Das Weihnachtspostamt öffnet seine Pforten

In Zeiten von E-Mails, Chats und Blogs scheint er nicht mehr in die Zeit zu passen: Der gute, alte handgeschriebene Brief. Und doch erfreut sich die Tradition des Briefeschreibens gerade in der Weihnachtszeit noch immer großer Beliebtheit.

Brauchtum | Engelskirchen - 08.11.2012

In Zeiten von E-Mails, Chats und Blogs scheint er so gar nicht mehr in die moderne Zeit zu passen: Der gute, alte handgeschriebene Brief. Und doch erfreut sich die Tradition des Briefeschreibens gerade in der Weihnachtszeit noch immer großer Beliebtheit.

Ein Lied davon singen können die bundesweit sieben Weihnachtspostfilialen der Deutschen Post. Die hat der Vormarsch der modernen Computertechnik bislang nämlich nicht in ihrer Existenz bedroht. Im Gegenteil: Seit Jahren steigt nach Angaben der Post in den Filialen das Briefaufkommen immer weiter an – zuletzt waren es mehr als 500.000 Schreiben an Christkind, Nikolaus oder Weihnachtsmann.

Briefe an populäre Geschenkboten

Seinen Wunsch oder einen Gruß zu Papier zu bringen und im Umschlag mit Marke an einen der drei populären Geschenkboten zu schicken ist ganz offensichtlich "in". Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sowie zunehmend auch aus anderen Ländern schicken ihre häufig sehr liebevoll und aufwendig gestalteten Wunschzettel und Briefe an Christkind und Co.

Eine der – gemessen am Briefaufkommen – erfolgsreichsten Weihnachtspostfilialen liegt in der bergischen Gemeinde Engelskirchen. In dem 20.000-Einwohner-Städtchen zwischen Köln und Olpe kommen jedes Jahr mehr als 100.000 Briefe an das Christkind an. Nach der brandenburgischen Gemeinde Himmelpfort ist Engelskirchen damit die zweitbeliebteste Adresse unter den Weihnachtspostfilialen.

Weil das Briefaufkommen in der kleinen Gemeinde so groß ist, hat die Post der Filiale sogar eine eigene Postleitzahl zugewiesen. Briefe an das Christkind müssen seitdem nach 51777 Engelskirchen geschickt werden. Die eigene Postleitzahl für die Engelskirchener Filiale sei einmalig in Deutschland, so Post-Sprecherin Britta Töllner. Anders sei die Riesenmenge an Post aber nicht mehr zu bewältigen gewesen.

Doppeldeutiger Engels-Platz

Die Filiale von Engelskirchen residiert stilecht am "Engels Platz" – ein Name, der allerdings durchaus doppeldeutig zu verstehen ist. Denn die Mitarbeiter des Christkinds, die noch bis Weihnachten die eingehenden Briefe lesen und beantworten, haben ihr Büro im ehemaligen Baumwolllager der Firma "Ermen __amp__ Engels" aufgebaut. Einer der beiden Chefs der 1837 gegründeten Firma war Friedrich Engels senior, der Vater des Mit-Verfassers des Kommunistischen Manifests.

173 Jahre nach der Gründung von "Ermen __amp__ Engels" spinnt aber längst keine Maschine mehr Baumwolle in Engelskirchen. In den Räumen der alten Firma befindet sich heute eine Filiale des Rheinischen Industriemuseums und in der Weihnachtszeit wird ein Teil davon für die Postfiliale geräumt.

Nicht nur materielle Wünsche

Ab Mitte November sitzen hier die Helferinnen des Christkinds und beantworten die eingehenden Briefe. Nach Angaben von Post-Sprecherin Töllner erhält jeder Absender, dessen Brief bis zum 20. Dezember in Engelskirchen eintrifft, einen weihnachtlich gestalteten Antwortbrief mit Weihnachtsmarken und einem eigenen Sonderstempel.

Nicht immer stünden auf den Wunschzetteln der Kinder materielle Geschenke an erster Stelle, betont Töllner. Die fünfjährige Marie aus der Nähe von Düsseldorf habe das Christkind etwa als Ehrengast zu ihrem Geburtstag eingeladen. Andere Kinder wünschten sich Frieden, bessere Schulnoten oder ein Weihnachtsfest, an dem die geschiedenen Eltern gemeinsam teilnähmen.

Unter den materiellen Wünschen überwiege Traditionelles: Bücher, Schaukelpferdchen und Meerschweinchen rangierten in der Gunst der Kinder immer noch vor Gameboy, mp3-Player und Handy. Allerdings gebe es auch etwas kompliziertere Wünsche wie den eines Mädchens, das sich per Wunschzettel einen Bruder gewünscht habe – allerdings nur, wenn dieser auf gar keinen Fall schreie, "und wenn, dann nur ganz leise."

Nicht nur kleine Briefeschreiber

Aber es wenden sich nicht nur die Kleinsten an das Christkind. "Eltern wünschen sich beispielsweise einen Brief für ihre Kinder, damit die wieder an das Christkind glauben", erzählt Töllner. Regelmäßig schrieben zudem auch alte Menschen und sogar Straftäter aus Gefängnissen, weil sie sich über den "himmlischen Antwortbrief" freuten.

Für die Post ist das irdische Christkind-Büro laut Töllner "eine Herzenssache." Es gehe bei den Weihnachtspostfilialen auch darum, den Kindern zu vermitteln, dass an Weihnachten auch nicht-materielle Dinge wichtig seien, zum Beispiel basteln oder Zeit mit der Familie verbringen. Dass dieses Ansinnen bei den Kindern ankommt, zeigt die Masse an Briefen, die täglich in Engelskirchen eintrifft.

Von Steffen Zimmermann

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