"Bischofsamt ist eine der spannendsten Aufgaben"

In einem Podiumsgespräch äußerste sich Bischof Franz-Josef Overbeck über sein Verständnis vom Bischofsamt. Bischöfe müssten sich kritisch mit ihrer Macht auseinandersetzen. Mit Blick auf die Synode in Rom warnte er vor zu hohen Anforderungen von allen Seiten.

Bischofsamt | Mühlheim - 08.09.2015

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht im Bischofsamt eine der spannendsten und interessantesten Aufgaben, die es in der Gesellschaft gibt. Er räumte am Montagabend in einem Podiumsgespräch in der Katholischen Akademie "Die Wolfsburg" in Mühlheim/Ruhr zugleich ein, dass Bischöfe sich selbstkritisch mit ihrer Macht auseinander setzen müssten. Dieses Thema spiele auch mit Blick auf die anstehende Weltbischofssynode in Rom eine Rolle.

"Natürlich habe ich Macht und will sie auch ausüben", sagte der Bischof. Das sei auch eine "hochkorrumpierende Versuchung". Andererseits erlebe er tagtäglich seine Machtlosigkeit, wenn es darum gehe, Menschen für die Begegnung mit Gott zu öffnen. Overbeck plädierte für eine stärkere Zurückhaltung der Bischöfe bei politischen und gesellschaftlichen Frage. In einer immer komplexer werdenden Welt müssten sie sich "bescheiden" und der Versuchung widerstehen, etwa in den Medien zu allen Fragen Stellung zu beziehen, zumal es auch innerhalb der Kirche oft unterschiedliche Ansichten gebe. Die Kirche müsse lernen Gegensätze auszuhalten. "Wir sind in unglaublich schnellen Veränderungsprozessen", sagte Overbeck etwa mit Blick auf friedensethische Fragen und seine Rolle als Militärbischof oder wirtschaftliche Entwicklungen. "Zu allem etwas sagen zu wollen, das funktioniert nicht mehr."

Im Zugehen auf die Familiensynode warnte Overbeck vor Maximalforderungen von allen Seiten. So müsse man zum Beispiel das Thema Homosexualität, zu dem es weltweit sehr unterschiedliche Ansichten gebe, offen halten. Allerdings ließe sich die Glaubwürdigkeit der Kirche an eben solchen ethischen Fragen festmachen.

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Diskussionen und zuspitzende Meinungen bringen voran: die Form der Kirche muss neu bestimmt werden.
 Benjamin Krysmann

Der Bochumer katholische Pastoraltheologe Matthias Sellmann bezeichnete das Bischofsamt als ein extrem schwieriges Amt, an das hohe und teils widersprüchliche Anforderungen gestellt würden. Die Bischöfe müssten zugleich charismatische Hirten, Arbeitgeber, Behördenleiter, Gerichtsherr und Mitgestalter der Gesellschaft sein, sagte er. Mit Blick auf die Bischofsrücktritte von Franz-Peter Tebartz-van Elst und Walter Mixa betonte er, dass sie zunehmend auch von der Gesellschaft für ihre Entscheidungen verantwortlich gemacht würden. "Die katholische Kirche wird zunehmend aus der Komfortzone herausbefördert. Sie muss Rechenschaft geben als Arbeitgeber, über ihre Finanzen und ihre Morallehre."

Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg verwies darauf, dass sich die heutige Kirchenstruktur mit starker Konzentration auf Bischöfe und Bistümer erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt habe. Erst seit 1950 hätten die Bistümer die Kirchensteuer eingezogen. Das Zweite Vatikanische Konzil und die Medien hätten dazu beigetragen, dass die Bischöfe ins Zentrum katholischen Lebens gerückt seien. Die Bistumsverwaltungen und ihre theologischen, schulischen und Beratungsangebote seien massiv ausgebaut worden. Die Konflikte um die Bischöfe Mixa und Tebartz-van Elst signalisierten, dass diese Form von Kirche unter Druck geraten sei. (olb/KNA)

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