Der Monster-Macher

Flammende Infernos, Monster und Fratzen, wie sie danach erst wieder für den "Krieg der Sterne" erschaffen wurden: Hieronymus Bosch scheint Jahrhunderte voraus - und war doch fest in seiner Zeit angesiedelt.

Kunst | 's-Hertogenbosch - 09.08.2016

Was hat denn der geraucht, würde man wohl fragen, malte Hieronymus Bosch seine Gruselwelten heute an einer Staffelei irgendwo im niederländischen Grünen. Ein verkrachter Hippie? Ein Nerd, der zu oft die Weltraumkneipe von "Star Wars" besucht hat? Wie kam der Maler bloß zu diesen Bildern im Kopf? Vielbeinige Monster, verrenkte Zyklopen, furzende Nonnen, flammende Infernos und hybride Gebärszenen in den absurdesten Kombinationen. Hieronymus Bosch gibt noch nach 500 Jahren Rätsel auf.

Zum Gedenken an den 500. Todestag des Malers hat sich seine niederländische Heimatstadt 's-Hertogenbosch ein großes Festprogramm mit fast 100 Programmpunkten einfallen lassen, die sich wie das einer Europäischen Kulturhauptstadt lesen: allein ein Dutzend Ausstellungen, Ton- und Lichtspiele, Feuerwerk, Tanz und Theater, eine Höllenfahrt auf dem Fluss Dieze - und vor allem: Monster, Monster, Monster.

Werke in alle Welt verstreut

Höhepunkt waren natürlich die Bilder des Meisters selbst. Die große Werkschau im Museum von Nordbrabant besuchten im Frühjahr mehr als 420.000 Menschen; sie tourt derzeit, noch bis 11. September, im Prado in Madrid. Zum Jubiläumsjahr sind die wichtigsten seiner wenigen Dutzend erhaltenen Werke noch einmal versammelt. Denn eigentlich sind sie, wohl für immer, in alle Welt verstreut: in die National Gallery of Art in Washington, den Pariser Louvre oder eben den Prado. Seine Heimatstadt besitzt nicht ein einziges mehr selbst.

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Seit inzwischen 500 Jahren ist der Meister tot: Zum runden Todestag des Malers Hieronymus Bosch wird seine Heimatstadt 's Hertogenbosch nun zur Bühne. Boschs wundersame Welt lebt in den alten Gassen der niederländischen Stadt. (Artikel von Januar 2016)

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Wer war dieser ungewöhnliche Mann und Künstler? Was trieb ihn an? Wirklich bekannt ist über Hieronymus Bosch herzlich wenig. Geboren wurde er um 1450 in Den Bosch, wie die wohlhabende Stadt damals genannt wurde ('s-Hertogenbosch = des Herzogs Wald). Sein eigentlicher Name lautete Hieronymus oder Jeroen van Aken. Trotz dieses Herkunftsnamens "von Aachen" war die Familie wohl schon länger in der Weber- und Kunstmetropole Den Bosch ansässig. Hieronymus heiratete gut - und erhielt so auch Zugang zu den wohlhabenden Auftraggebern der Stadt. All seine weiteren Familienverhältnisse verlieren sich im Dunkel der Geschichte; selbst seine Grabstelle ist nicht überliefert.

Die Ausstellung "Bosch - Visionen eines Genies" hat anschaulich aufgezeigt, dass der Meister fest im Kunstbetrieb seiner Zeit angesiedelt war: ein angesagter Auftragskünstler, kein kritisch beäugter oder gar geächteter Freigeist, der außerhalb seiner Zeit stand. Seine rätselhaften, kaum zu ergründenden Werke verschafften ihm bereits zu Lebzeiten internationalen Ruhm in einer Zeit, die in vollem Umbruch war.

Die religiöse Geisteswelt des Spätmittelalters zwischen Bibel, Himmel und Hölle trieb - unter anderem mit Boschs Malerei - noch ihre schrillsten und buntesten Blüten aus. Zugleich erscheint am Horizont bereits die Vision eines neuen Menschenbildes, selbstbewusst und weniger auf das Jenseits fixiert. Voller Unwägbarkeiten war diese ungewisse Zwischenwelt. Was stimmt denn nun: Wie verhalte ich mich im Diesseits, um das Jenseits nicht unumkehrbar zu vergrätzen?

Zwei Besucher betrachten in einem Museum ein Bild des niederländischen Malers Hieronymus Bosch.
 picture alliance / dpa

Was einem drohen kann - und was einen auch an Wunderbarem erwarten könnte, davon erzählen die Bilder Hieronymus Boschs. Und zwar unfassbar drastischer als die vielen Einzelmotive, die der Kanon der Bildsprache seiner Zeit bereithielt. Was ist schon ein vom heiligen Georg erlegter Drachen gegen die greulichen, ungestalten Alptraum-Geschöpfe, die dort die Menschen - sind sie sündig oder nicht? - verschlingen, zertrampeln, zermalmen.

Sünde, Tod und Hölle

Sünde, Tod und Hölle - all das hat der Künstler scheinbar greifbar vor Augen. Konnte Hieronymus Bosch nachts schlafen? Oder begegnete er all seinen Wesen überhaupt erst im Schlaf? Der Einfluss Boschs auf die Bildsprache und die Filmgeschichte der Moderne und Postmoderne ist wohl gar nicht groß genug einzuschätzen. Mal ehrlich: Wären Orte wie die Ork-Schmiede von Mordor im "Herrn der Ringe" ohne Hieronymus Bosch überhaupt vorstellbar? Für Menschen, die nichts geraucht haben und normal träumen, wohl kaum.

Von Alexander Brüggemann (KNA)

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