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Der Frauendreißiger

An Mariä Himmelfahrt beginnen die sogenannten "Frauendreißiger", ein Monat mit insgesamt fünf verschiedenen Marienfesten. Für fast alle Termine gibt es entsprechende Bräuche - außer am 22. August, wenn die Kirche Maria als Königin feiert. Katholisch.de stellt die "Frauendreißiger" vor.

Kirchenjahr | Bonn - 06.01.2015

Jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt beginnen die so genannten "Frauendreißiger". Sie enden einen Monat später am 15. September, dem Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Allerlei Brauchtum ist um diese sommerlichen Marienfeste - vor allem jedoch um Mariä Himmelfahrt - entstanden.

Die Ostkirche feierte die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel bereits im fünften Jahrhundert, die Westkirche seit dem siebten Jahrhundert. Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel wurde 1950 von Papst Pius XII. für die römisch-katholische Kirche zum Dogma erhoben - obwohl Tod und Himmelfahrt der Muttergottes an keiner Stelle im Neuen Testament erwähnt sind.

Im überwiegend katholischen Bayern sowie im Saarland ist Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Doch auch in anderen Bundesländern sind in den vergangenen Jahren in katholischen Kirchen immer häufiger Gottesdienste mit Kräuterweihe üblich. Mariä Himmelfahrt wird auch als "Großer Frauentag" bezeichnet, Mariä Geburt am 8. September als "Kleiner Frauentag". Ursprünglich nannte man die Zeit zwischen diesen beiden Festen die "Frauendreißiger". Da die Zeitspanne aber weniger als 30 Tage umfasst, werden die acht Tage nach dem Kleinen Frauentag dazugezählt. Die Frauendreißiger enden damit am 15. September, dem "Gedächtnis der Schmerzen Mariens".

In die Zeit der Frauendreißiger fallen einige Marien-Gedenktage:

  • 15. August: Mariä Himmelfahrt
  • 22. August: Maria Königin
  • 8. September: Mariä Geburt
  • 12. September: Mariä Namen
  • 15. September: Gedächtnis der Schmerzen Mariens

Wie in anderen Festkreisen reichen sich auch in den Frauendreißigern Glaube und Aberglaube die Hand. So sollen die Kräuter, die für den Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt zu Sträußen gebunden und in der Kirche geweiht werden, besonders heilkräftig sein. Diese werden später mit den Blüten nach unten zum Trocknen aufgehängt - in bäuerlichen Gegenden oft im so genannten Herrgottswinkel am Kruzifix. Teile der Sträuße wurden früher in den Scheunen unter die erste Garbe gelegt oder den Stalltieren unters Futter gemischt, damit die Ernte reich ausfiel und das Vieh gesund blieb.

Ein Pfarrer segnet Kinder in Tracht mit Blumen an Mariä Himmelfahrt in der Kirche in Partenkirchen.
Ein Pfarrer segnet Kinder in Tracht mit Blumen an Mariä Himmelfahrt in der Kirche in Partenkirchen.
 KNA

Bei Krankheiten war es üblich, Kräuterbuschen mit Weihrauch vermischt im Krankenzimmer aufzuhängen. Bei Gewitter warf man die Kräuter ins offene Feuer. Dies sollte gegen Blitz und Seuchen schützen. Brautleuten legte man in der Hochzeitsnacht Kräuter unters Kopfkissen. Sie sollten ein langes, kinderreiches Leben bescheren. Tote bekamen ein Kreuz aus geweihten Kräutern aufgelegt - als Stärkung für ihre letzte Reise.

Der Zusammenhang zwischen der Gottesmutter und den Kräutern ist in vielen Legenden beschrieben - etwa in einer Schrift des griechischen Kirchenlehrers Johannes von Damaskus aus dem achten Jahrhundert: Als die Mutter Gottes im Alter von 72 Jahren starb, fehlte beim Begräbnis Thomas, einer der Jünger. Er war auf Reisen. Als er zurückkam und Maria noch einmal sehen wollte, öffneten die Jünger das Grab. Der Sarg aber war leer.

