Wallfahrt

Die Häupter der Märtyrer

Mehr als 10.000 Gläubige zur Kiliani-Wallfahrtswoche erwartet

Würzburg - 07.07.2014

Es sind heiße – und vor allem spirituell dichte – Tage im Bistum Würzburg: Seit Sonntag feiern die Katholiken in Unterfranken ihre Kiliani-Wallfahrtswoche. Mehrere Gottesdienste für verschiedenste Gruppen, Andachten, Beichtgelegenheiten und Dom-Führungen bestimmen die Tage in Würzburg. Zum Auftakt am Sonntag nahm auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an der heiligen Messe im Dom teil.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann kritisierte in seiner Predigt Missstände in der Gesellschaft und in der Kirche. Durch die vielen Unruheherde weltweit komme eine große Zahl von Flüchtlingen nach Europa. "Wir dürfen uns nicht abschotten und das Problem den anderen überlassen", sagte er. Nächstenliebe und Gastfreundschaft seien christliche Pflichten, die es umzusetzen gelte. Er forderte von allen einen Einsatz dafür, "dass diejenigen Wohnungen finden, die eine Aufenthaltserlaubnis haben".

Bischof Hofmann kritisiert Agnostizismus

Heftig kritisierte der Bischof den Terror und das Leid, das derzeit von Terroristen in Nigeria, Syrien und dem Irak verursacht wird. "Auch die Ermordung von drei jüdischen und einem palästinensischen Jugendlichen werfen viele Fragen auf", so Hofmann. Weiter kritisierte er einen zunehmenden Agnostizismus in der Gesellschaft. "Selbst unter den Getauften gibt es mitunter eine schlimme Gleichgültigkeit gegenüber den wesentlichen Fragen des Lebens." Die Gläubigen rief er auf, wachsam zu sein und zu protestieren, wenn Menschen die Gebote Gottes abschaffen wollten. Konkret forderte er den Einsatz gegen Abtreibung und aktive Sterbehilfe.

Die Wallfahrtswoche in Würzburg begann mit einer Reliquienprozession von der Pfarrkirche Sankt Burkard über die Alte Mainbrücke in den Kiliansdom. In einem gläsernen Schrein wurden die Köpfe der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan durch die Stadt getragen. Da der Wanderbischof Kilian und seine Gefährten aus Irland stammten, nahm auch eine Delegation aus deren Heimatdorf Mullagh an dem Gottesdienst teil.

Seehofer: Christliche Prägung macht Bayern erfolgreich

Ministerpräsident Seehofer bezeichnete gegenüber dem Pressedienst des Ordinariats Würzburg das Christentum als Fundament Bayerns. Wenn er - wie neulich in Prag, Paris und Rom gefragt - werde, was den Erfolg Bayerns ausmache, antworte er immer "die christliche Prägung, die Orientierung am christlichen Menschenbild über viele Jahrhunderte hinweg". Er sei der festen Überzeugung, dass dies "das eigentliche Fundament für uns in Bayern und den Erfolg der Bayern" sei, so Seehofer.

Mehr als 10.000 Pilger erwartet das Bistum Würzburg in diesen Tagen. Sie werden vor den Häuptern der Märtyrer beten, wie es auch Seehofer getan hat. Der CSU-Politiker berichtete im Anschluss, er habe für Gesundheit und Wohlergehen der bayerischen Bevölkerung, der Franken und seiner eigenen Familie gebetet. Während der Kiliani-Wallfahrtswoche gibt es täglich Gottesdienste für sämtliche Dekanate im Bistum, aber auch für spezielle Zielgruppen, wie Kindergartenkinder, Haupt- und Ehrenamtliche, Musiker, Jugendliche und Arbeitnehmer.

Die jeweiligen Gruppen wechseln jedes Jahr. So wurde am Montag erstmals der Wallfahrtstag der Kommunionkinder gefeiert - rund 1.000 nahmen daran teil. Für Ehejubilare gab es wegen des großen Andrangs gar schon vor der Wallfahrtswoche Gottesdienste mit dem Bischof. Insgesamt 4.000 Menschen nahmen an den Messen für Silber- und Goldpaare sowie für 60 und 65 Jahre Ehe teil.

Mehrere Jubiläen werden dieses Jahr gefeiert

Am Dienstag ist der eigentliche Gedenktag der drei irischen Märtyrer. Rund um den heiligen Kilian werden dieses Jahr zwei Jubiläen gefeiert: 1325 Jahre Kiliansgrab und 825 Jahre Kiliansdom. Führungen durch die Bischofskirche gibt es jeden Tag um 12.30 Uhr. Ein weiteres Jubiläum soll dann bei der großen Abschlussmesse am Sonntag begangen werden: 25 Jahre Partnerschaft mit dem tansanischen Bistum Mbinga. Gefeiert wird mit dem Altbischof der afrikanischen Diözese, Emmanuel Mapunda, sowie mit einem Familiengottesdienst samt anschließendem Fest.

Bischof Hofmann sieht einen Zusammenhang zwischen den Diözesanpartnerschaften mit Mbinga und seit kurzem auch mit Obidos in Brasilien und den Bistumspatronen. Die Partnerschaften seien ein Beispiel der gelebten Gemeinschaft, wie sie Kilian und seine Gefährten aufgezeigt hätten, so der Oberhirte.

Von Agathe Lukassek

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