Autor: Islam hat "Züge einer Sekte" angenommen

Der Islam sei "sehr schlecht aufgestellt, um Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu geben" - diese These äußert der Autor Zafer Senocak in der "Welt". Und er geht noch härter mit dem Islam ins Gericht.

Religionen | Berlin - 15.08.2016

Der Autor Zafer Senocak beobachtet eine "grobe soziale und kulturelle Pervertierung" des Islam. Diese Religion sei "geistig sehr schlecht aufgestellt, um reale Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu geben", sagte Senocak der "Welt" (Montag). Der Glaube sei "keine Suche mehr, sondern Rechthaberei"; der Islam habe "Züge einer Sekte" angenommen.

Diese Entwicklung wurzelt nach Einschätzung Senocaks in der ersten Modernisierungsphase 1880 bis 1930. Dem Islam fehle seither "die Kantische Dimension der Aufklärung, nämlich die Befreiung des Individuums aus seiner selbstverantworteten Unmündigkeit hin zu Kritikfähigkeit und Zweifel". Diese Schieflage habe zu einer tiefen Bewusstseinskrise geführt; heute sei die Religion ein "Projektionsfeld männlicher Hysterie".

"Aufholen" müsse indes nicht der Islam selbst. "Es liegt an den Muslimen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Sie müssen endlich anfangen, Fragen zu stellen, die den Menschen heute und hier dienen", forderte der in Ankara geborene Autor. Ein Weg, Enge zu überwinden, sei die Kunst: Sie "überbrückt die Unnahbarkeit Gottes." In der islamischen Welt verdränge das Wort jedoch alle anderen Zeichen.

Schriftsteller Zafer Senocak.
 dpa/Horst Galuschka

Kritik übte Senocak auch an der Integrationspolitik. Die westliche und die islamische Kultur hätten lange eine Art Zwangsehe geführt: "eine staatlich verordnete Modernisierungspille, die heute nicht mehr wirksam ist". Etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken sei "zu Deutschen geworden", doch es gebe weiterhin "eine türkische Diaspora in Europa". Es gelte jedoch, nicht zu sehr "Sozialingenieur" zu spielen, mahnte Senocak. In einem Rechtsstaat gehe es allein darum, "dass die Menschen, egal welcher Orientierung und Herkunft, sich an die Gesetze halten".

Der Lyriker, Essayist und Buchautor warnte vor einer generellen Abkehr von der "Qualität des Suchens". Er befürchte eine "Gesellschaft der Besserwisser", die "keine Fragilität mehr erträgt". Die muslimischen Gesellschaft seien "abschreckende Beispiele dafür, was alles passiert, wenn die Suche zu mühsam erscheint und das vermeintlich Gefundene zur absoluten Wahrheit wird". (KNA)

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