"Bei der Wandlung bin ich immer überwältigt"

Die 23-jährige Eva-Maria Bachmeier hat sich entschieden, katholisch zu werden. An Ostern wurde sie in München getauft. Katholisch.de erzählt sie, wie sie als Ostdeutsche in Bayern den Glauben fand.

Serie: Mein Glaube | Bonn - 21.05.2017

Frage:  Frau Bachmeier, was war der Auslöser für Ihre Taufe?

Bachmeier: Ich komme ursprünglich aus Chemnitz und war nicht getauft und konfessionslos. Glaube war nicht mein Thema. Und dann habe ich meinen Mann in München kennengelernt und der ist sehr katholisch, seine ganze Familie ist es. Besonders jedoch seine Oma. Für sie ist es selbstverständlich, sonntags in den Gottesdienst zu gehen. Also hat sie mich gleich bei meinen ersten Besuchen gefragt, ob ich mitkommen möchte. Allerdings war es keine Frage, sie sagte: In einer Stunde geht es los.

Frage: War das dann eher Pflichterfüllung für Sie?

Bachmeier: Nein, für mich war das eine besondere Einladung und ich bin meiner Schwiegeroma bis heute dankbar dafür. Ich fühlte mich angenommen und wollte dazu gehören. Es fühlte sich von Anfang an so an, als wäre ich immer schon in den Gottesdiensten dabei gewesen. Und irgendwann hat es dann Klick gemacht.

Frage: Sie wollten katholisch werden, warum?

Bachmeier: Ich kann mich noch genau an diesen besonderen Moment während eines Gottesdienstes an Pfingsten vor zwei Jahren erinnern. Der Pfarrer hat in seiner Predigt gesagt, dass wir die Liebe Gottes an andere weiterschenken sollen. Das hat mich überwältigt. Für mich ist das der Grundgedanke des christlichen Glaubens. Ja und als ich das verstanden hatte, wollte ich auch katholisch werden.  

Frage:  Woran machen Sie dieses Gebot der Nächstenliebe fest?

Bachmeier: Jesus hat in der Bibel an vielen Stellen gesagt, dass wir einander lieben sollen. Und das passt für mich auch gerade zu meiner Lebenssituation. Mein Mann und ich heiraten demnächst kirchlich und wir haben uns auch das passende Evangelium dazu ausgesucht. Es heißt da im Johannesevangelium: "Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben." (Johannes, 13, 34)  Das finde ich einen wunderbaren Gedanken. Ich verstehe das so: Ich behandle andere so, wie ich auch behandelt werden möchte.  

Frage: Was bedeutet das konkret in Ihrem Alltag?

Bachmeier: Ich arbeite als Angestellte bei einer Bank und war für einige Zeit in der Beschwerdeabteilung tätig. Und da ist mir das richtig aufgegangen. Wenn ich mich in die Personen reinversetze, ihre Gefühle ernst nehme, dann kann ich ihnen auch wirklich weiterhelfen und verständnisvoller auf ihre Anfragen reagieren. Ich habe gemerkt, wenn ich mich auf das Gegenüber ganz einlasse, dann sind beide Seiten zufrieden.

Eva-Maria Bachmeier (4. von rechts, hinten) nach ihrer Taufe am 15. April 2017 im Kreis der Täuflinge rund um Kardinal Reinhard Marx im Dom zu Unserer Lieben Frau in München.
 Bild: Eva-Maria Bachmeier

Frage: Mit der Feindesliebe wird es dann schon etwas schwieriger, oder?

Bachmeier: Verzeihen ist eine wichtige Haltung, denke ich. Manchmal kann man etwas nicht wieder gut machen, aber man kann es ehrlich bereuen und sich selbst oder einem anderen verzeihen. Und das nächste Mal wird es dann schon besser.

Frage: Ist das nicht leichter gesagt als getan?

Bachmeier: Ich hoffe, dass Menschen in meiner Umgebung merken, dass ich Christin bin. Manchmal gehe ich mit diesem Gedanken in Situationen hinein, zu Hause oder bei der Arbeit im Umgang mit Kolleginnen. Im Stress zeigt sich oft auch, ob ich ruhig und geduldig bleiben kann oder nicht. Das finde ich immer eine Herausforderung, aber mein Glaube hilft mir dabei weiter.

