Caritas bietet ungewöhnliche Rechtsberatung an

Jeder kann in eine Situation rutschen, in der er juristische Hilfe braucht. Aber nicht jeder kann sich eine anwaltliche Beratung leisten. Ein Projekt der Caritas schafft nun Abhilfe: mit Studenten.

Caritas | Bielefeld/Paderborn - 11.03.2018

Ein Mobilfunkanbieter, der angeblich keine Kündigung erhalten hat, ein Mitbewohner, der nach und nach zum Tyrannen mutiert, oder eine Trennung, die im Scheidungskrieg endet – vor Ärgernissen wie diesen ist niemand gefeit. Aber was tun, wenn das Geld für einen Anwalt fehlt oder der Gang in eine Anwaltskanzlei aus persönlichen Gründen nicht möglich ist? Dieser Problematik hat sich die Caritas im Erzbistum Paderborn in Zusammenarbeit mit der Studentischen Rechtberatung der Universität Bielefeld sowie dem Bielefelder Caritasverband angenommen.

Seit dem Start des Projekts "CariLaw" im November letzten Jahres konnten bereits zehn Anfragen bearbeitet werden. Beraten wurden die Klienten von zwei Jurastudierenden, die bei Bedarf von einem ebenfalls anwesenden ehrenamtlich tätigen Volljuristen unterstützt wurden. Die Anfragen erstreckten sich bisher über sozialrechtliche Fragen oder zum Bereich des Familien-, Arbeits- und Strafrechts. In drei Fällen konnte der Anspruch des Klienten bereits durch ein Schreiben durchgesetzt werden, welches "CariLaw“ in Absprache mit dem Klienten aufgesetzt hat. Aber nicht jede Beratung geht gut für den Anfragesteller aus: "Zwei Mal konnten wir dem Klienten nur erklären, dass der erhoffte Anspruch gar nicht besteht", erklärt Christa Albers. Sie ist Rechtsanwältin und leitet das Projekt seitens der Caritas.

Mit "CariLaw" kann man jedoch nicht vor Gericht ziehen. "Es ist uns wichtig, dass wir keine Konkurrenz für Rechtsanwaltkanzleien sind, sondern eine Ergänzung", so Albers. Sollte eine anwaltliche Vertretung vor Gericht nötig sein, wird den Klienten die Kontaktaufnahme mit einer Anwaltskanzlei nahe gelegt. Der Pool an ehrenamtlichen Helfern besteht mittlerweile aus 28 Studierenden sowie Helfern aus dem Bereich der Caritas, Anwaltskanzleien sowie der Universität.

Die ehrenamtlichen Helfer von "CariLaw": Derzeit engagieren sich insgesamt 28 Studierende der Universität Bielefeld für eine kostenlose Rechtsberatung.
 Caritasverband Paderborn

Von dem Projekt profitieren dabei nicht nur die Klienten. "CariLaw" ist eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Während die Klienten eine kostenlose und zuverlässige Rechtsberatung erhalten, können die Jurastudierenden ihr Fachwissen ausbauen und in der Praxis erproben und erste Kontakte zu möglichen späteren Arbeitgebern aus Kanzleien aufbauen. Auch die Rechtsanwälte profitieren von dem direkten Kontakt zu den Studierenden: "Sie haben die Möglichkeit, junge und motivierte Studierende kennen zu lernen, die eventuell im Anschluss an ihr Studium ein Praktikum oder ein Referendariat bei ihnen absolvieren möchten", so Albers.

Die Studierenden werden in einer Einführungsveranstaltung auf ihre Aufgabe vorbereitet. Zudem bekommen sie kontinuierlich Tipps und Rückmeldungen zu den Beratungsgesprächen, um ihr Fachwissen auszubauen. Geplant sind außerdem eine Plattform, auf der die Studierenden die Lösungsskizzen der anonymisierten Beratungsfälle nacharbeiten können sowie eine Evaluationsveranstaltung am Ende des Semesters.

Jan Marcel Stammkötter ist einer der ehrenamtlich Tätigen bei "CariLaw". Er ist derzeit im sechsten Semester seines Jurastudiums und konnte bereits zwei Anfragen erfolgreich bearbeiten. Er engagiert sich vor allem, um zu helfen. "Manche Leute schämen sich vielleicht, zum Anwalt zu gehen. Denen können wir die Lage erklären und Möglichkeiten zum weiteren Vorgehen aufzeigen", erklärt der 21-Jährige.

Von Edda Görnert

Textbox: Mehr über "CariLaw"

"CariLaw" ist ein Pilotprojekt des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn in Kooperation mit dem Caritasverband Bielefeld und der Studentischen Rechtsberatung der Universität Bielefeld.

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