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Das Bischofstreffen hat begonnen

In der Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen wollen die katholischen deutschen Bischöfe bald ein gemeinsames Bischofswort vorlegen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Montag in Fulda, er wünsche sich eine geschwisterlich geführte offene Debatte in Sachen Ehe und Familie in der katholischen Kirche. Der Kardinal äußerte sich im Vorfeld der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe.

Bischofskonferenz | Fulda - 22.09.2014

In der Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen wollen die katholischen deutschen Bischöfe bald ein gemeinsames Bischofswort vorlegen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Montag in Fulda, er wünsche sich eine geschwisterlich geführte offene Debatte in Sachen Ehe und Familie in der katholischen Kirche. Der Kardinal äußerte sich im Vorfeld der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe.

Zwischen dem 5. und 19. Oktober findet in Rom eine außerordentliche Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie in Rom statt. Im Vorfeld wird innerhalb der Kirche insbesondere über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen diskutiert. Im Herbst 2015 wird es eine weitere Synode zu diesem Thema geben. Marx bezeichnete die innerkirchlich kontrovers geführte Debatte über den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen als weder schlimm noch dramatisch. Die Kirche sei seit 2.000 Jahren unterwegs, und da habe es auch immer wieder Streit gegeben.

Mit Blick auf die Verfolgung von Christen im Irak und in Syrien im Zuge des Vormarschs der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) rief der Kardinal zur Solidarität auf. Er sprach von einer schwierigen Situation für die Flüchtlinge. Es gelte, für diese Menschen in Not auch zu beten, so der Kardinal.

Der Fuldaer Dom im Sonnenlicht.
Der Fuldaer Dom.  vom/Fotolia.com

Marx: Konferenz-Vorsitz macht Freude

Marx, der am Sonntag 61 Jahre alt wurde, äußerte sich unmittelbar vor Beginn der bis Donnerstag dauernden Herbstvollversammlung der 66 Mitglieder der Bischofskonferenz. Dies ist die erste Vollversammlung der deutschen Bischöfe unter seiner Leitung. Die Bischöfe hatten Marx im März zum Konferenz-Vorsitzenden und damit zum Nachfolger des emeritierten Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch gewählt. Der Konferenz-Vorsitz mache ihm viel Freude, sagte Marx in Fulda. Dass er nun erstmals eine Vollversammlung leite, sei eine besondere Situation. Er werde viele Erwartungen erfüllen müssen.

Zur Eröffnungssitzung der Versammlung am Montagnachmittag waren als Gäste unter anderen der päpstliche Gesandte in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, und aus dem Irak der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Emil Shimoun Nona, gekommen.

Bischöfe wollen für Palliativmedizin und Hospizarbeit werben

Auf ihrer Vollversammlung wollen sich die Bischöfe auch über die im Juli veröffentlichten Zahlen zum kirchlichen Leben in Deutschland beraten. Die Statistik hat für das Jahr 2013 unter anderem einen deutlichen Anstieg der Kirchenaustritte verzeichnet. Kardinal Marx bezeichnete die Zahlen bei ihrer Präsentation als "schmerzlich" und rief innerkirchlich dazu auf, "auf allen Ebenen Vertrauen zu schaffen durch gute und überzeugende Arbeit".

In einem weiteren Programmpunkt beschäftigen sich die Bischöfe mit den kirchlichen Positionen zur Sterbehilfe. Unter dem Leitwort "Sterben in Würde" wollen sich die Oberhirten in den kommenden Monaten verstärkt in die Debatte zu dem Thema einmischen und für eine Stärkung von Palliativmedizin und Hospizarbeit werben.

Die zwei Mal jährlich tagende Vollversammlung der Bischöfe ist das oberste Organ der Konferenz. Die Herbsttreffen finden stets in Fulda, die Frühjahrsvollversammlungen an wechselnden Orten statt. (som/KNA)

Eröffnungsreferat von Kardinal Marx

In seinem Eröffnungsreferat vor den deutschen Bischöfen hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zu einem mutigen Blick nach vorne aufgerufen. Marx betonte, dass die Bischofskonferenz immer als Kollegium der Bischöfe nach außen auftreten müsse. "Wir brauchen eine Ausrichtung auf Communio und Einigkeit hin", sagte der Kardinal. So ginge es nicht um das Durchsetzen eigener Interessen, sondern um "eine vom Geist Gottes angeleitete Einmütigkeit." Eine wichtige Rolle falle dabei auch synodalen Elementen zu: "Wo das synodale Element vergessen worden ist, hat sich nichts zum Besseren verändert, sondern da ist etwas vom Evangelium vergessen worden." In seinem Referat bezog sich Marx auch auf zentrale Aussagen des Apostolischen Schreibens "Evangelii gaudium" von Papst Franziskus. Darin stelle der Papst die Frage, wie eine Evangelisierung gelingen könne. Eine Bischofskonferenz, die nicht der Evangelisierung diene, habe ihre Aufgabe verfehlt, meinte Marx. Beim künftigen Weg der Kirche in Deutschland müsse es daher um die geistliche und redliche Suche nach Einmütigkeit gehen. Zudem hinterfragte Marx, ob die Kirche ihr Handeln genug an den Armen und somit an Jesus selbst ausrichte. "Wenn wir in der Gesellschaft präsent sein möchten, müssen wir unsere Arbeit immer qualitativ hinterfragen und besser werden." Für den Weg der Kirche in Deutschland sei es notwendig, neben der Frage nach der Qualität auch für eine Erneuerung des synodalen Geistes zu sorgen, fuhr Marx fort. Dazu gehöre auch die Überlegung, welche Konsequenzen die Bischofskonferenz aus dem 2010 beschlossenen Gesprächsprozess ziehe. (som)

katholisch.de bei der Vollversammlung

Katholisch.de wird die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 22. bis 25. September in Fulda redaktionell umfassend begleiten. Neben dem Livestream des Pressestatements von Kardinal Reinhard Marx am Freitag um 10 Uhr berichten die katholisch.de-Redakteure Björn Odendahl und Sarah Schortemeyer in Wort und Bild über alle wichtigen Themen der Versammlung. (stz)

Stichwort: Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss aller katholischen Bischöfe und Weihbischöfe in Deutschland. Aufgabe der Konferenz sind das Studium und die Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, die gegenseitige Beratung, die notwendige Koordinierung der kirchlichen Arbeit, der gemeinsame Erlass von Entscheidungen sowie die Pflege von Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ der Bischofskonferenz ist die zweimal jährlich tagende Vollversammlung . Weitere Organe sind der Ständige Rat , in dem jede Diözese durch den Bischof mit Sitz und Stimme vertreten ist, der Vorsitzende und die Bischöflichen Kommissionen . (stz)

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