Wohltätigkeit

Der Weihnachts-Effekt

Ein Fünftel aller jährlichen Spenden entfällt auf den Advent

Bonn - 11.12.2014

Adventszeit ist Spendenzeit - das gilt trotz aller Tendenzen zur Säkularisierung auch heute noch. Etwa 20 bis 22 Prozent des gesamten Spendenvolumens entfallen laut Deutschem Spendenrat auf den letzten Monat des Jahres. Davon profitieren vor allem die vielen großen und kleinen Weihnachtsaktionen - ob die Suppenküche um die Ecke, die Ehrenamtliche nach Feierabend organisieren, oder die Kollekten der kirchlichen Hilfswerke.

Der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Soziale Fragen , Burkhard Wilke, weiß um der Bedeutung der Adventszeit für die Hilfswerke. "Im November und Dezember steigen die Spenden insgesamt stets deutlich", sagt er. Selbst bei den Ebola-Spenden, für die es lange schwer war, überhaupt Spenden zu erzielen, habe es bei einzelnen Organisationen zuletzt einen leichten Anstieg gegeben.

Ebola und Flüchtlinge sind Schwerpunkte für Organisationen

Etwa das Deutsche Rote Kreuz hatte bis Ende November lediglich 1,1 Millionen Euro an Spenden für den Kampf gegen Ebola eingenommen. Für eine Gesamtbilanz 2014 sei es jedoch noch zu früh, sagt Sprecher Dieter Schütz. Erfahrungsgemäß gingen insgesamt etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Spenden in der Weihnachts- und Vorweihnachtszeit ein. "Allerdings werden wir unter dem Spendenaufkommen des Vorjahrs von etwa 64 Millionen Euro liegen, weil Großkatastrophen wie der Taifun auf den Philippinen und das Hochwasser in Deutschland , bei denen die Spendenbereitschaft sehr groß war, in diesem Jahr bisher ausgeblieben sind", so Schütz weiter. Auch der Taifun Hagupit hat auf den Philippinen laut ersten Bilanzen weniger verheerend gewütet als befürchtet.

Michael Urselmann, Professor für Sozialmanagement an der Fachhochschule Köln und Experte für Fundraising.  KNA

Neben Ebola ist die Hilfe für die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak für viele Organisationen ein Schwerpunkt. Im Gegensatz zu Ebola zeigen sich die Bundesbürger laut einer Umfrage für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" für die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sehr gebefreudig. Dagegen haben die Ukraine-Krise und der Gaza-Konflikt nicht übermäßig zum Spenden verleitet. "Es macht sich bemerkbar, dass es in diesem Jahr so viele schwere humanitäre Katastrophen wie nie zuvor in der Geschichte der humanitären Hilfe gibt", erklärt der Sprecher von Caritas International , Achim Reinke.

Nicht nur einander beschenken

Dennoch hoffen die Hilfswerke weiterhin auf den Advents-Effekt. In dieser Zeit sehnten sich die Menschen danach, miteinander zu teilen, sagt der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Adveniat , Christian Frevel. "Wir beschenken einander, und es ist ein guter und richtiger Impuls dann auch die zu beschenken, die nichts haben", sagt er. Das Lateinamerika-Hilfswerk erhält über die Hälfte seiner Einnahmen während der alljährlichen Weihnachtsaktion , davon wiederum über 50 Prozent in den Kollekten an Heiligabend und dem Ersten Weihnachtstag. Die Gefahr, dass die Menschen sich über die Vielzahl von Spendenaufrufen zum Jahresende ärgern, sieht Frevel weniger - dafür sei die Weihnachtsaktion zu etabliert.

Grundsätzlich funktioniere der gute alte Brief immer noch am besten, wenn ein Hilfswerk um Spenden werben will, sagt Fundraising-Experte Michael Urselmann. "Das gilt trotz aller Klagen über volle Briefkästen, gerade in der Adventszeit", so der Kölner Fachmann.

Organisationen, die zu anderen Zeiten zu sammeln versucht hätten, seien meist zu diesem Termin zurückgekehrt. "Der Hauptgrund ist sicher der, dass viele Menschen im November das 13. Monatsgehalt bekommen", erklärt Urselmann pragmatisch, räumt aber ein, das anstehende Fest trage ebenfalls seinen Teil zur Spendenmotivation bei.

Das Bedürfnis, etwas Gutes zu tun

Christian Frevel von Adveniat glaubt indes nicht, dass die heutige Welt so säkular geprägt ist, wie oft verkündet wird. "Zumindest gibt es in Deutschland kein Fest, das so stark von Riten, Traditionen und Bedürfnissen geprägt ist wie Weihnachten", erläutert er. "An keinem anderen Fest kehren so viele Menschen wieder an ihre Heimatorte zurück. Weihnachten ist also immer noch eine Zeit der Gemeinschaft." Und zu den Ritualen rund um das Fest gehöre für viele Menschen auch das Bedürfnis, etwas Gutes zu tun.

Von Paula Konersmann (KNA)

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