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Diagnose: Lebensgefahr

Es ist nur ein mikroskopisch kleiner Unterschied. Statt zweimal ist das 21. Chromosom ein drittes Mal im Ergbut vorhanden. Doch die Folgen einer Trisomie 21 oder des sogenannten Down-Syndroms für den Betroffenen sind schwer vorhersagbar - der eine lebt im Erwachsenenalter selbstständig mit einigen gesundheitlichen Einschränkungen, der andere braucht sein Leben lang bei jedem Handgriff Unterstützung.

Medizin | Berlin - 21.03.2015

Es ist nur ein mikroskopisch kleiner Unterschied. Statt zweimal ist das 21. Chromosom ein drittes Mal im Ergbut vorhanden. Doch die Folgen einer Trisomie 21 oder des sogenannten Down-Syndroms für den Betroffenen sind schwer vorhersagbar - der eine lebt im Erwachsenenalter selbstständig mit einigen gesundheitlichen Einschränkungen, der andere braucht sein Leben lang bei jedem Handgriff Unterstützung.

An diesem Samstag soll der Welt-Down-Syndrom-Tag auf den Gendefekt, aber vor allem auf die Stärken der mit diesem Gendefekt lebenden Menschen aufmerksam machen. In diesem Jahr besonders. Denn ein neuer Bluttest für Schwangere könnte Kassenleistung werden. Kritiker fürchten dadurch einen weiteren Anstieg an Frühabtreibungen bei Verdacht auf Trisomie 21.

Der seit 2012 von der Konstanzer Biotech-Firma LifeCodexx vertriebene Praenatest ermöglicht es, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ein Down-Syndrom beim Kind bereits ab der neunten Schwangerschaftswoche im mütterlichen Blut nachzuweisen. Auch andere, deutlich schwerere und seltenere Gendefekte können nach Angaben der Hersteller mit dem Test in wenigen Tagen nachgewiesen werden. Die Biotech-Firma empfiehlt die Untersuchung, wenn die Schwangere einer Risikogruppe angehört oder nach einem Ultraschall der Verdacht auf eine Behinderung besteht.

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Test soll Risiken minimieren

Befürworter argumentieren, das Verfahren erspare dem Ungeborenen und der Mutter riskante Untersuchungen wie eine Fruchtwasseranalyse. Falls der Test positiv ausfällt, empfiehlt der Hersteller zur Sicherheit zusätzlich eine Fruchtwasseranalyse. Aktuell übernehmen gut zwei Dutzend Kassen im Einzelfall die Test-Kosten von etwa 600 bis 900 Euro, je nachdem, auf wie viele Chromosomenstörungen untersucht wird.

Das könnte sich ändern: Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) hatte im April vergangenen Jahres entschieden, ein Beratungsverfahren für eine Erprobungsrichtlinie einzuleiten. Nach Informationen der "Zeit" könnte noch in diesem Jahr der nächste Schritt, nämlich eine Erprobungsstudie zur Nützlichkeit der Methode beginnen. Verläuft diese positiv, müssten die Kassen den Praenatest etwa für Schwangere ab dem 35. Lebensjahr bezahlen.

Der G-BA bekräftigt indes, dass es bislang nur Beratungen über eine Erprobungsrichtlinie gegeben habe, nicht mehr. Es sei daher noch völlig offen, ob die Methode überhaupt erprobt werde, betonte eine Sprecherin auf Anfrage. Man stünde aber angesichts der ethischen Tragweite mit dem Deutschen Ethikrat in Kontakt.

Anton Losinger, Weihbischof von Augsburg.
Anton Losinger, Weihbischof von Augsburg.  KNA

Losinger: Ungeborene Kinder sind in Lebensgefahr

Der Augsburger Weihbischof und Mitglied im Ethikrat, Anton Losinger, warnte jüngst vor der Kassenzulassung. Dadurch erhöhe sich die Lebensgefahr für ungeborene Kinder mit genetischen Defekten, sagte Losinger der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Schon jetzt bedeute der Verdacht auf ein Down-Syndrom für 90 Prozent der Embryos den Tod. Es sei ein bizarrer Widerspruch, wenn die Gesellschaft einerseits massive Anstrengungen zur Inklusion Behinderter unternehme, andererseits aber behinderten Embryos das Lebensrecht abspreche, fügte Losinger hinzu.

Auch die Lebenshilfe und die Down-Syndrom-Fachverbände sehen den Test äußerst skeptisch und lehnen ihn als Reihenuntersuchung ab. Die Blutuntersuchung sei ethisch problematisch und gefährlich, sagte die Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt diese Woche in Berlin.

"Der Test vermittelt den Eindruck, es sei ein perfektes Kind möglich. Damit gefährdet er die Akzeptanz von Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit", so Schmidt. Die frühere Gesundheitsministerin hält den Test aber bei Risikoschwangerschaften für akzeptabel. Notwendig sei aber zugleich eine sehr gute Beratung, "damit junge Paare oder alleinstehende Frauen gut aufgeklärt werden - auch über Hilfsangebote für den Fall eines behinderten Kindes".

Gemeinsam mit Abgeordneten aller Fraktionen will die SPD-Politikerin Schmidt mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung das Thema am Freitag auch auf das politische Parkett heben. Die Abgeordneten möchten vor allem umfassend klären, welche Zahlen, Studien und ethischen Bedenken es gibt - vor einer möglichen Kassenzulassung.

Von Anna Mertens (KNA)

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