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Den Ist-Zustand analysieren

Noch vor der Sommerpause, vermutlich Ende Juni, soll das Arbeitspapier der nächsten Bischofssynode zur Familienpastoral erscheinen. Aufgrund einer Umfrage in der Weltkirche erstellen das Synodensekretariat und seine Arbeitsgruppen derzeit das "Instrumentum laboris", das Programmpapier für das Kirchentreffen, das dieses Mal aus zwei Teilen besteht.

Vatikan | Vatikanstadt - 17.06.2014

Noch vor der Sommerpause, vermutlich Ende Juni, soll das Arbeitspapier der nächsten Bischofssynode zur Familienpastoral erscheinen. Aufgrund einer Umfrage in der Weltkirche erstellen das Synodensekretariat und seine Arbeitsgruppen derzeit das "Instrumentum laboris", das Programmpapier für das Kirchentreffen, das dieses Mal aus zwei Teilen besteht.

Vom 5. bis 19. Oktober erfasst, vertieft und analysiert eine außerordentliche Synode den Ist-Zustand der "pastoralen Herausforderungen für die Familie im Rahmen der Evangelisierung". Im Jahr darauf soll dann eine Ordentliche Bischofssynode operative Linien für eine Pastoral der menschlichen Person und der Familie suchen und vorschlagen.

Es handele sich nicht um zwei getrennte Synoden, sondern um "zwei Ereignisse eines einzigen Vorgangs", unterstrich der Generalsekretär der Bischofssynode , Kardinal Lorenzo Baldisseri, jetzt in einem Vortrag in Lissabon. Zugleich listete er eine Reihe von Themen und Situationen auf, die sich aus der Umfrage in der Weltkirche ergeben hätten - eine Umfrage, die sich dieses Mal nicht nur an Bischöfe richtete, sondern auch das Kirchenvolk mit einbezog und deren Erkenntnisse nach Beratungen in den Ortskirchen mancherorts veröffentlicht wurden.

Viele Herausforderungen für die Synode

Unter den genannten Herausforderungen für das Synodenthema listet Baldisseri auf: Mischehen oder interreligiöse Ehen, Familien mit einem Elternteil und Polygamie sowie Polyandrie. Weiter nennt er das Phänomen von arrangierten Ehen und Brautkauf, die Unfähigkeit zu einer Bindung, sowie irrige Rollenbilder von Männern und Frauen.

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Dann soll sich die Synode mit Veränderungen des Familienbildes im Zuge von Migrationsbewegungen befassen, über den kulturellen Pluralismus im Eheverständnis beraten und das Thema gleichgeschlechtlicher Beziehungen einschließlich der Frage eines Adoptionsrechts diskutieren. Schließlich solle es auch um Fragen von Leihmutterschaft und generell um die Neuinterpretation von Menschenrechten als Herausforderungen für die Familienpastoral der Kirche gehen.

Frage nach Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene

Zuletzt nennt Baldisseri "die Schwächung oder die Aufgabe des Glaubens an die Sakramentalität von Ehe und Buße". Eine Formulierung, die auch die in der westlichen Welt besonders diskutierte Frage eines Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene berührt, ohne dass diese eigens genannt wird, wobei auffällt, dass sich der Generalsekretär - wie schon Kardinal Walter Kasper in seinem Vortrag vor dem Konsistorium Ende Februar - auf beide Sakramente bezieht.

Die breitere Beteiligung an den Vorbereitungen der Synode wertet Baldisseri als einen "klaren Paradigmenwechsel". Das Arbeitspapier sei auf Grundlage der Antworten auf die Vatikan-Umfrage erstellt worden. Allerdings ändere das nicht, dass es sich um eine "Synode der Bischöfe" handele.

Aber von dieser Methodik, die sich während des Treffens selbst fortsetzen soll, erhofft er sich eine neue Dynamik der Synode, die auf diese Weise alle Bereich der Kirche einschließe. "In dieser Dynamik der Kirche als dem Volk Gottes entsteht Einheit in der Verschiedenheit ihrer Charismen, Gaben, Ämter und Sensibilitäten", so der Kardinal. Und der Bischofssynode mehr Gewicht als kollegialem Leitungsinstrument in der Kirche zu geben, war eine der Anregungen des Vorkonklaves, die Franziskus bald nach seiner Wahl anzugehen versuchte.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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