Der erschwerte Blick

Transparenz und Effizienz waren die erklärten Vorgaben von Papst Franziskus und seines neuen Synodensekretärs Kardinal Lorenzo Baldisseri für die seit Montag in Rom tagende Bischofssynode : Die Spitzenvertreter der Weltkirche sollten in freier und offener Diskussion über das breite und schwierige Feld von Familie und Ehe diskutieren und der Kirche helfen, ihre Positionen zu klären und in einer verständlicheren Sprache in die Gesellschaft einzubringen.

Familiensynode | Vatikanstadt - 11.10.2014

Transparenz und Effizienz waren die erklärten Vorgaben von Papst Franziskus und seines neuen Synodensekretärs Kardinal Lorenzo Baldisseri für die seit Montag in Rom tagende Bischofssynode : Die Spitzenvertreter der Weltkirche sollten in freier und offener Diskussion über das breite und schwierige Feld von Familie und Ehe diskutieren und der Kirche helfen, ihre Positionen zu klären und in einer verständlicheren Sprache in die Gesellschaft einzubringen.

Das neue Konzept scheint nach einigen Anlaufschwierigkeiten aufzugehen: Die Synodalen tragen - auch in Anwesenheit des Papstes - engagiert und "mit Leidenschaft" ihre Positionen vor, wie Vatikansprecher Federico Lombardi vor Journalisten erklärte. Anstelle der früheren Monologe kam es bei den Generaldebatten in der Synodenaula immer häufiger zum direkten Austausch, zum Dialog unter den Bischöfen.

Mitausschlaggebend für diese interne Verbesserung war aber auch die Entscheidung der Organisatoren, die Statements der Redner nicht zu veröffentlichen. Zwar gab der Vatikan täglich die Liste der Synodenredner bekannt - pro Halbtag zwischen 20 und 30. Sprecher Federico Lombardi nannte zudem bei täglichen Pressebriefings die behandelten Themen und Argumente; allerdings wurden sie nicht einzelnen Rednern zugeordnet. Und offen blieb meist, mit welcher Häufigkeit bestimmte Themen auftauchten und welchen Grad an Zustimmung sie erhielten.

Was der Effizienz der Synodenarbeit offensichtlich zugutekommt, macht es den Journalisten umgekehrt schwer, sich ein Bild vom Verlauf und der Dynamik des Bischofstreffens zu machen. Bei früheren Synoden wurden stets die - in der Regel gekürzten und auch entschärften - Statements der Redner den Medienvertretern zugänglich gemacht, meist in vier bis sechs halboffiziellen Übersetzungen. Das machte es möglich, nach wenigen Tagen einen Roten Faden erkennen zu können sowie Schwerpunkte und Linien auszumachen. Sehr bald waren auch die Meinungsführer und die "Synoden-Stars" auszumachen, deren Interventionen besonderes Gewicht hatten und Resonanz fanden.

Oft unzutreffende Spekulationen

Das fällt diesmal bedeutend schwerer, obwohl unter dem neuen Papst das Interesse und die Erwartungen der Öffentlichkeit besonders hoch waren. Die Journalisten erhalten nur äußerst beschränkt Einblick in das Geschehen - und die wenigen Spekulationen italienischer Vatikanisten bezeichnen Insider als unzutreffend - etwa die Einschätzung der Turiner Zeitung "La Stampa", die Befürworter von Kardinal Walter Kasper, der für bestimmte Einzelfälle das Nachdenken über einen Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene vorgeschlagen hatte, seien in einer klaren Minderheit.

Immerhin räumte auch Vatikansprecher Lombardi ein, dass dieses Thema eine besondere Rolle in den Debatten spiele und dass hier zwei Linien zu erkennen seien: eine, die entschlossen die Unauflöslichkeit der Ehe propagiert und aus Respekt gegenüber der katholischen Lehre einen Sakramentenzugang für sie ablehnt; und eine andere, die ebenfalls an der von Christus gewollten Unauflöslichkeit der Ehe festhält, die aber die einzelnen Situationen differenziert und aus dem Blickwinkel der Barmherzigkeit betrachten will, auf der Suche nach pastoralen Zugängen. Wie das Meinungsbild dazu innerhalb der Synode ist, lässt sich weder erkennen noch erahnen. Allerdings habe man ja auch noch ein Jahr Zeit zur Reflexion. Eine Klärung all dieser Fragen soll nicht vor der zweiten Familiensynode im Oktober 2015 erfolgen.

Unterstützung erhalten die Medienvertreter unterdessen von dem deutschen Kurienpräfekten Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Man solle die Statements der Redner veröffentlichen, wie es in früheren Jahre der Fall gewesen sei, sagte der Leiter der Glaubenskongregation in einem auf der Synoden-Homepage verbreiteten Interview. Die Gläubigen hätten ein Recht zu erfahren, was ihre Bischöfe hier sagen.

Von Johannes Schidelko (KNA)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017