Autor Yiwu: Franziskus schlechtester Papst der Geschichte

Liao Yiwu ist einer der bekanntesten Dissidenten Chinas. Über die Verhandlungen des Vatikan mit seinem Heimatland sagt er: "Wer mit dem Teufel eine Vereinbarung trifft, befleckt seine weiße Weste."

China | Vatikanstadt - 13.06.2018

Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Liao Yiwu hält Papst Franziskus für den "bisher schlechtesten Papst der Geschichte". Mit dem angestrebten Abkommen mit Chinas Regierung bringe Franziskus "die nicht staatlich reglementierten Christen in Bedrängnis", sagte der in Berlin lebende Schriftsteller der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Donnerstag). Das sei "nicht christlich". Papst Johannes Paul II. (1978-2005) dagegen habe den verfolgten Christen in den kommunistischen Systemen immer Hoffnung gemacht.

Der Vatikan verhandelt seit längerem mit der Regierung in Peking über den Status der katholischen Minderheit im Land. Aus Sicht der chinesischen Regierung seien alle Christen, die sich nicht registrieren und überwachen ließen, Feinde des Systems, sagte Liao. Mit dieser Regierung dürfe der Papst nicht zusammenarbeiten: "Wer mit dem Teufel eine Vereinbarung trifft, befleckt seine weiße Weste."

Liao Yiwu (59), ist einer der bekanntesten Dissidenten Chinas. Er lebt in Berlin. 2012 wurde Liao mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Kürzlich erschien im Fischer-Verlag das Buch: "Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass", in dem er seine Flucht aus China beschreibt.

Zwei "katholische Kirchen" in China

Eine große Besonderheit des chinesischen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung" gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst. Die "patriotischen Christen" dürfen seit 1957 beziehungsweise wieder seit Ende der chinesischen "Kulturrevolution" (1966-1976) mit staatlicher Erlaubnis aktiv sein. Gegen die Mitglieder der "Untergrundkirche" kommt es immer wieder zu staatlichen Sanktionen. Seit der kommunistischen Machtübernahme in Peking 1949 gibt es bis heute keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl.

Das Christentum habe dem abgeschlossenen China einst eine neue Welt eröffnet, so Liao. "Mit der Mission kamen Bildung, Gesundheit und neue Technologien ins Land, die bis heute für den Anschluss an die Moderne, an den Westen wichtig sind." Viele Christen führten heute in China ein Doppelleben, sagte der Schriftsteller weiter. "Egal, ob sie insgeheim dem evangelischen oder dem katholischen Glauben anhängen, versprechen sie sich von ihrer Parteimitgliedschaft oft eine Karriere als Beamte oder Ähnliches." Manche, die den Zwiespalt nicht ertrügen, gingen ins Ausland.

Vor Yiwu hatte etwa auch der frühere Erzbischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, die Verhandlungen kritisiert und dem Vatikan unter anderem einen "Ausverkauf" der katholischen Kirche in China vorgeworfen. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin verteidigte das Vorgehen des Heiligen Stuhls dagegen. Im Blick auf die Beziehungen müsse "angemessener zwischen der geistlich-seelsorglichen Dimension und der Politik unterschieden werden", erläuterte Parolin dem Internetportal "Vatican Insider". Es sei nicht die Mission der Kirche in China, Strukturen oder Verwaltung der Volksrepublik zu ändern, sondern den Menschen das Wort Gottes zu verkünden, betonte er unter Berufung auf den Brief von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) an die chinesischen Katholiken aus dem Jahr 2007. Zen nannte Parolin daraufhin "einen kleingläubigen Mann". (bod/KNA)

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