Bistum Hildesheim: Missbrauchsgutachten liegt vor

Vor einem Jahr beauftragte die Diözese Hildesheim unabhängige Gutachter, um den eigenen Umgang mit Missbrauchsfällen auszuwerten. Nun liegen die Ergebnisse vor - allerdings vorerst nicht öffentlich.

Missbrauch | Hildesheim - 16.08.2017

Ein Jahr nach Auftragserteilung liegt jetzt das Gutachten über Missbrauchsfälle im Bistum Hildesheim vor. Die Ergebnisse sollen im Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt werden, wie die Diözese am Mittwoch mitteilte. "Wir werden das Gutachten jetzt genau lesen und schauen, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen ziehen müssen", sagte Weihbischof Heinz-Günter Bongartz.

Die Untersuchung des Münchner Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) war vom Bistum Hildesheim im August 2016 in Auftrag gegeben worden. Sie soll die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) sowie den pensionierten Priester Peter R. prüfen. Zudem soll sie klären, ob es gegen die Geistlichen weitere Hinweise auf sexuelle Übergriffe gibt.

Bistum will eigene Präventionsarbeit prüfen

Ziel des Gutachtens ist ferner, den Umgang des Bistums mit den Missbrauchsvorwürfen zu beurteilen. Den Angaben zufolge geht es konkret darum, ob die Zahlung von 10.000 Euro an ein vermeintliches Opfer Janssens nach den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz erfolgte. Darüber hinaus erhofft sich das Bistum eine Bewertung seiner Präventionsbemühungen.

Dem 1988 verstorbenen ehemaligen Hildesheimer Bischof Janssen wird vorgeworfen, in den Jahren 1958 bis 1963 einen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Das Bistum machte die Vorwürfe Anfang 2015 nach Recherchen des "Spiegel" öffentlich. Betroffenenverbände sprachen von mangelnder Transparenz. Das Bistum dagegen erklärte, das Opfer habe um Verschwiegenheit gebeten. Auch den Vorwurf einer Vorverurteilung des Bischofs wies das Bistum zurück. Der Fall des Ex-Pfarrers Peter R. hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Er soll in den 70er- und 80er Jahren mindestens 100 Kinder am Berliner Canisius-Kolleg missbraucht haben. Den im Jahr 2010 erhobenen Vorwürfen einer Frau aus dem Bistum Hildesheim, der Mann habe auch sie als Kind bedrängt, ging die Diözese nach eigener Einschätzung nicht konsequent genug nach. Anfang 2016 meldete sich ihre Mutter mit ähnlichen Vorwürfen zu Wort. (KNA)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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