Das Brot der Mutter Gottes

Es war einmal ein kleiner Junge. Er war von seinen Eltern verlassen worden. Da nahm ihn ein Gutsherr auf. Nicht weit vom Gutshof entfernt befand sich die Dorfkirche. Und neben der Kirchentür stand ein Kreuz mit einem Bild der Muttergottes und dem Jesuskind. Als der Junge einmal an der Kirche vorüberging und das Bild sah, glaubte er, einen lebendigen Jungen vor sich zu sehen.

Marienmonat | - 07.01.2015

Es war einmal ein kleiner Junge. Er war von seinen Eltern verlassen worden. Da nahm ihn ein Gutsherr auf. Nicht weit vom Gutshof entfernt befand sich die Dorfkirche. Und neben der Kirchentür stand ein Kreuz mit einem Bild der Muttergottes und dem Jesuskind. Als der Junge einmal an der Kirche vorüberging und das Bild sah, glaubte er, einen lebendigen Jungen vor sich zu sehen.

Und von da an lief er jeden Tag zum Jesuskind und teilte mit ihm sein Brot. Das Jesuskind streckte seine Hände aus und nahm es dankbar an. Wochen vergingen, bis der Gutsherr sich wunderte: "Warum läuft der Junge immer weg, sobald er Brot bekommt?" Da fragte er ihn: "Wohin läufst du eigentlich immer mit dem Brot?" Der Junge antwortete: "Ich teile es mit dem kleinen Jungen bei der Kirchentür."

Da wurde der Gutsherr zornig: "Nichtsnutze, die nicht arbeiten, sollen auch nicht essen. Mein Brot wirst du nicht mehr verschenken. Nun soll der andere Junge dir von seinem Brot abgeben. Denn von mir bekommst du nichts mehr." Er machte seine Drohung wahr, der Junge musste hungern. Weinend lief der Kleine zur Kirchentür und klagte dem Jesuskind sein Leid: "Ich habe schon seit zwei Tagen nichts zu essen bekommen und bin so hungrig, dass ich kaum auf den Füßen stehen kann! Ich bitte dich, gib mir etwas zu essen! Denn ich habe mein Brot immer mit dir geteilt."

Kaum hatte der Junge zu Ende gesprochen, verwandelte sich das Bild der Muttergottes in eine Frau aus Fleisch und Blut. Sie hielt ein Weizenbrot in den Händen und reichte es dem Jungen: "Nimm das Brot! Du hast mit meinem Kind geteilt und bist ein guter Junge. Dem, der gibt, wird gegeben." Aber was war das? Das Brot begann plötzlich zu laufen. Der Junge eilte hinterher, hob es auf und nahm es mit. Von nun an musste er nie mehr Hunger leiden, denn das Brot nahm kein Ende mehr. Sobald er eine Scheibe Brot abschnitt, war schon wieder eine neue da. Der Junge zog hinaus in die Welt und machte sein Glück. Aber er vergaß nie, was die Muttergottes für ihn getan hatte. Und er beherzigte ihre Worte: "Gib, dann wird dir gegeben werden."

Ein Märchen aus Rumänien

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