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"Das ist barbarisch"

Es waren deutliche Worte, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx am Sonntag wählte: Von "barbarischen Akten" sprach er und von einer "Brutalität, wie sie kaum vorstellbar ist". Marx war zu Gast bei der chaldäischen katholischen Gemeinde St. Wolfgang im Münchener Stadtteil Haidhausen, als er diese Sätze sagte.

Irak | München - 24.08.2014

Es waren deutliche Worte, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx am Sonntag wählte: Von "barbarischen Akten" sprach er und von einer "Brutalität, wie sie kaum vorstellbar ist". Marx war zu Gast bei der chaldäischen katholischen Gemeinde St. Wolfgang im Münchener Stadtteil Haidhausen, als er diese Sätze sagte.

Sein Besuch ist nach eigenen Angaben vor allem als Symbol zu verstehen – ein Zeichen für die Solidarität mit den Glaubensbrüdern- und schwestern, deren Angehörige im Irak von der Terrormiliz "Islamischer Staat" verfolgt werden. Die chaldäischen Christen sollten spüren, "wie sehr alle in unserem Erzbistum mit Ihnen mitfühlen und mitbeten mit Blick auf das Leid Ihrer Freunde und Angehörigen", so der Münchener Erzbischof.

Eine Ordensfrau geht durch eine Straße im nordirakischen Mossul (Januar 2014). Nach einem Mitte Juli 2014 von der islamistischen Terrorgruppe ISIS gestellten Ultimatum gibt es erstmals seit 1.600 Jahren keine Christen mehr in Mossul.
 Vogt/Missio

An die Politik appellierte Marx, aktiv zu werden, um die Gewalt gegen die im Irak verfolgten Minderheiten zu stoppen: "Die internationale Gemeinschaft muss handeln und über Mittel und Wege entscheiden, wie diese humanitäre Katastrophe zu beenden ist". Seine Sorge gelte vor allem der caritativen Hilfe, so Marx.

"Erschüttert und traurig"

Pfarrer Sami Danka, Leiter der Seelsorge der Münchener Gemeinde sagte, die chaldäischen Christen in Deutschland seien "stark erschüttert und zutiefst traurig" über die Tausenden ermordeten Christen im Irak. Er verwies auf die vielfältige Not der Flüchtenden : Stark traumatisiert und "oft nur mit der Kleidung am Leib" mangele es vielen an materieller wie psychologischer Unterstützung.

Derweil haben am Wochenende mehrere Tausend altorientalische Christen und Jesiden in Stuttgart gegen die Gewalt in Syrien und Irak demonstriert. Sie forderten eine UN-Schutzzone für die von muslimischen Extremisten verfolgten religiösen Minderheiten. Zu einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Stiftskirche am Samstag war auch der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Mor Philoxenus Mattias Nayis, gekommen.

Bei der anschließenden Kundgebung auf dem Schlossplatz verteidigte der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), vor rund 3.000 Menschen die geplanten Waffenlieferungen in den Irak. Auch der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Thomas Strobl sagte, die religiösen Minderheiten verdienten nicht nur "gute Worte, sondern auch Waffen".

6.500 Chaldäische Katholiken leben in Bayern

Kardinal Marx rief bei seinem Besuch am Sonntag die Gläubigen zu "intensiven Aktionen des Gebets" auf. Es müsse ein Netzwerk in der gesamten Kirche aufgebaut werden. Dazu zählte der Erzbischof auch, vor Ort Hilfe zu leisten und Menschen auf der Flucht aufzunehmen. In Bayern leben rund 6.500 Chaldäische Katholiken, mit 4.500 Gläubigen die meisten davon im Großraum München. Sie stammen überwiegend aus dem Irak.

In der aktuellen Debatte um die Frage nach möglichen Waffenlieferungen in den Irak ringt auch die Kirche um eine einheitliche Position. Während Kardinal Marx in der vergangenen Woche eine eher offene Formulierung gewählt und davon gesprochen hatte, dass es erlaubt sei, "Menschen zu retten mit all den zur Verfügung stehenden Mitteln", hat die die katholische Friedensbewegung Pax Christi ein klares Nein zu der Frage formuliert und davor gewarnt, Militäreinsätze zu rechtfertigen. "Wir haben zwei schreckliche Weltkriege hinter uns, zu denen die Kirchen mitaufgerufen hatten", sagte die Bundesvorsitzende Wiltrud Rösch-Metzler dem "Neuen Ruhrwort".

Franziskus betet für Flüchtlinge

Papst Franziskus hatte auf dem Rückflug von seiner Reise aus Südkorea durchscheinen lassen, dass er ein militärisches Eingreifen unter bestimmten Umständen für gerechtfertigt halte : Einen "ungerechten Aggressor" aufzuhalten, sei "legitim", sagte er während des Flugs, betonte jedoch: "Ich benutze bewusst das Wort stoppen, ich spreche nicht von Bombardieren oder Kriegführen". Zudem betete er für die irakischen Flüchtlinge. (mit Material von KNA)

Von Gabriele Höfling

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