Frage: Wollen Sie ein Vorbild für andere sein?

Bachmeier: Ungern. Ich bin ja selbst noch in der Lernphase und schließlich nicht allwissend. Es gibt da bessere Menschen, um sich zu orientieren.

Frage: Wer ist Ihr Vorbild im Glauben?

Bachmeier: Ich orientiere mich gerne an der Familie meines Mannes und hier vor allem an der Oma. Sie ist wirklich ein Vorbild für mich. Sie spricht nie bewusst von ihrem Glauben, aber man spürt an allem, was sie macht, dass sie an das Gute im Menschen glaubt. Das finde ich so bewundernswert. Ich mag es sehr, wie sie über andere spricht, wie sie mit anderen redet, einfach, wie sie sich verhält. Ich fühle mich bei ihr sehr angenommen.

Frage: War sie auch bei Ihrer Taufe die Patin?

Bachmeier: Da ich erwachsen bin, brauchte ich keine Patin mehr. Eine Freundin stand allerdings während der Taufe hinter mir und hat mich unterstützt. Meine Schwiegeroma konnte leider nicht dabei sein, die Reise war ihr zu weit, aber sie hat mir die Taufkerze gesponsert. Davon hat sie sich nicht abbringen lassen, mir diese Kerze zu schenken. Sie war grün und hatte ein goldenes Kreuz drauf.

Frage: Was fasziniert Sie denn so am katholischen Glauben?

Bachmeier: Einerseits der Ablauf des Gottesdienstes, die Stimmung im Gottesdienst, das Gemeinschaftsgefühl, der Weihrauch und die Predigten, die mich nachdenklich machen. All das zusammen gibt mir viel Kraft im Alltag. Beim Glaubenskurs zur Vorbereitung meiner Taufe habe ich auch gelernt, dass es keine dummen Fragen in Bezug auf den Glauben gibt.

Ein Taufbecken
Ein Taufbecken in einer Kirche.
 CA Oaks/Fotolia.com

Frage: Welche ungewöhnlichen Fragen hatten Sie denn?

Bachmeier: Ich wusste anfangs gar nicht, wie ich mich richtig im Gottesdienst verhalten soll, also wann muss ich aufstehen oder hinsetzen oder gar niederknien. Das ist echt kompliziert. Ich musste dann flüsternd meinen Mann fragen, was zu tun ist und er hat mir dann auch flüsternd geantwortet. Mittlerweile kenne ich die Abläufe schon gut.  

Frage: Gibt es einen Moment im Gottesdienst, auf den Sie sich besonders freuen?

Bachmeier: Ja, kurz vor der Kommunion singt der Pfarrer in unserer Gemeinde immer das Hochgebet. Wie schön das immer ist. Bei der Wandlung von Brot und Wein bin ich immer ganz überwältigt. Das ist das Beste am Gottesdienst.

Frage:  Was sagen Sie zu Menschen, die von der Kirche austreten wollen?

Bachmeier: Ich finde, es gehört dazu, dass man dranbleibt, wenn man sich für die Kirche entschieden hat und mitmacht, auch wenn einem etwas nicht passt. Denn ich finde, nur wenn ich dazu gehöre und mich beteilige, kann ich auch etwas ändern.

Frage: Engagieren Sie sich in Ihrer Kirchengemeinde?

Bachmeier: Noch nicht, aber wir ziehen bald um und dann sind wir in einer neuen Kirchengemeinde und ich habe mir fest vorgenommen, mich mit frischen Ideen einzubringen. Ich will schließlich etwas Liebe weiterschenken.

Von Madeleine Spendier

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Jedes Jahr treten zahlreiche Menschen aus der Kirche aus. Doch es geht auch anders herum. Die Themenseite bündelt Porträts über Menschen, die sich als Erwachsene für die Kirche entschieden haben oder ihren Glauben in einer besonderen Weise leben.

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