Bundestag ehrt "Mütter des Grundgesetzes"

Neue Namen für zwei Gebäude des Bundestages:So werden Politikerinnen und ihre Lebensleistungen geehrt. Eine der "Mütter des Grundgesetzes" hatte eine besondere Bindung zur katholischen Kirche.

Politik | Berlin/Köln - 22.05.2017

Zum Tag der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai erhalten zwei Gebäude des Bundestages die Namen herausragender Politikerinnen: Helene Weber und Elisabeth Selbert. Das gab die Bundestags-Pressestelle am Montag in Berlin bekannt. Der Ältestenrat des Bundestages folge mit dieser Entscheidung einem Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert, um die politische Lebensleistung der beiden Frauen in der deutschen Geschichte, ihren Widerstand gegen die Nationalsozialisten und ihren Kampf für die Gleichberechtigung von Männer und Frauen zu würdigen. Lob für die Entscheidung kam vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB).

Die 1881 geborene Helene Weber - ihren Namen wird künftig das Haus in der Dorotheenstraße 88 tragen - war Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, des Reichstages und eine der wenigen Abgeordneten der Zentrumspartei, die sich in ihrer Fraktion bis zuletzt dafür einsetzte, Adolf Hitlers Ermächtigungsgesetz zu verhindern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als CDU-Vertreterin in den Parlamentarischen Rat gewählt und war dort eine der Frauen, die an der Entstehung des Grundgesetzes beteiligt waren. Sie war von 1949 bis zu ihrem Tod 1962 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Eine der vier "Mütter des Grundgesetzes" war auch die 1896 geborene Elisabeth Selbert. Nach ihr wird das Gebäude Unter den Linden 62-68 benannt. Die Juristin und Sozialdemokratin schaffte es, gegen den Willen der Nationalsozialisten als Anwältin am Oberlandesgericht Berlin zugelassen zu werden, nachdem sie 1933 erfolglos für den Reichstag kandidiert hatte. Sie war es, die als Mitglied des Parlamentarischen Rates 1949 den Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" nach mehreren gescheiterten Abstimmungen im Grundgesetz durchsetzte. Die 1986 gestorbene Selbert war nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Legislaturperioden Mitglied des Hessischen Landtags.

Bedeutung für KDFB

KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth erklärte, der Verband freue sich, dass "die politische Lebensleistung der beiden Frauen in der deutschen Geschichte, ihr Widerstand gegen die Nationalsozialisten und ihr Einsatz für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen" gewürdigt werde. Auch der KDFB sei an der Namensgebung beteiligt gewesen: Der Bundesausschuss habe sich am 25. März mit dem Thema befasst und Helene Weber als Namensgeberin vorgeschlagen. Sie sei 1916 KDFB-Mitglied geworden, habe viele Jahre zum Bundesvorstand gehört und sei bis zu ihrem Tod dem Verband treu geblieben. (KNA)

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