Es musste eine symbolische heilige Zahl sein

Nur ein lieblicher Wohlgeruch von Blumen verbreitete sich. Und als die Jünger die Blumen zählten, waren es 72 - so viele, wie Jesus Jünger ausgesandt hatte. In der "Leganda Aurea", der Goldenen Legende, dem im Mittelalter populärsten Volksbuch - entstanden durch den Dominikanermönch Jacobus de Voragine -, heißt es, dass sich der wohlriechende Blumenduft verbreitet habe, als Jesus Christus hinabstieg, um seine Mutter in den Himmel aufzunehmen. Eine andere Legende erzählt, dass auf Weisung eines Engels dem Leichnam Mariens eine Palme vorausgetragen wurde.

Der Kräuterbuschen setzt sich aus verschiedenen Heilkräutern, Getreideähren und anderen Nutzpflanzen zusammen. Wichtig war die Anzahl der Kräuter. Es musste eine symbolische heilige Zahl sein - drei für die Dreifaltigkeit, sieben für die sieben Sakramente, zwölf für die Anzahl der Apostel oder der Stämme Israels. Auch Vervielfältigungen dieser heiligen Zahlen waren möglich. Üblich sind je nach Region zwischen sieben und 77 Kräutern. In die Mitte des Kräuterstraußes gehört - als Zepter - die Königskerze, eine bekannte Heilpflanze bei Husten. Dazu kommen Thymian, Johanniskraut, Meisterwurz, Schafgarbe, Arnika, Tausendgüldenkraut, Baldrian und Basilikum. Zuweilen werden die drei letzten Pflanzen auch durch Frauenmantel, Augentrost und Salbei ersetzt. Auch Wermut, Vanille, Pfefferminze und Holunder sind gebräuchlich, ebenso Gartenblumen - vor allem Nelken.

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Am 15. August findet in der katholischen Kirche die Kräuterweihe statt. Im Video zeigen wir, wie ein solcher Kräuterbuschen gebastelt wird.
 katholisch.de

Der Salbei, der auch oft in den Kräuterstrauß mit eingebunden wird, war schon bei den Römern wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung beliebt - vor allem bei Hals- und Rachenerkrankungen. Früher hieß es sogar, der Salbei verleihe ewiges Leben, was sich in dem Spruch widerspiegelt: "Wer Salbei baut, den Tod kaum schaut." Dieser Spruch geht auf eine Legende zurück: Als die Heilige Familie nach Ägypten floh, soll sich Maria mit dem Jesuskind vor den Schergen des Herodes unter einem hohen Salbeistrauch versteckt haben.

Auch "Unser Frauen Würzweih" oder "Buschelfrauentag" wurde das Fest Mariä Himmelfahrt früher genannt. Ein weiterer Brauch war es, nach der Kräuterweihe Äpfel und Birnen rücklings hinter sich zu werfen. Dies sollte eine gute Ernte verheißen. Nicht umsonst gibt es einige Bauernregeln rund um Mariä Himmelfahrt, etwa: "Frauentag mit Sonnenschein bringt viel Obst und süßen Wein". In vielen Gegenden wurden mit den Kräuterbuschen in den Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönig die Ställe ausgeräuchert. Dies sollte Glück und Segen bringen.

Wintersaat an Mariä Geburt

Kein eigenes Brauchtum im ländlichen Bereich gibt es an "Maria Königin" - aus einem einfachen Grund: Zwar wird Maria schon lange als Königin des Friedens angerufen und verehrt, das Fest selbst hatte jedoch erst Papst Pius XII. im Jahr 1954 eingeführt. Zudem wurde es zunächst am 31. Mai begangen und nach der Liturgiereform auf den Oktavtag von Himmelfahrt, den 22. August, verlegt.

An "Mariä Geburt" am 8. September hingegen wird an Aussaat und Ernte gedacht. Der Tag ist - außer Weihnachten und dem Johannistag am 24. Juni - der einzige Geburtstag, der im Laufe des Kirchenjahres gefeiert wird. Er gilt als der beste für die Aussaat des Winterkorns. Am Fest "Mariä Namen" (12. September) war es im 19. Jahrhundert noch üblich, kleinen Mädchen, die an diesem Tag getauft wurden, den Namen Maria zu geben.

Von Margret Nußbaum

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