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Der Papst und die Presse

Wenn sich ein Papst, der selbst ein Medienstar ist, zum Thema Medien äußert, dürfen seine Worte mit besonderem Interesse rechnen. Das gilt auch für die am Freitag veröffentlichte Botschaft von Franziskus zum katholischen Weltmedientag . Sie zeigt einmal mehr, dass der auch von der kirchenfernen Presse in aller Welt bejubelte Pontifex, den Journalisten seinerseits keineswegs nur Streicheleinheiten verabreicht.

Vatikan | Vatikanstadt - 25.01.2015

Wenn sich ein Papst, der selbst ein Medienstar ist, zum Thema Medien äußert, dürfen seine Worte mit besonderem Interesse rechnen. Das gilt auch für die am Freitag veröffentlichte Botschaft von Franziskus zum katholischen Weltmedientag . Sie zeigt einmal mehr, dass der auch von der kirchenfernen Presse in aller Welt bejubelte Pontifex, den Journalisten seinerseits keineswegs nur Streicheleinheiten verabreicht.

In diesem Jahr hält Franziskus ihnen eine verzerrte Berichterstattung über Familien vor. Sie würden oft nur als "abstraktes Modell" ideologischer Grabenkämpfe dargestellt, aber nicht als konkrete Realität gelebter Nächstenliebe.

Mehr als Kaninchenfutter

Zum Medienstar wurde Franziskus freilich nicht durch seine vorformulierten offiziellen Botschaften. In die Schlagzeilen bringen ihn regelmäßig flapsige Formulierungen wie der jüngste Kaninchen-Vergleich und spontane Reaktionen wie der gegenüber seinem Reisemarschall angedeutete Faustschlag. Nach Ansicht vieler Beobachter liefert der Papst damit jedoch weit mehr als nur Kaninchenfutter für die Presse: Es gelinge ihm durch seine Art immer wieder, auch kirchenferne Medien für die Botschaft der Kirche zu interessieren.

Der Papst hat keinerlei Berührungsängste gegenüber Medien. In den beinahe zwei Jahren seines Pontifikates gab er rund einem Dutzend Medien Interviews, von der italienischen Tageszeitung über das brasilianische Fernsehen bis hin zu einem argentinischen Lokalsender, dem er live Rede und Antwort stand.

Das Zeug für die Titelseite

Sogar für einen Videoclip ließ sich Franziskus von einem evangelikalen Pastor im Vatikan mit einem Smartphone filmen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hat er den Dalai Lama inzwischen weit hinter sich gelassen und nimmt Kurs auf Justin Bieber und Lady Gaga. Mehr als 18 Millionen Nutzer folgen seinen Botschaften. Und auch seine Pressekonferenzen während des Rückflugs von Auslandsreisen haben regelmäßig das Zeug zur Titelseite.

Absehbar war das alles freilich kaum. Als Kardinal von Buenos Aires galt Jorge Mario Bergoglio als medienscheu. Noch auf dem Hinflug zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro bekannte er im Juli 2013, dass er nicht gerne Interviews gebe. Ein knappes Jahr später sagte er dann auf dem Rückflug von Israel zu den mitreisenden Journalisten: "Ich habe verstanden, dass ihr nicht wie die Löwen in Daniels Löwengrube seid."

Eine Eigendynamik

Chancen und Risiken seiner oft spontanen und drastischen Formulierungen machte zuletzt der Kaninchenvergleich deutlich. Da gelang dem Papst einerseits das Kunststück, dass viele kirchenferne Medien, etwa im deutschsprachigen Raum, mit positivem Tenor berichteten, obwohl er das kirchliche Verbot künstlicher Verhütungsmittel zumindest indirekt bekräftigte. Andererseits gewann seine Aussage eine solche Eigendynamik, dass bisweilen außer Acht geriet, was der Papst damit eigentlich sagen wollte.

Fast schon legendär: Die Fliegenden Pressekonferenzen von Franziskus

Seinen eigenen Leuten macht der Papst damit das Leben nicht leicht. Nach dem Kaninchenvergleich sah sich der vatikanische Innenminister Erzbischof Angelo Becciu am Donnerstag zu einer Klarstellung veranlasst. Pater Federico Lombardi, der Leiter des Presseamtes, hatte zuvor in etlichen ähnlichen Fällen nachträgliche Erklärungen liefern müssen. Aber es kam auch schon vor, dass der Papst ihn berichtigte: Kurz nachdem Lombardi in der Türkei wortreich erklärte, warum Franziskus in der Blauen Mosche nur in stiller Anbetung verharrt und nicht gebetet habe, sagte Franziskus wenig später, er habe dort still gebetet .

Freilich: Auch vom Vorgänger Benedikt XVI. wurden in der Presse regelmäßig Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen. Allerdings hat sich dieses Risiko nach Ansicht von Beobachtern durch Franziskus' bildreiche Sprache erhöht.

Vatikanische Medienlandschaft vor Umbruch

Franziskus wirbelt nicht nur die auswärtige Presse auf. Auch im Vatikan selbst steht die Medienlandschaft vor einem Umbruch. Eine Kommission aus externen Fachleuten soll ein Konzept für eine effizientere Arbeit erstellen. Dahinter stehen nicht zuletzt Sparzwänge. Vor allem für den Sender " Radio Vatikan " werden Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen. Wenn es tatsächlich soweit kommen sollte, dann wäre vermutlich auch Franziskus nicht vor negativen Schlagzeilen gefeit.

Von Thomas Jansen (KNA)

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