Weihnachten

Das Fest der Menschheitsfamilie

Moraltheologe Daniel Bogner über den sozialen Aspekt von Weihnachten

Bonn - 23.12.2013

Es sind die letzten Tage vor Weihnachten. "Alle Jahre wieder" heißt es in einem bekannten Kinderlied, und da ist viel Wahres dran. Wie in jedem Jahr gehen meine Gedanken zurück an das, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Während des Jahres denke ich meist gar nicht viel nach über den Ablauf der Zeit - aber an Weihnachten passiert das regelmäßig. Vor allem kommt mir in den Sinn, wie ich im vergangenen Jahr Weihnachten gefeiert habe - mit wem, und wo. Wie war damals die Stimmung?

Jetzt, so kurz davor, ist es eine Gelegenheit, noch mal innezuhalten. Mir geht durch den Kopf, wie es dieses Jahr wohl ablaufen wird, das Weihnachtsfest: Wem werde ich da wieder begegnen? Der lieben Familie, die dazu gehört, die aber auch anstrengend ist? Den alten Freunden? Manche trifft man nur einmal im Jahr, um Weihnachten herum.

Gibt es wieder dieselben Gesprächsthemen oder liegt was Neues an? Was hat sich seit der letzten Begegnung verändert? Was ist aus mir geworden seitdem? Irgendwie hat sich nicht viel getan, aber irgendwie ist doch alles ganz neu. Ich bin derselbe und doch ein anderer - man ist älter, hat Dinge erlebt in den letzten Monaten. Und den anderen wird es genau so gehen.

Weihnachten - nur ein Familienfest?

So weit, so gut - aber eine religiöse Dimension von Weihnachten habe ich mir damit noch nicht erschlossen, oder? Einen Gedanken finde ich allerdings faszinierend: Dass es zu diesem Anlass, zu einem festen Zeitpunkt im Jahr, beinahe allen so geht: Man nimmt sich für ein paar Tage frei, trifft sich mit Familie und Freunden und versucht, einigermaßen friedlich und angenehm miteinander über die Runden zu kommen. Mal klappt das gut, mal weniger. Aber für die meisten Menschen, die Weihnachten feiern, ist es dasselbe Programm.

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Impressionen zu Weihnachten.  katholisch.de

In religiösen Kreisen hört man hier und da leisen Spott, wenn es heißt, Weihnachten sei vor allem ein Familienfest. Das sei doch eine reichlich unreligiöse Bedeutung für dieses theologische Ereignis! Ich kann das nicht so sehen. Denn es ist doch eine großartige Sache: dass ein religiöses Fest der Grund ist, warum weltweit viele Millionen Menschen sich die Zeit nehmen, zusammenzufinden, einander mitzuteilen und mitzubekommen, was die anderen so tun und erleben.

Die Sozialverkündigung der Kirche hat immer von der "einen Menschheitsfamilie" gesprochen, die in Christus begründet ist. Weihnachten macht das ganz konkret: So viele Menschen, die sonst isoliert voneinander ihre eigenen Wege gehen, setzen sich bewusst miteinander in Verbindung; nicht in irgendeiner politischen oder beruflichen Funktion, sondern einfach als sie selbst, als Familienmitglieder, als Freunde, als Anvertraute, als Gefährten.

Gott reiht sich ein

Weihnachten, das heißt: Gott wird Mensch. Er wählt einen Menschen, um sich zu offenbaren. Das bedeutet: Mensch zu sein, hat Wert. Weil alle Menschen in dem einen Menschen Jesus Christus von Gott angesprochen sind. Und Jesus war einer, der zusammen geführt hat. Jedes andere Mensch-Sein ist deshalb von Bedeutung. Wie könnte ich ohne die anderen sein? Diese Botschaft, dass alle Menschen irgendwie miteinander zu tun haben, ist ein Programm des christlichen Glaubens. Der bringt Menschen miteinander in Beziehung. In Jesus von Nazareth setzt Gott sich dieser Menschheitsfamilie aus, er "reiht sich ein" in die Kette derer, die sich immer wieder begegnen.

Wenn also das Weihnachtsfest der Anlass ist, einfach nur zusammen zu kommen, sich für das Zusammensein mit Anderen Zeit zu nehmen, dann klingt das zwar ganz harmlos. Aber es ist eine schöne Weise, ein leibhaftiger, ein ganz konkreter Ausdruck der religiösen Botschaft von Weihnachten. Und wer will, kann das auch im Gottesdienst feiern.

Von Daniel Bogner

Zur Person

Daniel Bogner ist seit Februar 2013 Professor für Moraltheologie und Sozialethik am Grand Seminaire und Institut de Pedagogie Religieuse in Luxemburg.

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