Bischof von polnischer Gedenkfeier ausgeschlossen

Der des sexuellen Missbrauchs beschuldigte frühere Posener Erzbischof Juliusz Paetz darf nicht an den Feiern zum 1.050. Jahrestag der Christianisierung Polens teilnehmen. Darauf hat nun der Apostolische Nuntius in Polen hingewiesen.

Missbrauch | Warschau/Posen - 13.04.2016

Der des sexuellen Missbrauchs beschuldigte frühere Posener Erzbischof Juliusz Paetz (81) darf nicht an den Feiern zum 1.050. Jahrestag der Christianisierung Polens teilnehmen. Der Apostolische Nuntius in Polen, Erzbischof Celestino Migliore, erinnerte Paetz am Mittwoch nach Angaben der Polnischen Bischofskonferenz daran, dass der Vatikan ihm vor drei Jahren die Teilnahme an öffentlichen Feiern untersagt habe.

Es sei "schwer vorstellbar", dass Paetz dies bei einem Gedenkgottesdienst mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Freitag im westpolnischen Posen (Poznan) nicht beachte, "ganz zu schweigen vom Besuch des Heiligen Vaters in Polen aus Anlass des Weltjugendtags", heißt es in der Erklärung.

Die Polnische Bischofskonferenz hatte sich einen Tag zuvor noch nicht präzise zu der Frage geäußert, ob Paetz an der Festmesse beteiligt sein würde. "Jeder Priester, der nicht suspendiert ist, kann die Messe abhalten", sagte der Sprecher der Bischofskonferenz, Pawel Rytel-Andrianik, am Dienstag im Nachrichtensender TVN24. Zu diesem Zeitpunkt war in den Medien lediglich von einem Predigtverbot des ehemaligen Erzbischofs die Rede.

Paetz selbst erklärte noch am Dienstag, er wolle an dem Festgottesdienst in der Posener Kathedrale teilnehmen. Der Erzbischof war 2002 nach Vorwürfen, er habe Seminaristen und Priester seiner Diözese sexuell belästigt, von seinem Amt zurückgetreten; die Anschuldigungen wies er jedoch zurück. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) nahm den Rücktritt ohne Angabe näherer Gründe an. Die Bischofskongregation maßregelte Paetz damals zudem auf Antrag seines Nachfolgers Stanislaw Gadecki und erlegte ihm Beschränkungen für sein priesterliches Wirken auf.

"Eine neue Situation der unnötigen und schädlichen Aufregung"

Nach Angaben des Erzbistums Posen schrieb der Nuntius an Gadecki, Medienberichte über die Teilnahme von Paetz an der Feier zum 1.050. Jahrestag der "Taufe Polens" hätten "für die Kirche in Polen und den Heiligen Stuhl eine neue Situation der unnötigen und schädlichen Aufregung" geschaffen. Die Gedenkfeiern werden von Donnerstag bis Samstag in Gnesen (Gniezno) und Posen begangen. Sie erinnern an die Taufe des ersten polnischen Fürsten Mieszko I. am 14. April 966. Das Datum gilt als Beginn des polnischen Staates.

Parolin wird am Samstag einer Messe zum Jahrestag der "Taufe Polens" im Fußballstadion von Posen vorstehen und eine Predigt halten. Zu dem Gottesdienst werden 35.000 Teilnehmer erwartet. Im Rahmen der Feierlichkeiten kommen in der fünftgrößten polnischen Stadt auch die Nationalversammlung aus beiden Parlamentskammern unter Vorsitz von Staatspräsident Andrzej Duda und die Vollversammlung der Bischofskonferenz zusammen. Die Jubiläumsfeier beginnt am Freitag in Gnesen und auf einer Insel im nahen Lednica-See, wo 966 die Taufe von Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten stattgefunden haben soll. Zwei Jahre später wurde in Posen das erste Bistum Polens gegründet. (bod/KNA)

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