Debatte um die Großpfarrei

Die Debatte über die Umstrukturierung des Erzbistums Berlin gewinnt wieder an Fahrt. Kritiker wollen sich bei Veranstaltungen in den kommenden Wochen verstärkt zu Wort melden, wie einer der Wortführer, Pfarrer Ernst Pulsfort, am Montag ankündigte. So planen der Diözesanrat und die Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Prenzlauer Berg im September Diskussionsveranstaltungen zu der Reform. Diese sieht vor, die derzeit 105 Kirchengemeinden bis 2020 zu etwa 30 Großpfarreien zusammenzulegen.

Erzbistum Berlin | Berlin - 06.08.2013

Die Debatte über die Umstrukturierung des Erzbistums Berlin gewinnt wieder an Fahrt. Kritiker wollen sich bei Veranstaltungen in den kommenden Wochen verstärkt zu Wort melden, wie einer der Wortführer, Pfarrer Ernst Pulsfort, am Montag ankündigte. So planen der Diözesanrat und die Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Prenzlauer Berg im September Diskussionsveranstaltungen zu der Reform. Diese sieht vor, die derzeit 105 Kirchengemeinden bis 2020 zu etwa 30 Großpfarreien zusammenzulegen.

Die für Ende August von Kritikern geplante Gründung eines Arbeitskreises über "Alternativen zum Pastoralplan 2020" kommt jedoch nicht zustande. Die Initiatoren hätten das Vorhaben nach einem Gespräch mit Generalvikar Tobias Przytarski abgesagt, bestätigte Pulsfort, der die Gemeinde Sankt Laurentius in Berlin-Tiergarten leitet. Das Erzbistum sehe in einem solchen Arbeitskreis eine Parallelstruktur, die dem Umbau nicht dienlich sei.

Bistumssprecher Stefan Förner räumte auf Anfrage ein, dass es in den Kirchengemeinden Ängste gebe, die "teilweise auch berechtigt" seien. Viele ließen sich jedoch mit Hilfe der Moderatoren des Erzbistums ausräumen, die den Kirchengemeinden bei der Umstrukturierung zur Seite stünden.

Bistumssprecher: Empörung und Angst ganz normal

"Der Kardinal hat alle eingeladen, sich mit umzuschauen: was Kirche ist, wo Kirche ist, wie sie selber Kirche sein und sich engagieren können", sagte Förner darüber hinaus in einem Interview mit dem Kölner "domradio". Dass es jetzt "Empörung, Ärger und Ängste" gebe, sei ganz normal, so Förner weiter. "Und es ist auch ganz normal, dass sich der Kardinal und alle an dem Prozess Beteiligten das anhören müssen."

Kardinal Rainer Maria Woelki.
Kardinal Rainer Maria Woelki spricht vor Journalisten.
 dpa

Für Förner ist in dem Prozess noch lange nicht das letzte Wort gesprochen. "Der Prozess soll bis 2020 gehen - und wir stehen ganz am Anfang. Es gab bereits viele Gespräche: in vielen Gemeinden, Regionen und Dekanaten", so der Bistumssprecher gegenüber dem Kölner Bistumssender.

Ende 2012 hatte der Berliner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki mit einem Advents-Hirtenbrief einen Umbau der Erzdiözese angekündigt. Anlass sind die in manchen Regionen Brandenburgs und Vorpommerns rückläufigen Katholikenzahlen und der Priestermangel.

Aus den kleinen Pfarreien sollen größere Einheiten wachsen, um die Gemeinden vor Ort von Bürokratie zu entlasten. Unterhalb der Pfarreiebene soll ein vielfältiges Leben unterschiedlicher Gemeinden und Gemeinschaften gedeihen, so die Vorstellung des Kardinals.

Priester von Bürokratie entlasten

"Es soll zwar weniger Pfarreien geben, dafür aber viele Gemeinden", sagte Bistumssprecher Förner dazu im Interview mit dem "domradio". An vielen Orten sollten Priester von Verwaltungsaufgaben befreit werden "und wieder mehr Zeit für das Entscheidende haben: die Seelsorge und die Feier der Eucharistie."

Kritiker werfen Woelki vor, gewachsene Gemeindestrukturen aufzugeben, und fordern unter anderem, auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Ein solcher Schritt könnte laut dem Kardinal jedoch nur auf weltkirchlicher Ebene erfolgen. Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob Laien statt der Sonntagsmesse Wortgottesdienste mit Kommunionausteilung feiern sollen. Woelki lehnt diesen Weg ab und verweist auf die zentrale Stellung der Eucharistiefeier unter Leitung eines Priesters. (meu/KNA)

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