Die Präsidentenmacher

Am Dienstag treffen die Wähler in den USA eine Entscheidung mit Konsequenzen für die ganze Welt. Hatte der Präsidentschaftswahlkampf als Topthema für einige Tage dem Hurrikan Sandy weichen müssen, stehen Amerika nun ein letzte wahlkampfintensive Tage bevor.

US-Wahl | Washington - 05.11.2012

Am Dienstag treffen die Wähler in den USA eine Entscheidung mit Konsequenzen für die ganze Welt. Hatte der Präsidentschaftswahlkampf als Topthema für einige Tage dem Hurrikan Sandy weichen müssen, stehen Amerika nun ein letzte wahlkampfintensive Tage bevor.

Die Bemühungen beider Lager gelten den "Swing States", jenen Staaten, die zuletzt mal in die eine und mal in die andere Richtung tendierten und die Wahl entscheiden können. In Florida und Ohio, aber auch Wisconsin, Heimatstaat des katholischen Republikaner-Kandidaten für die Vizepräsidentschaft, Paul Ryan, haben die Stimmen der Christen ein nicht unerhebliches Gewicht.

Vor allem Protestanten an der Spitze des Staates

Lange Zeit sah es so aus, als könnte seine Religionszugehörigkeit ein Problem für Mitt Romney werden. Nicht überall in der US-amerikanischen Gesellschaft waren die "Heiligen der Letzten Tage", die Mormonen, denen Romney angehört, wohlgelitten. Doch inzwischen scheint es, als hätten sich auch religiös Konservative mit seinem Mormonentum abgefunden. Und die vollständige Mobilisierung dieses Wählersegmentes braucht Romney, will er gegen Amtsinhaber Barack Obama gewinnen.

Ein Blick auf die religionsgeschichtliche Seite der US-Präsidentschaft kann ihm allerdings kaum Mut machen. Denn die religiöse Vielfalt des Landes findet im höchsten Staatsamt keine Entsprechung. Fast alle der bisherigen 43 Präsidenten waren Mitglieder protestantischer Kirchen im weiteren Sinne. Die stärkste Gruppe stellen die Anglikaner, die in den USA als Episkopalkirche bezeichnet wird. Am zweithäufigsten zogen Presbyterianer ins Weiße Haus ein - achtmal, unter ihnen Ronald Reagan (1981-1989) und Dwight D. Eisenhower (1953-1961).

Beim derzeitigen Amtsinhaber Barack Obama ist eine genaue Zuordnung schwierig. Seit seinem Einzug ins Weiße Haus hat er zusammen mit seiner Frau und seinen Töchtern verschiedene Kirchen zum Gottesdienst aufgesucht. Rechtsausleger im religiös-fundamentalistischen Lager des amerikanischen Konservatismus werfen ihm gar vor, Muslim zu sein.

Katholisches Votum könnte mitentscheiden

Der einizge katholische US-Präsident war der legendäre John F. Kennedy. Dennoch: Die entscheidende Bedeutung des katholischen Votums ist unzweifelhaft. Denn Katholiken stellen ein Viertel der Wähler und beteiligen sich in höherem Maße an der Wahl als Nicht-Katholiken. Als Block wählen sie freilich nicht; dies geschah nur einmal, 1960 zugunsten Kennedys. Mitt Romney indes ist nicht JFK. Immerhin: Von neun jüngsten Umfragen unter katholischen Wählern liegt Romney in sieben und Obama in zwei vorn - jeweils sehr knapp. Vor vier Jahren gewann Obama 54 Prozent der katholischen Stimmen - und das, obwohl seine Position zu Abtreibung bekannt war.

Immerhin können Amerikas Katholiken am Dienstag im Bewusstsein zur Wahl gehen, dass ihre "katholischen Stimmen" meist auf der Siegerseite stehen. Von den letzten zehn Präsidentschaftswahlen gingen neun zugunsten jenes Kandidaten aus, der die Mehrheit der katholischen Stimmen erhielt. Einzige Ausnahme war Al Gore im Jahr 2000, der bei den Katholiken mehr Sympathien hatte als sein Rivale George W. Bush. Damals kam es indes letztlich auf nur neun Stimmen an - jene der Obersten Bundesrichter. Dass dem Land ein solches Desaster diesmal erspart bleiben möge, dafür beten patriotische Amerikaner aller Glaubensrichtungen.

Von Ronald Gerste

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