"Das wird viele enttäuschen"

Die Bischofssynode zur Familienpastoral im Oktober im Vatikan könnte nach Ansicht des Passauer Bischofs Stefan Oster auch die Euphorie gegenüber Papst Franziskus dämpfen. Viele Menschen erhofften sich entscheidende Reformen. "Aber die Kirche wird nicht die Schritte gehen können, die die Mehrheit der Menschen erwartet", sagte Oster der "Augsburger Allgemeinen" am Donnerstag.

Familie | Augsburg - 14.08.2014

Die Bischofssynode zur Familienpastoral im Oktober im Vatikan könnte nach Ansicht des Passauer Bischofs Stefan Oster auch die Euphorie gegenüber Papst Franziskus dämpfen. Viele Menschen erhofften sich entscheidende Reformen. "Aber die Kirche wird nicht die Schritte gehen können, die die Mehrheit der Menschen erwartet", sagte Oster der "Augsburger Allgemeinen" am Donnerstag.

Oster verwies auf die Problematik der wiederverheirateten Geschiedenen und die Forderung, ihnen den bisher verwehrten Empfang der Sakramente unter bestimmten Bedingungen zu ermöglichen. "Das wird theologisch und pastoral so nicht gehen, und das wird wohl viele enttäuschen."

Der Passauer Bischof, der vor seinem Theologiestudium als Journalist tätig war, erklärte in diesen Zusammenhang, dass die Kirche keine Angst vor den Medien haben dürfe. Es sei ein Problem, komplizierte Dinge verständlich und medientauglich zu erklären. "Wir brauchen dennoch den Freimut, über das zu sprechen, was uns am Herzen liegt." Derzeit erlebe er, dass manche Menschen ihn mutig fänden, weil er zu bestimmten Themen klar Position beziehe. "Aber, mein Gott: Ich bin halt überzeugt davon", betonte der frühere Dogmatikprofessor.

Oster: Medien dürfen Bischöfe nicht vor sich hertreiben

Zugleich aber sieht Oster auch die Schwierigkeiten mit den Medien. Diese dürften die Bischöfe nicht vor sich hertreiben "und ihre Erwartungen auf uns projizieren". Die Bischöfe hätten die Aufgabe, das Evangelium so zu verkünden, dass es heute gehört werde. Deswegen gehörten auch soziale Netzwerke dazu, wie etwa eine Facebook-Seite, die er als Bischof habe. "Aber wenn wir nicht glaubwürdig reden und leben, dann hilft alle Kommunikation nichts", betonte der Bischof.

Schon in der Vergangenheit hatte der Salesianer-Pater den Verdacht geäußert, dass die Kirche gerade bei heiklen Themen "nicht besonders gut im Erklären" sei. Sonst gäbe es mehr Menschen, die positiv darstellen könnten, was die Kirche "zu den Knackpunkten sagt", erzählte er Ende Juni in einem Interview der "Passauer Neuen Presse". Schon damals hatte Oster vor zu hohen Reform-Erwartungen – auch an seine eigene Person – gewarnt. Er habe sehr feierlich versprochen, den Glauben der Kirche zu vertreten. Und: "Nur weil einer als nett empfunden wird, ist es noch nicht so, dass er den Glauben der Kirche auf den Kopf stellt."

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Der Bischof bekannte sich in diesem Zusammenhang auch zur geltenden katholischen Sexualmoral. "Bloß weil eine glaubensloser werdende Welt anders denkt", müssten nicht die kirchlichen Normen zum menschlichen Zusammenleben geändert werden. Ähnlich lautete Osters Urteil zum Thema "Zölibat". Dessen tieferen Sinn sehe er darin, dass Priester die Lebensweise Jesu nachahmten. Dürften Geistliche heiraten, so ginge etwas verloren "von einem Charisma, das Gott schenkt – und priesterliche Existenz würde verbürgerlicht". Gleichzeitig stellte Oster jedoch klar, dass er den Zölibat nicht als Dogma betrachte.

Synode soll nur Bestandsaufnahme vornehmen

Osters Vermutung, dass die Menschen zu hohe Erwartungen an die Familiensynode und damit auch an den Papst stellen, könnte sich bewahrheiten. Denn die außerordentliche Synode soll zunächst nur eine Bestandsaufnahme vornehmen, bei der das Thema "wiederverheiratete Geschiedene" zudem nur eines von vielen sein wird. So erklärte der Papst Ende Mai, ihm habe "nicht gefallen", dass viele Personen - auch Priester - gesagt hätten: "Aha, die Synode dient dazu, den Geschiedenen die Kommunion spenden zu können."

Die Bischöfe sollten sich nicht mit Einzelfällen befassen, sondern mit der globalen Krise der Familie, sagte Franziskus auf dem Rückweg von seiner Heilig-Land-Reise. Der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, nannte etwa gemischtkonfessionelle Ehen, die Frage einer Leihmutterschaft sowie die Bindungsunfähigkeit von jungen Leuten als weitere konkrete Themen der Synode. (mit Material von KNA)

Von Björn Odendahl

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