/Gottfried Bohl

Die genaue Zusammensetzung der jeweils 15 bis 20 Personen umfassenden Delegationen steht freilich noch nicht fest. Der Gruppe des Papstes gehören nach Angaben Lombardis der Rabbiner Abraham Skorka sowie der Muslim Omar Abboud aus Argentinien an, die Franziskus zuletzt auch ins Heilige Land begleitet hatten. Fest steht demnach weiter, dass weder auf israelischer noch auf palästinensischer Seite Regierungsmitglieder dabei sein werden.

Eine "starke Geste" an die Politik

In jedem Fall ist es offenbar das erste Mal, dass Christen, Juden und Muslime im Vatikan zusammenkommen, um an einem Ort zu beten. Er erinnere sich nicht an einen früheren derartigen Vorgang, so Lombardi. Bislang hätten die Vertreter der verschiedenen Religionen allenfalls an getrennten Orten im Vatikan gebetet. Handfeste politische Erfolge hatten frühere Friedensinitiativen der Päpste im Nahen Osten bislang nicht. Johannes Paul II. (1978-2005) konnte die US-Invasion im Irak 2003 ebenso wenig verhindern, wie Franziskus den Bürgerkrieg in Syrien mit seiner Gebetsinitiative im September beenden konnte.

Und so gab sich auch Kustos Pizzaballa am Freitag realistisch, aber nicht resigniert. "Natürlich glaubt niemand, dass nach diesem Treffen der Frieden im Heiligen Land ausbrechen wird", sagte er. Mit der Begegnung solle jedoch eine "starke Geste" gesetzt werden, um jenen weiten Atem in die Politik zu tragen, der bisweilen fehle. Das Gespräch zwischen Israelis und Palästinensern könne nicht nur den Politikern überlassen werden.

Von Thomas Jansen (KNA)

Erklärung von Kardinal Reinhard Marx

Papst Franziskus wird am Sonntag Israels Präsidenten Shimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Vatikan empfangen, um für den Frieden im Nahen Osten zu beten. An dem Friedensgebet wird auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., teilnehmen. Dazu erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx: "Bei seinem erst wenige Tage zurückliegenden Besuch im Heiligen Land hat der Heilige Vater, Papst Franziskus, die Repräsentanten Israels und der Palästinenser zu einem Gebet für den Frieden in den Vatikan eingeladen. Es stimmt hoffnungsvoll, dass Präsident Peres und Präsident Abbas zugesagt haben und die Begegnung bereits am bevorstehenden Pfingstsonntag stattfinden wird. Eine Grunderfahrung aller Gläubigen besagt, dass wir aus mancher Sackgasse nicht aus eigener Kraft herausfinden, sondern dazu des Segens Gottes bedürfen, den wir im Gebet erbitten. Diesem Gedanken ist Papst Franziskus gefolgt, als er die Staatsmänner nicht zu politischen Verhandlungen, sondern ausschließlich zum Gebet nach Rom eingeladen hat. Gläubige in Deutschland und in vielen anderen Ländern haben bereits angekündigt, sich dem bevorstehenden Ereignis im Vatikan in Schweigeminuten oder eigenen Gebeten anzuschließen. Ich bin dankbar für diese Initiativen, zeigen sie doch die lebhafte Sehnsucht nach Frieden, die so viele Menschen überall auf der Welt beseelt. Papst Franziskus hat den ausdrücklichen Wunsch geäußert, dass alle Gläubigen der Welt diesen Moment der Geschichte mit ihrem Gebet begleiten, damit Gott noch intensiver darum gebeten wird, dass Friede im Land Jesu herrsche. Gemeinsam mit meinen Mitbrüdern im Bischofsamt lade ich alle Priester, Diakone, Ordensleute, alle Kirchengemeinden und Gläubigen in unserem Land ein, dem Wunsch von Papst Franziskus nachzukommen und sich am Pfingstsonntag der Bitte um Frieden im Gebet anzuschließen." (stz)

Gebetstexte veröffentlicht

Der Vatikan hat die Gebetstexte für den "Aufruf zum Frieden" mit Israels Präsident Peres und Palästinenserpräsident Abbas am Sonntag im Vatikan veröffentlicht. Zunächst beten demnach die jüdischen Teilnehmer vier Psalmen aus dem Alten Testament. Darin geht es um die Vergebung von Schuld und Sünde sowie die Bitte um Frieden und das Lob von Gottes Allmacht. Anschließend folgen drei Gebete: das erste ist der Feier des jüdischen Neujahrsfests Yom Kippur entnommen, das zweite stammt vom Breslauer Rabbi Nahum, das dritte ist ein tägliches Friedensgebet. Der christliche Teil der Zeremonie beginnt danach ebenfalls mit einem Psalm sowie einer Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja im Alten Testament. Danach ist jeweils ein Gebet von Johannes Paul II. (1978-2005) und des heiligen Franz von Assisi vorgesehen. Anschließend sprechen die Muslime drei nicht näher bezeichnete Gebete. Zwischen den Texten sind musikalische Meditationen vorgesehen. Die Juden beten auf Hebräisch, die Christen auf Englisch, Italienisch und Arabisch, die Muslime auf Arabisch. Geleitet werden die drei Gebetsmomente nacheinander von einem Rabbi, einem Priester und einem Imam. Zum Abschluss sind Ansprachen von Franziskus, Peres und Abbas vorgesehen. Deren Texte wurde bislang nicht veröffentlicht. (KNA)

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