DBK-Sekretär: Wir müssen uns ständig selbst prüfen

Erneut ist die Zahl der Kirchenaustritte zurückgegangen. "Natürlich freuen wir uns", sagt DBK-Sekretär Hans Langendörfer dazu. Im Interview mit katholisch.de übt er jedoch auch Selbstkritik.

Bischöfe | Bonn - 21.07.2017

Frage: Pater Langendörfer, vor zwei Jahren musste die DBK einen Rekord bei den Kirchenaustritten vermelden. Seitdem ist die Zahl um ein Viertel zurückgegangenen. Wie groß ist die Erleichterung bei Ihnen?

Hans Langendörfer: Natürlich freuen wir uns, dass die Zahl der Austritte erneut rückläufig ist. Dennoch dürfen wir uns damit nicht beruhigen. Bei jedem einzelnen Menschen, der sich von der Kirche abgewandt hat, ist die Weitergabe des Glaubens offensichtlich nicht gelungen. Daher müssen wir uns ständig selbst prüfen: Was machen wir gut und was machen wir eben noch nicht gut?

Frage: Neben den Austritten sind jedoch auch die Zahlen des sakramentalen Lebens rückläufig. Welche ist dabei besonders schmerzlich?

Langendörfer: Jede rückläufige Zahl schmerzt. Immerhin können wir zum zweiten Mal in Folge ein Plus bei den Taufen verzeichnen. Auf jeden Fall müssen wir stets die richtigen Wege finden, die Menschen zu erreichen und ihnen die Botschaft Jesu nahezubringen.

Frage: Und welche Hoffnungen verbinden Sie mit der immerhin seit zwei Jahren steigenden Zahl der Taufen?

Langendörfer: Die steigende Zahl der Taufen – unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklungen – zeigt, dass die Menschen Interesse am kirchlichen Leben haben und daran, Teil der Gemeinschaft der katholischen Kirche zu sein. Die Menschen erwarten, dass wir sie begleiten und uns ihnen zuwenden, ihnen zuhören.

Linktipp: Erneut weniger Kirchenaustritte

Verantwortliche und Interessierte warten jedes Jahr mit Spannung auf die aktuellen Zahlen des kirchlichen Lebens. Am Freitag wurde die Statistik vorgestellt – und dürfte zumindest teilweise für Erleichterung sorgen. Katholisch.de präsentiert die wichtigsten Zahlen für 2016.

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Frage: Die Kirche wird häufig gelobt für ihr soziales Engagement, bekommt aber bei Fragen wie der "Ehe für alle" enormen gesellschaftlichen Gegenwind. Wie beeinflusst das die kirchliche Statistik?

Langendörfer: Wir bekommen Kritik und wir bekommen Zuspruch. Mit beidem müssen wir uns auseinandersetzen. Dem einen gefällt unsere Position zur "Ehe für alle" nicht, schätzt dafür aber unsere aktive Arbeit in der Flüchtlingshilfe oder andersherum. Inwiefern dieses konkrete Thema die kirchliche Statistik beeinflusst, kann ich nicht sagen.

Frage: Welchen Stellenwert haben Zahlen überhaupt für die Arbeit der deutschen Bischöfe? Gibt es einen anhaltenden Effekt über die Kenntnisnahme der Veröffentlichung hinaus?

Langendörfer: Selbstverständlich setzen sich die Bischöfe mit den Zahlen ihres Bistums, aber auch mit den bundesweiten Zahlen auseinander. Es gibt Umfragen und Versuche, die Entwicklungen gut zu verstehen. Wir müssen mit den Menschen reden, die sich uns (wieder) zugewandt haben und mit denen, die sich von der Kirche abgewandt haben. Papst Franziskus gibt uns immer wieder neue Ansätze.

Von Kilian Martin

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