Bis zum letzten Tropfen

"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben": In Nordheim am Main entsteht Deutschlands erste Friedweinberg. Auch die Kirche ist mit der Bestattungsform einverstanden - unter gewissen Umständen.

Bestattung | Nordheim am Main - 16.03.2017

"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen." Die Rede Jesu im Johannesevangelium (Joh 15,5) soll im unterfränkischen Nordheim am Main nicht mehr bloße Metapher bleiben. Denn die Gemeinde plant Deutschlands ersten Friedweinberg.

Start für Frühjahr 2018 geplant

Die idyllische Weininsel im Landkreis Kitzingen ist der größte Weinbauort Frankens. Sie wird durch die natürliche Schleife des Flusses und den künstlich angelegten verbindenden Mainkanal gebildet. Gerade einmal 1.000 Menschen leben hier. Der geplante Friedweinberg soll eine Erweiterung des bereits bestehenden Friedhofs sein. "Wir gehen davon aus, dass im Frühjahr 2018 die ersten biologisch abbaubaren Urnen in den Boden kommen können", sagt der ehrenamtliche Chef der Gemeinde, Bürgermeister Guido Braun.

Wie genau der Friedberg aussehen soll, ist aber noch unklar. Im Moment stehen noch rund 1.000 Rebstöcke auf der etwa 4.000 Quadratmeter großen Fläche. Im Herbst sollen sie zum Teil gerodet werden. Der Gemeinderat will in den kommenden Tagen mit einem Landschaftsarchitekten die Wünsche und Pläne besprechen. Braun hat aber schon einige Ideen: "Ich kann mir Sitzecken, Baumgruppen und Schattenspender vorstellen. Vielleicht auch einen von Weinlaub überdachten Pavillon." Die Urnen könnten unter den Rebstöcken liegen, kleine Schilder mit Namen an den Pflanzen erinnerten an die Verstorbenen.

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Weinberge sind mehr als nur landwirtschaftliche Nutzflächen - als Kulturlandschaften haben sie eine beinahe magische Ausstrahlung
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In der Nordheimer Pfarrei St. Laurentius kann man sich mit der Idee eines Friedweinbergs durchaus anfreunden. Bereits der etwa 20 Kilometer entfernt liegende Friedwald Schwanberg sei sehr gefragt, so der örtliche Pfarrer. Viele Gemeinden hätten zudem eine sogenannte Friedwiese. "Wieso dann also kein Friedweinberg?", fragt der Pfarrer. Das sei noch immer besser, als wenn sich die Menschen nachher anonym bestatten ließen.

Für Oliver Wirthmann, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, liegen die Nordheimer mit ihrer Idee im Trend. "Die Menschen wünschen sich vermehrt pflegefreie und pflegearme Grabanlagen. Die Gemeinden müssen deshalb ihre Friedhöfe weiter entwickeln und somit beleben", sagt er. Dem Bundesverband zufolge gibt es in Deutschland noch keinen Friedhof im Weinberg. "Das höre ich definitiv zum ersten Mal."

Kirchliche Handreichung für Friedwälder gültig

Auch das Bistum Würzburg nimmt die Sorge vieler älterer Menschen ernst, die die spätere Grabpflege fürchten, weil etwa Angehörigen nicht vor Ort sind. Deshalb hat die Diözese grundsätzlich kein Problem mit katholischen Bestattungen auf einem Friedweinberg – solange das Zitat vom Weinstock aus dem Johannesevangelium nicht zu wörtlich genommen wird. "Mit dem Urnenbegräbnis sollten keine pantheistischen Vorstellungen verbunden sein", sagt Bistumssprecher Markus Hauck. Also etwa eine Rückkehr des menschlichen Lebens in den Kreislauf der Natur. Hauck verweist auf eine Handreichung, die die Diözese bereits im Jahr 2007 mit Blick auf Friedwälder veröffentlicht hat. Sie gelte analog auch für Friedweinberge.

Darin heißt es unter anderem: "Es muss eine dauerhafte Kennzeichnung der Grabstätte durch Namen und ein christliches Symbol (Kreuz) möglich sein." Außerdem müssten die Verstorbenen oder Hinterbliebenen einen konkreten Begräbnisort gekauft oder gepachtet haben. Auch müsse die Asche an einem konkreten Ort in die Erde versenkt werden und könne nicht über die Wiese verstreut werden. Zuständig für Requiem, Aussegnung und die seelsorgliche Begleitung sei der Heimatpfarrer. Die eigentliche Urnenbeisetzung finde dagegen in der Regel – anders als ein klassisches Begräbnis – ohne kirchliche Beteiligung statt. (mit Material von dpa)

Von Björn Odendahl

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