Caspar, Melchior und Balthasar statt Martin und Horst

Seit Sonntag sondieren CDU, CSU und SPD die Optionen für eine neue Große Koalition. Mitten hinein in die Verhandlungen fällt ein angenehmer Termin für Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Hilfswerke | Berlin - 08.01.2018

Angela Merkel erlebt derzeit spannende Tage: Seit Sonntag sondieren CDU, CSU und SPD, ob nach der inzwischen mehr als 100 Tage zurückliegenden Bundestagswahl doch eine Neuauflage der Großen Koalition möglich ist. Viele Beobachter vermuten, dass es bei den Verhandlungen auch um die Zukunft der Bundeskanzlerin geht. Sollten nach den zermürbenden Jamaika-Sondierungen auch die "GroKo"-Gespräche scheitern, stünde Deutschland vor Neuwahlen und Merkel müsste wohl um den weiteren Fortbestand ihrer Kanzlerschaft fürchten.

"Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus"

Trotz dieser heiklen politischen Lage nahm sich die 63-Jährige am Montag Zeit für einen Termin ganz anderer Art: Den Besuch der Sternsinger. Statt Martin (Schulz) und Horst (Seehofer) hießen Merkels Gesprächspartner dabei im Kanzleramt eine gute Stunde lang Caspar, Melchior und Balthasar. 108 Sternsinger aus allen deutschen Bistümern waren zwei Tage nach dem Besuch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gekommen, um auch dem Amtssitz der Bundeskanzlerin ihren Segen "Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus" zu bringen.

Linktipp: Wenn drei Könige das Kanzleramt segnen

Der Besuch der Sternsinger bietet Bundespräsident und Bundeskanzlerin eine willkommene Abwechslung von den Sondierungsgesprächen. Die Treffen mit den kleinen Königen haben mittlerweile Tradition.

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Die Aktion Dreikönigssingen, die gemeinsam vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ausgerichtet wird, findet in diesem Jahr zum 60. Mal statt. Das Leitwort der Aktion heißt "Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!" In Indien, dem Beispielland der diesjährigen Kampagne, müssen laut Schätzungen internationaler Organisationen zwischen 12 und 60 Millionen Kinder regelmäßig Arbeit leisten – oftmals unter gefährlichen, gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen.

Merkel dankt Sternsingern für Gottes Segen

Bei dem Empfang im Kanzleramt dankte Merkel den Sternsinger für ihr Engagement: "Was ihr mitbringt ist Gottes Segen, und dafür möchte ich euch von ganzem Herzen danken." Zugleich ging sie auf das Leitwort der Sternsinger-Aktion ein. "Ein harter Arbeitstag ist leider für viele Kinder auf der Welt Normalität", so die Kanzlerin. Schätzungen zufolge müssten weltweit 152 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren regelmäßig hart arbeiten – "das ist eine erschreckend hohe Zahl", sagte Merkel. Mit ihrem Einsatz für schulische Bildung und ärztliche Versorgung der betroffenen Kinder brächten die Sternsinger "Licht und Hoffnung".

Dies sei dringend nötig, da sich trotz vieler Erfolge in der Entwicklungspolitik die Zahl der arbeitenden Kinder leider so gut wie nicht verändert habe, so Merkel weiter. Es sei deshalb richtig, dass die Sternsinger ihren Finger in diese Wunde legten.

Die Besuche der Sternsinger im Bundeskanzleramt haben bereits eine 34-jährige Tradition. Begründet wurde sie von Merkels Amtsvorgänger Helmut Kohl. Am Dreikönigstag 1984 empfing der Katholik erstmals 100 kleine Könige in seinem damaligen Bonner Amtssitz. Danach kamen alljährlich im Dezember oder Januar Abordnungen aus allen Bistümern nach Bonn, nach dem Fall der Berliner Mauer auch aus den neuen Bundesländern.

Helmut Kohl traf die Sternsinger am häufigsten

Nach dem Ende der Ära Kohl setzten Gerhard Schröder und später Angela Merkel die Tradition der Sternsinger-Empfänge fort. Bei wohl keinem anderen Thema waren die drei Politiker übrigens so sehr einer Meinung. Kohl nannte das Engagement der Segen bringenden Kinder "einfach großartig", Schröder fand die Idee gut, den Sternsingern den Friedensnobelpreis zu verleihen.

Merkel wiederum lobte sie als "ganz wichtige Stimme für die Rechte von Kindern weltweit". Als sie am 20. Dezember 2005 erstmals die jungen Gäste empfing, gestand sie, "schon ein bisschen aufgeregt" zu sein. Kein Wunder: Während ihrer damals erst kurzen Amtszeit hatte zwar manches Staatsoberhaupt, aber noch kein König den Weg in das Kanzleramt gefunden. Inzwischen hat Merkel aber Routine: Der Besuch am Montag war ihr 13. Aufeinandertreffen mit Caspar, Melchior und Baltasar. Übertroffen wird die Kanzlerin nur noch von Kohl, der die Könige 15 Mal begrüßen konnte. Ob Merkel die Sternsinger auch im kommenden Jahr im Kanzleramt begrüßen kann, wird sich wohl auch bei den Sondierungsverhandlungen in diesen Tagen entscheiden.

Von Steffen Zimmermann

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