Vatikan

Die Heilung der Floribeth M. Diaz

Zweites Wunder bringt Johannes Paul II. zur Heiligkeit

Vatikanstadt - 18.07.2013

Die Ärzte hatten sie aufgegeben - auf Fürsprache des seligen Johannes Paul II. (1978-2005) wurde sie wieder gesund. Der Vatikan erkannte die medizinisch unerklärliche Heilung der Costa-Ricanerin Floribeth Mora Diaz (56) offiziell als das zweite Wunder an, das durch den polnischen Papst erfolgt sei.

Das Dekret von Papst Franziskus vom 5. Juli war die vorletzte Etappe auf dem Weg zur höchsten Kirchenehrung, die dem Wojtyla-Papst vermutlich gleichzeitig mit seinem Vorvorgänger Johannes XXIII. (1958-1963) zuteilwerden dürfte. Über einen Termin muss ein Konsistorium der Kardinäle entscheiden, das im September oder Anfang Oktober einberufen wird.

Medizinisch nichts mehr zu machen

Einzelheiten der mittelamerikanischen Wunderheilung berichtete jetzt die italienische Wochenzeitschrift "Credere". Demnach spürte die Mutter von vier Kindern aus Cartago nahe der Hauptstadt San Jose am Morgen des 8. April 2011 plötzlich heftige Kopfschmerzen. Die Notaufnahme auf der Intensivstation der Calderon-Guardia-Klink brachte sechs Tage später eine niederschmetternde Diagnose: ein Aneurysma, eine Gefäßerweiterung im Gehirn. Medizinisch gab es praktisch nichts mehr zu tun. Nach einigen Tagen der Pflege empfahlen die Ärzte dem Ehemann, seine Frau nach Hause zu nehmen.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um Wunder und ihre Bedeutung im christlichen Glauben.  katholisch.de

"Ich war verzweifelt. Ich wandte mich inständig an die Fürsprache von Johannes Paul II.", zitiert "Credere" die Patientin. Es waren die Tage der Seligsprechung des polnischen Papstes. Die Zeremonie im Vatikan begann am Vormittag des 1. Mai 2011, als es in Costa Rica noch zwei Uhr nachts war. "Floribeth, betäubt von Medikamenten, betete darum, während der Feier wach zu bleiben. Vom Bett auf verfolgte sie die Messe auf einem TV-Schirm", so der Bericht. Über dem Gerät war ein Foto des Wojtyla-Papstes befestigt, das ihn am Tag seiner Wahl mit ausgebreiteten Armen zeigte.

"Zu Beginn der Messe wandte ich mich, den Blick auf das Papstbild fixiert, an ihn: 'Tritt bei Gott für mich ein, damit ich nicht sterben muss, und hilf mir, gesund zu werden'", so ihr Bericht laut "Credere". "Ich blieb die ganze Messe über wach, am Ende bin ich dann eingeschlafen". Als sie nach sieben Stunden aufwachte, habe sie im Inneren seine Stimme gehört: "Steh auf, hab keine Angst". Sie habe sich sofort gesund gefühlt und sei - zum Erstaunen ihres Mannes - aufgestanden. Seither habe sei keine Störungen mehr gespürt. Zwei Kernspin-Untersuchungen im November 2011 und im Mai 2012 hätten gezeigt, dass das Aneurysma völlig verschwunden und die Gefäßstruktur wieder normal geworden sei, so "Credere".

Eine Frage der Zeit

Die Gesundung der Costa-Ricanerin Floribeth Mora Diaz wurde zunächst von einer Medizinerkommission als wissenschaftlich (bislang) unerklärliche Heilung anerkannt , dann von einer Theologengruppe und schließlich von der Kardinalsversammlung der Heiligsprechungskongregation. Papst Franziskus machte sich deren Votum zu eigen und bestätigte in einem Dekret das Wunder. Es ist die zweite Wunderheilung auf Fürsprache von Johannes Paul II. Die plötzlich Gesundung der französischen Ordensfrau Marie Simon-Piere Normand bildete die letzte Voraussetzung für dessen Seligsprechung im Mai 2011.

„Ich war verzweifelt. Ich wandte mich inständig an die Fürsprache von Johannes Paul II.“

Floribeth Mora Diaz

Als Termin für die Heiligsprechung Johannes Pauls II. wird derzeit immer wieder der 8. Dezember genannt, das kirchliche Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Allerdings werden auch Bedenken laut, ob eine Zeremonie, die angesichts der zu erwartenden Menschenmassen im Freien stattfinden muss, zu jener klimatisch unsicheren Jahreszeit zweckmäßig wäre; ob die Festmesse, zu der Hunderttausende, wenn nicht eine Million Menschen vor allem aus Polen und Italien erwartet werden, nicht besser im späten Frühjahr oder im Frühherbst stattfinden sollte. Die Entscheidung liegt freilich beim Papst - und der sorgt ja immer wieder für Überraschungen .

Von Johannes Schidelko (KNA)

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