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Barmherzigkeit und Wahrheit

In nicht einmal einem Monat beginnt die Synode zu Ehe und Familie im Vatikan. Der belgische Bischof Johan Bonny heizte die zunehmende Diskussion darüber zuletzt durch einen offenen Brief an, in dem er unter anderem den Ausschluss von geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen vom Kommunionempfang in Frage stellt. Mit einem 15-seitigen Dokument hat sich jetzt auch der Passauer Bischof Stefan Oster in die Kontroverse eingebracht und hält darin an der katholischen Lehre fest.

Familiensynode | Bonn - 08.09.2014

In nicht einmal einem Monat beginnt die Synode zu Ehe und Familie im Vatikan. Der belgische Bischof Johan Bonny heizte die zunehmende Diskussion darüber zuletzt durch einen offenen Brief an, in dem er unter anderem den Ausschluss von geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen vom Kommunionempfang in Frage stellt. Mit einem 15-seitigen Dokument hat sich jetzt auch der Passauer Bischof Stefan Oster in die Kontroverse eingebracht und hält darin an der katholischen Lehre fest.

Der Text ist nicht etwa eine offizielle Verlautbarung, sondern findet sich auf der Facebook-Seite des Salesianerpaters. Im Juli hatte Oster seine Präsenz auf der Internetplattform deutlich verstärkt und als einer der ersten Bischöfe Facebook für sich als Ort entdeckt, wo er den Menschen in direktem Kontakt Rede und Antwort stehen kann. Seitdem wird auf der Seite besonders über kontroverse Themen wie Zölibat oder Ökumene rege diskutiert.

Unauflöslichkeit der Ehe

"Kurz vorweg: Es ist ein langer Text geworden", entschuldigt sich Oster am Anfang des Dokuments. Es hätten ihn aber so viele Anfragen zu dem Thema erreicht, dass er der Sache gerecht werden und nicht undifferenziert sein wolle. Auch wenn er auf den folgenden Seiten tatsächlich ausführlich seine Position darlegt, verliert er sich nicht in schwammigen Ausführungen: Nach katholischem Verständnis ist die Ehe unauflöslich, betont Oster.

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Salesianer-Pater Stefan Oster als neuer Bischof von Passau vorgestellt
 Vanessa Biermann

Gerade im Blick darauf sieht der 49-jährige aber das Hauptproblem der seit Jahren geführten Diskussion um die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Die Ehe sei "analog zum Bund Gottes mit seinem Volk" etwas, das menschliche Absprachen übersteige. Im Sakrament der Ehe komme zum gegenseitigen Versprechen eine Qualität hinzu, die Gott selbst verbürge. Dies sei "ein 'Band', das Gott auf der Basis des Willens der Eheleute mitgeknüpft hat", schreibt Oster. "Und selbst wenn der Mensch irgendwann meint, er habe dieses Band zerrissen oder zerbrochen, ist es dennoch bleibend da."

Wenn die Ehe so stark vom Glauben her begründet werde, sei es umso wichtiger, dass dieser bei der Ehevorbereitung eine Rolle spiele. Die Ehepastoral aber hinke "häufig deutlich und massiv hinter dem Verständnis her, das der Glaube der Kirche von der Ehe hat." Eine halbe Stunde gemeinsam mit dem Priester ein Protokoll auszufüllen sei häufig alles, was getan werde.

Forderung nach einer besseren Ehevorbereitung

Konsequent denkt der Bischof zu Ende: "Wird man nicht womöglich sagen müssen, dass viele der Ehen, die geschlossen wurden und werden, in sakramentaler Hinsicht gar nicht zustande gekommen sind, weil das Bewusstsein für die Tragweite einer solchen Entscheidung im Glauben im Grunde gefehlt hat?" Diese Frage sollten auch Ehegerichte berücksichtigen. Oster fordert damit zweierlei: Die bisher unzureichende Vorbereitung bei einem Ehenichtigkeitsverfahren zu berücksichtigen, vor allem aber die Vorbereitung selbst in Zukunft zu verbessern.

