"Der Heilige Geist wirkt bis heute"

Pfingsten ist nach den Worten von Papst Franziskus kein Fest der bloßen Erinnerung an ein einmaliges Ereignis von vor 2.000 Jahren. Das Wirken des Heiligen Geistes dauere bis heute an und beschränke sich nicht auf einen Augenblick im Leben der Jünger Jesu, sagte Franziskus am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Petersdom.

Pfingsten | Vatikanstadt - 08.06.2014

Pfingsten ist nach den Worten von Papst Franziskus kein Fest der bloßen Erinnerung an ein einmaliges Ereignis von vor 2.000 Jahren. Das Wirken des Heiligen Geistes dauere bis heute an und beschränke sich nicht auf einen Augenblick im Leben der Jünger Jesu, sagte Franziskus am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Petersdom.

Christus habe nicht aufgehört, seiner Kirche den Heiligen Geist zu senden. Dieser führe die Gläubigen als "Meister des Lebens" auf dem rechten Weg durch Höhen und Tiefen. Er wecke in ihnen das Verständnis für Jesu Worte und bewirke, dass Menschen einen brüderlichen Dialog miteinander führten.

Ein Christ ohne Erinnerung sei kein echter Christ, führte Franziskus im Petersdom aus. Ein solcher bleibe im Augenblick gefangen und unfähig, sein Leben als Teil der Heilsgeschichte zu begreifen. Der Heilige Geist hingegen trage als "lebendes Gedächtnis der Kirche" zu einem tieferen Verständnis der Gegenwart im Lichte von Jesu Worten bei. So fördere er eine "Weisheit des Herzens".

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Heiligen Geist und seine Bedeutung im christlichen Glauben.  katholisch.de

Der Heilige Geist hilft beim Verständnis

Der Heilige Geist helfe auch dabei, die anderen als Brüder und Schwestern anzuerkennen, sagte der Papst weiter. Er fördere, dass Menschen freundschaftlich und innig miteinander sprächen und die Ängste und Hoffnungen des Anderen verstünden.

Als weiteres Wirkungsfeld des Heiligen Geistes nannte der Papst die Prophetie. Diese lege Ungerechtigkeiten und Widersprüche offen, so Franziskus. Sie tue dies jedoch stets mit Milde und in einem konstruktiven Sinn.

Beim Regina-Coeli-Gebet sagte Papst Franziskus außerdem, dass die katholische Kirche stets für Überraschungen gut bleiben müsse. Sie dürfe sich nicht darauf beschränken, ein "harmloses, dekoratives Element" zu sein, so Franziskus. Die Kirche müsse mit ihrer Botschaft vom auferstandenen Christus vielmehr "überraschen und Unordnung schaffen". Als Vorbild verwies er auf den biblischen Bericht von der Niederkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu zu Pfingsten. Das Evangelium müsse auch da verkündet werden, wo es "stört und die Gewissen beunruhigt".

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben zu Pfingsten an den Heiligen Geist als Friedensstifter erinnert. Dabei verwiesen sie besonders auf das am Sonntagabend stattfindende Friedenstreffen von Papst Franziskus mit Israels Präsident Schimon Peres und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas im Vatikan.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, hob die besondere Kraft des Gebets hervor: "Es ist nicht naiv, es ist nicht weltfremd, sondern es öffnet den Blick für Möglichkeiten, für neues Denken." Bei dem vom Papst initiierten Treffen gehe es um ein "aktives Gebet", kein "resignatives Gebet" im Sinne von "da hilft nur noch beten, da kann man nichts mehr machen", betonte Marx.

Für den Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki ist es "ein großes Hoffnungszeichen", dass Abbas und Peres der Einladung des Papstes gefolgt seien. Woelki hob auch die Bedeutung der Europäischen Union für Frieden und Versöhnung hervor. "Im Angesicht zahlreicher Konflikte wie in der Ukraine dürfen wir das in Europa Erreichte nicht aufs Spiel setzen", warnte Woelki.

Auf den Geist Gottes verlassen

Der Freiburger Alterzbischof Robert Zollitsch rief dazu auf, "Brücken in eine menschenfreundliche Zukunft zu bauen". Christen sollten dabei auf die Kraft und Stärke des Heiligen Geistes vertrauen, "der die Mauern der Vorurteile überwindet und hilft, Brücken zum Nächsten zu bauen, der anspornt und ermutigt, Versöhnung und Frieden zu stiften."

In Bamberg erinnerte Erzbischof Ludwig Schick daran, dass die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern schon zu scheitern drohten. Aber der Papst habe nun zum Gebet in den Vatikan eingeladen. Wer sich auf den Geist Gottes verlasse, sei nie verlassen.

Auch der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann nahm auf das für den Abend angekündigte Friedensgebet Bezug. Alle Gläubigen hätten in der Taufe und der Firmung den Heiligen Geist empfangen, betonte Hofmann. Kritisch hinterfragte er jedoch, ob sich das auch in konkreter Nächstenliebe gegenüber Nachbarn, Randgruppen und Asylbewerbern niederschlage.

Kardinal Marx mit Bischofsstab
Kardinal Reinhard Marx feiert einen Gottesdienst anlässlich seiner Erhebung zum Kardinal am 28. November 2010 in München.  KNA

Zdarsa: Gott schenkt sich selbst den Menschen

In Augsburg betonte Bischof Konrad Zdarsa, mit dem Heiligen Geist wolle sich Gott selbst den Menschen schenken sowie sie aufs Neue zum mutigen Bekenntnis und Glaubenszeugnis befähigen. Das sei das Große an der Verkündigung der Kirche, an ihrer Überlieferung und der Heiligen Schrift.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker erinnerte an die Pflicht, Brücken der Verständigung und des Friedens zu schlagen. Daran solle der Pfingstgeist erinnern. Christen stünden wie die Kirche vor der Aufgabe, sich der Opfer, der Leidenden und Bedrängten anzunehmen.

Herausforderung des Glaubens

In Dresden predigte Bischof Heiner Koch unter anderem zum Thema Geduld. Geduld sei eine wichtige Voraussetzung für Gotteserfahrungen, sagte er. "Alles Große im menschlichen Leben braucht das Bleiben, das Wachstum", sagte Koch in der Dresdener Kathedrale. Dies gelte auch für die Beziehung zu Gott. "Wenn ich von Gott keine direkte Antwort auf meine Fragen erhalte oder wenn er mir fern zu sein scheint - dann bei ihm zu bleiben, ist vielleicht die größte Herausforderung des Glaubens." Aber gerade an solchen Belastungen wachse der Glaube.

"Die meisten Menschen erfahren Gott heute wohl deshalb nicht, weil sie sich nicht auf den Weg mit ihm machen", erklärte Koch. In solch einem Fall würden auch keine Predigten, Katechesen oder Religionsunterricht helfen. Wer nicht den Aufbruch wage, dem blieben weite Lebensbereiche, auch die religiösen, verschlossen. (som/KNA)

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