Bangen um den Dialog

In Nigeria ist am Freitag der Emir von Kano im Alter von 83 Jahren gestorben. Das bestätigten der Gouverneur von Kano, Rabiu Musa Kwankwaso, sowie Mitglieder der Familie des Emirs. Alhaji Ado Abdullahi Bayero war nach dem Sultan von Sokoto der zweithöchste Vertreter der muslimischen Gemeinschaft und galt auch als ein Befürworter des interreligiösen Dialogs.

Nigeria | Abuja - 07.06.2014

In Nigeria ist am Freitag der Emir von Kano im Alter von 83 Jahren gestorben. Das bestätigten der Gouverneur von Kano, Rabiu Musa Kwankwaso, sowie Mitglieder der Familie des Emirs. Alhaji Ado Abdullahi Bayero war nach dem Sultan von Sokoto der zweithöchste Vertreter der muslimischen Gemeinschaft und galt auch als ein Befürworter des interreligiösen Dialogs.

Mit dem Tod des Emirs von Kano hat Nigeria einen seiner prominentesten muslimischen Repräsentanten verloren. Im Land selbst - vor allem im muslimisch geprägten Norden - ist die Trauer darüber groß. Staatspräsident Goodluck Jonathan habe den Tod des traditionellen Herrschers mit "sehr großer Traurigkeit" aufgenommen, teilte dessen Sprecher Reuben Abati mit. Er sprach von einem "sehr großen Verlust für die Nation".

Bayero wurde 1930 geboren. Er besuchte verschiedene Schulen in Kano sowie das Clerical College in Zaria. Danach wurde er Nigerias Botschafter im Senegal. Im Alter von 33 Jahren wurde Bayero 1963 Emir von Kano, ein Titel, der innerhalb der Familie und meist an den ältesten Sohn weitergereicht wird.

Schon länger krank gewesen

Die nigerianischen Emirate entstanden im frühen 19. Jahrhundert nach dem Dschihad von Usman Dan Fodio. Dieser eroberte die einstigen Haussa-Königreiche im Norden Nigerias. Während der britischen Kolonialzeit verkleinerte sich der Einfluss der Emire allerdings immer mehr. Kano war das größte Emirat.

2013 feierte Alhaji Ado Abdullahi Bayero noch sein 50-jähriges Jubiläum. Keiner seiner Vorgänger hatte das Amt so lange inne wie er. In den vergangenen Jahren hieß es immer wieder, er sei schwer krank. Zweimal wurde deshalb die traditionelle Durbar abgesagt, ein großes Reiterfest zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Irrtümlich wurde mehrfach vermeldet, aus Angst vor Anschlägen der Terrorgruppe Boko Haram solle nicht gefeiert werden.

Bundespräsident Horst Köhler wird am Mittwoch (12.11.2008) in Kano in Nigeria vom Emir Alhaji Ado Bayero von Kano empfangen.
 picture-alliance/ dpa/Wolfgang Kumm

Noch im vergangenen Jahr geriet der Emir von Kano offenbar selbst ins Visier der Terroristen. Sein Konvoi wurde von Bewaffneten angegriffen; sein Fahrer und drei Bodyguards starben. Beobachter gingen davon aus, dass Mitglieder von Boko Haram den Anschlag verübten. Die Terrorgruppe soll auch für einen neuerlichen Anschlag auf traditionelle Herrscher im Norden Nigerias verantwortlich sein. In der vergangenen Woche wurden mehrere Emire auf dem Weg nach Gombe angegriffen; der Emir von Gwoza wurde getötet.

In der Bevölkerung hoch angesehen

Dabei gelten traditionelle Herrscher im Norden Nigerias bis heute als einflussreich und sind in der Bevölkerung hoch angesehen. Sie gelten als verlässliche Vertreter in einem schwachen Staat. Aufgabe der Emire ist es beispielsweise, als Vermittler zu fungieren, wenn sich eine interreligiöse Krise anbahnt. Auch Politiker pflegen gute Kontakte zu ihnen.

Der Einfluss auf radikale Gruppierungen ist indes begrenzt. "Es ist weniger wahrscheinlich, dass traditionelle muslimische Herrscher Boko Haram direkt beeinflussen können", schreibt Jacob Zenn, Afrika-Experte des Forschungsunternehmen "The Jamestown Foundation". Möglich sei dagegen, dass sie als ein Bollwerk fungieren und die Suche nach neuen Mitgliedern erschweren.

"Terrorismus hat keinen Platz im Islam"

Führende Vertreter wie das Oberhaupt der nigerianischen Muslime, der Sultan von Sokoto Muhammad Sa'ad Abubakar III., haben sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich von Boko Haram distanziert. Erst vor knapp zwei Wochen sagte der Sultan: "Terrorismus hat keinen Platz im Islam." Er gilt als großer Befürworter des interreligiösen Dialogs, der von Boko Haram strikt abgelehnt wird.

Für das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen stand auch der verstorbene Emir von Kano, sagt Peter Ebidero, Generalvikar der Erzdiözese Kano. Bei Treffen sind sich die beiden Männer regelmäßig begegnet. "Er war ein sehr friedliebender, ruhiger Menschen. Ein guter Mann, der Frieden wollte", beschreibt Ebidero den Verstorbenen. In Kano habe er eine stabilisierende Rolle gespielt. "Nun beten wir, dass sein Nachfolger sich ebenso verhält."

Von Katrin Gänsler (KNA)

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