Der böse Onkel

Das Thema Kindesmissbrauch wird im Kino oft in harten Dramen beleuchtet. Im schweizer-deutschen Spielfilm "Der böse Onkel" dagegen setzt Regisseur Urs Odermatt auf Verfremdungen und Show-Effekte - und erreicht damit eine anregende Intensität. "Der böse Onkel" erzählt vom Kampf einer Mutter, Trix Brunner (Miriam Japp), gegen den Sportlehrer Armin (Jörg-Heinrich Benthien).

Kino | Berlin - 11.04.2013

Das Thema Kindesmissbrauch wird im Kino oft in harten Dramen beleuchtet. Im schweizer-deutschen Spielfilm "Der böse Onkel" dagegen setzt Regisseur Urs Odermatt auf Verfremdungen und Show-Effekte - und erreicht damit eine anregende Intensität. "Der böse Onkel" erzählt vom Kampf einer Mutter, Trix Brunner (Miriam Japp), gegen den Sportlehrer Armin (Jörg-Heinrich Benthien).

Der Pädagoge missbraucht Schülerinnen sexuell. Trix sollte ein leichtes Spiel haben. Doch der ganze Ort stellt sich gegen sie.

Die Dorfbewohner betrachten Armin, der einst Medaillenruhm einheimste, als einen "Prachtkerl". Sie wollen nicht wahr haben, dass einer von ihnen verdorben ist. Es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Mit Armin verteidigen die Alteingesessenen vor allem ihr geschöntes Selbstbild. Dadurch werden auch sie mehr und mehr zu Verbrechern und pervertieren an sich positive Grundwerte der bürgerlichen Gesellschaft wie das Prinzip der Solidarität.

Der Film regt zu intensivem Nachdenken an

Anders als in den meisten Filmen zum Thema sexueller Missbrauch Minderjähriger steht scheinbar nicht die Verteidigung von Moral und Gesetz im Zentrum. Bizarre Momente, etwa der nackt unter der Dusche Gitarre spielende Lehrer, und bewusste Irritationen, zum Beispiel durch eingefügte Dokumentaraufnahmen von den Dreharbeiten, verblüffen. Doch gerade weil Autor und Regisseur Urs Odermatt, der sein eigenes Theaterstück adaptiert hat, nicht geradlinig Moral und Gesetz verteidigt, erzielt er eine starke Wirkung.

Mehr Info

Die schweizer-deutsche Produktion "Der böse Onkel" (2011) von Regisseur Urs Odermatt kommt ab dem 11. April 2013 in die deutschen Kinos. Mehr Informationen zu dem Spielfilm gibt es hier .

Der skurrile Humor und der Stil einer grellen Revue provozieren ein intensives Nachdenken über Fragen des Miteinanders. Wesentlich ist dabei der Aspekt, dass die Mutter im Dorf als "Zugereiste" gebrandmarkt wird. Zwar lebt sie mit ihrer Tochter Saskia (Paula Schramm) bereits seit zwölf Jahren im Ort. Doch die Ansässigen halten sich für die besseren Menschen. Der Film offenbart deutlich die Gefährlichkeit der Macht einer Mehrheit gegenüber einer Minderheit und erreicht damit eine große Allgemeingültigkeit.

Parallelen zu einem realen Fall in der Schweiz

In der Schweiz erregte der Film einiges Aufsehen, denn die Geschichte erinnert an einen realen Fall: In den 1980er und 90er Jahren hatte ein Turnlehrer mehrere Mädchen sexuell missbraucht. Es dauerte Jahre, ehe er gerichtlich verfolgt wurde, weil sich eine große Mehrheit des Ortes schützend vor ihn stellte. Erst 2000 wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Songs, oft sehr drastische Sprachfetzen und die von surrealen Videoclips angeregte Bildmontage in "Der böse Onkel" sind für ein konventionell orientiertes Publikum sicher eine Herausforderung. Eine Herausforderung, der es sich aber zu stellen lohnt. Denn der Film entlässt einen nicht beruhigt. Am Ende steht die Frage, ob nicht jeder jederzeit Gefahr läuft, vor Schrecklichem, sei es nun Kindesmissbrauch, Fremdenhass oder Gewalt gegen Schwache, die Augen zu verschließen.

Von Peter Claus (dpa)

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