Der jüngste Bischof Deutschlands geht dann auch direkt auf das Dilemma der Menschen ein, die aktuell in einer solchen Situation leben. Da die geistliche Wirklichkeit, also die noch immer bestehende Verbindung zum ersten Ehepartner, "der eigentliche 'Lebens- und Atemraum' der Christen" sei, sehe er in Rückgriff auf die Bibel keine Möglichkeit, hier keinen Ehebruch zu sehen. Zwar ist Vergebung und Neuanfang auch in seinem Verständnis möglich, aber nur bezogen auf die erste, gescheiterte Beziehung.

Die einzige mögliche Lösung für wiederverheiratete Geschiedene, normal am Gemeindeleben teilzunehmen, ohne ihre jetzige Beziehung aufzugeben, sieht er darin, enthaltsam zu leben. Ansonsten stünde die neue Verbindung im dauerhaften Widerspruch zur bestehenden Ehe. Auch wenn Oster einräumt, dass seine Empfehlung „nicht besonders realistisch“ sei, betont er, dass der Entschluss zu dieser Lebensweise aus einer persönlichen Beziehung zu Christus gefällt und auch gemeistert werden könne. Dabei sei aber klar, dass dies "ein Weg sein darf und sein wird" und vor Gott nicht nur das volle Gelingen zähle.

Kein Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene

Nichtsdestotrotz hält der Bischof daran fest, dass geschiedene Wiederverheiratete nicht zur Beichte und damit auch nicht zur Kommunion gehen könnten. "In der Beichte müssten sie im Grunde bereuen, dass sie im Widerspruch zur ersten Ehe leben", erklärt der Bischof, aber der Wille zur Rückkehr in die erste Ehe sei in den meisten Fällen nicht gegeben.

Die öffentliche Berichterstattung zur Problematik empfindet Oster als äußerst unbefriedigend und beobachtet eine Engführung der Diskussion auf die Frage nach dem Kommunionempfang. "Unsere mediale Welt lebt sehr gerne vom Plakativen", beschreibt er, und da sei es einfach, ein einziges Kriterium zu haben, um barmherziges von unbarmherzigem Handeln zu unterscheiden.

Wie ein roter Faden zieht sich durch seinen Text im Gegensatz dazu die Betonung der barmherzigen Zuwendung, die sich nicht an der Zulassung zur Kommunion festmachen lasse. "Kein wiederverheirateter Geschiedener ist übrigens exkommuniziert", stellt der Bischof klar, vielmehr gehöre er oder sie "selbstverständlich auch zu dieser Kirche". Aber es müsse eben auch der Wahrheit des Sakraments genüge getan werden, das in einer vor Gott unauflöslichen Ehe bestehe.

Die Kirche habe keinen Spielraum über das Gebot des Herrn

Oster nimmt in dem Dokument auch Stellung zu einem Interview, in dem er empfohlen hatte, sich von der Bischofssynode im Oktober nicht zu viel zu erhoffen. Dies habe er nicht gesagt, weil er den Menschen "irgendetwas nicht gönnen würde", sondern weil er glaube, dass die Kirche "keinen Spielraum über das Gebot des Herrn" habe.

Wie es typisch für seinen Facebook-Auftritt ist, bringt der Bischof am Ende noch seine persönliche Erfahrung ein. In seinem Umfeld etwa gebe es eine Frau, die mit einem Mann verheiratet sei, der selbst geschieden ist. Damit begehen die beiden nach katholischem Verständnis Ehebruch an der ersten Ehe des Mannes. Die Frau gehe häufig zur heiligen Messe und sehne sich nach der Kommunion, sehe aber im Moment auch keine Möglichkeit, ihre Lebensweise zu ändern.

Ihr ernsthaftes Ringen beeindrucke ihn und so berichtet Oster, dass er zu ihr gesagt habe: "Der Priester hält vor dem Kommunionempfang die konsekrierte Hostie hoch und sagt manchmal den Satz: 'Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind'. Ich glaube, Du wirst bei diesem Hochzeitsmahl eher dabei sein als viele von uns, die oft gedankenlos hingehen und das Sakrament weniger ernst nehmen als Du."

Von Theresia Lipp

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