Den Blick auf die Kunst richten

Auch dieses Jahr haben wieder zahlreiche deutsche Bistümer zum Aschermittwoch der Künstler eingeladen. Die Themenschwerpunkte reichten dabei vom Umgang mit heiligen Räumen bis zum Verhältnis von Theater und Kirche. In Freiburg betonte Erzbischof Robert Zollitsch die Bedeutung von Sakralbauten. Sie seien eine der sichtbarsten Gestalten von Kirche in der Öffentlichkeit.

Aschermittwoch | Bonn - 06.03.2014

Auch dieses Jahr haben wieder zahlreiche deutsche Bistümer zum Aschermittwoch der Künstler eingeladen. Die Themenschwerpunkte reichten dabei vom Umgang mit heiligen Räumen bis zum Verhältnis von Theater und Kirche. In Freiburg betonte Erzbischof Robert Zollitsch die Bedeutung von Sakralbauten. Sie seien eine der sichtbarsten Gestalten von Kirche in der Öffentlichkeit.

Rund 150 Künstler waren zum Gottesdienst mit Zollitsch in das Freiburger Münster gekommen. In seiner Predigt stellte er die Frage nach dem Umgang mit heiligen Räumen. Die Kirche brauche "stets die notwendige Unterscheidung zwischen Beständigem und Wandelbaren" sowie "die rechte Balance zwischen Bewahren und Erneuern". Wo Veränderbares mit dem Fundament verwechselt werde, drohe Einsturz und Zusammenbruch. Auch beim Bau oder der Neugestaltung einer Kirche müsse angemessen ausgedrückt werden, worum es "im Kern unseres Glaubens" gehe: "Denn es ist nicht gleichgültig, wie wir unsrem Glauben heute Gestalt geben."

Musik ist Liturgie

In der Nachbardiözese Rottenburg-Stuttgart beschäftigte sich Bischof Gebhard Fürst mit der Bedeutung von Musik in der Kirche. Er erläuterte, dass Musik kein Beiwerk zur Liturgie sei, sondern selbst Gottesdienst. Als Beispiel nannte er die Psalmen . Sie seien ein gutes Beispiel für einen schonungslos offenen, gesungenen Dialog mit Gott.

Menschliche Erfahrungen und Sehnsüchte ringen um Verheißung und Widerspruch.

Bischof Friedhelm Hofmann

In der Diözese Würzburg ging es um das Verhältnis von Theater und Kirche. Bischof Friedhelm Hofmann stellte beide als zwei Bereiche des Lebens gegenüber, in denen der Mensch zweckgebundenes Dasein verlasse. Er stellte vor rund 250 anwesenden Künstlern fest, dass es neben Trennendem auch Gemeinsamkeiten gebe. Dazu zählten Schnittpunkte in den Bereichen Lebensdeutung und Lebenshoffnung, so der Bischof. "Menschliche Erfahrungen und Sehnsüchte ringen um Verheißung und Widerspruch. Kirche und Theater bemühen sich dabei um eine Verbesserung der Gesellschaft."

Im Bistum Limburg war der österreichische Maler und Bildhauer Leo Zagmayer zu Gast. Kunst und Religion zielten auf dasselbe "Unvergängliche, Wirklich, Wahre, aber Ungreifbare", erläuterte er im Haus am Dom in Frankfurt. Zogmayer, der in den vergangenen 15 Jahren unter anderem zwölf Kirchen und Kapellen ausgestattet hat, sagte, dass die schönste Definition von Kunst das Feiern des Lebens sei. Im Grunde könne alles zu Kunst werden, so Zogmayer, "wenn wir das, was wir gerade tun, ganz tun und nichts anderes".

Im Würzburger Kiliansdom erhielten die Gläubigen zu Beginn der Fastenzeit das Aschekreuz.
 Hauck/Bistum Würzburg

In Augsburg betonte Bischof Konrad Zdarsa, dass es in der Liturgie des Aschermittwochs um Ehrlichkeit und Akzeptanz der Wirklichkeit gehe. "Was immer wir tun: Am Ende ist es Staub und Asche", so der Bischof zu den anwesenden Künstlern. Die Fastenzeit sei eine Zeit der Erneuerung der eigenen Existenz.

Von Gott erzählen

Kardinal Reinhard Marx predigte im Münchener Liebfrauendom zum Thema "Zerbrechlichkeit". Er erinnerte an den italienischen Bildhauer, Maler und Architekten Michelangelo Buonarotti (1475-1564). "Michelangelo wies darauf hin, dass der künstlerische Akt mit Zerstörung zu tun hat, dass ein grober Marmorblock Schritt für Schritt zerbrochen werde und dass daraus ein 'David' befreit werden müsse", erklärte er. Die Hülle werde nicht bleiben. Sie müsse zerstört werden, damit das Ewige sichtbar werde. Der Kardinal ermutigte dazu, die Fastenzeit zur Reflexion zu nutzen. "Wir sollten nicht bei dem stehenbleiben, was wir sind, sondern auf das sehen, was wir sein könnten. Mit Jesus könnten wir den Weg gehen in die eigenen Möglichkeit hinein, über alle Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit hinaus."

In Nürnberg rief der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dazu auf, "das Erzählen wieder zu lernen und Erzählungen zuzuhören". Er bezog sich dabei vor allem auf die Bibel: Sie sei eine Sammlung von Erzählungen von einzelnen Menschen, vom Volk Israel und von der Kirche über ihre Begegnungen, Erlebnisse und Erfahrungen mit Gott. Schick appellierte an die Gläubigen, von Gott zu erzählen, denn so könne jeder seinen Nächsten Gott näherbringen.

Von Sophia Michalzik

Information

Der Aschermittwoch der Künstler geht auf eine Anregung des katholischen Schriftstellers Paul Claudel (1868-1955) zurück, der nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedene Künstler in Paris zum Gedankenaustausch einlud. Seitdem treffen sich in vielen europäischen Städten Bischöfe, Seelsorger, Gläubige und Künstler.

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