Berliner Stadtschloss bekommt ein Kuppelkreuz

Die Diskussion um das Kuppelkreuz des Berliner Stadtschlosses scheint beendet: Das zuständige Gremium hat nun die Errichtung des christlichen Symbols beschlossen. Doch noch immer gibt es Kritik.

Architektur | Berlin - 23.06.2017

Nun steht es fest: Auf die Kuppel des Berliner Stadtschlosses kommt ein Kreuz. Der Sprecher des Rates der Stiftung Humboldt Forum, Johannes Wien, erklärte die Diskussion um das Kreuz für beendet, wie die Berliner Morgenpost am Donnerstag berichtete. "Wir halten an der historischen Rekonstruktion fest – und damit auch an dem Kreuz", erläuterte das Vorstandsmitglied den Beschluss des Gremiums.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch begrüßte das Votum des Stiftungsrates. "Nach der Grundentscheidung, wie das Berliner Schloss rekonstruiert wird, wäre es ein gravierendes Politikum gewesen, ausgerechnet in der Frage des Kreuzes auf der Kuppel davon abzuweichen", erklärte der katholische Berliner Erzbischof am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter. Thema war das Kuppelkreuz auch im Abgeordnetenhaus. Ein CDU-Antrag, dass der Senat für die Errichtung sorgen solle, wurde an die Ausschüsse überwiesen.

Koch äußerte sich "erschreckt" darüber, dass in der gesellschaftlichen Debatte über das Kuppelkreuz "Aussagen aus einer nicht-christlichen Haltung immer mehr zu anti-christlichen Stellungnahmen wurden". Das Humboldt Forum sei zwar keine Kirche, auch werde die frühere Kapelle unter der Kuppel nicht rekonstruiert, räumte er ein. "Dennoch ist das Kreuz auf seiner Kuppel kein Symbol, das ausgrenzt, sondern zur Verständigung über weltanschauliche Grenzen hinweg einlädt."

Im Abgeordnetenhaus begrüßte auch die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Cornelia Seibeld das Votum des Stiftungsrats. Sie verteidigte das Kreuz als "Symbol für die universelle Botschaft des Christentums". Der Grünen-Sprecher für Kultur, Daniel Wesener, nannte es dagegen ein "Symbol für Imperialismus und Zwangsmissionierung". Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Regina Kitteler, stellte die Frage, ob das fünf Meter große Kreuz eine christliche "Leitkultur klarstellen" solle. Der Vorsitzende des Kulturausschusses des Abgeordnetenhauses, Frank Jahnke (SPD), betonte dagegen, das Kuppelkreuz sei ein "historisch bedingtes, architektonisches Merkmal", das nicht überhöht werden dürfe.

In den vergangenen Wochen hatte es eine kontroverse Debatte darüber gegeben, ob bei der Rekonstruktion des Schlosses auch das historische Kreuz angebracht werden solle. Nach Medienberichten wird dies nun wie geplant erfolgen. Kritiker hatten dagegen eingewandt, dass das christliche Symbol nicht mit dem künftigen Humboldt Forum vereinbar sei. Die Einrichtung soll im Schloss die völkerkundlichen Berliner Museumsbestände vereinen und für interkulturelles Verständnis werben. Eine Eröffnung des Humboldt Forums ist für 2019 geplant. (rom/KNA)

Linktipp: Humanisten: Mikroskop statt Kreuz auf Schlosskuppel

Die Debatte um das Kreuz auf dem Berliner Stadtschlosses geht weiter: Der Humanistische Verband fordert ein Zeichen der Wissenschaft auf der Kuppel. Und auch Architekt Franco Stella meldete sich zu Wort.

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