Die Vielfalt von Familie

"Hören! Was Familien sagen" - unter diesem Motto wollten die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK mehr über die unterschiedlichen familiären Situationen erfahren. Am Ende war die Veranstaltung ausgebucht. Die Menschen wollten reden.

Familiensynode | Bonn/Berlin - 19.06.2015

Am Ende war Bischof Heiner Koch beeindruckt. Sechs Stunden lang hatten ihm Menschen von ihrer familiären Situation berichtet. Die reichten von einem unverheirateten Paar mit drei Kindern über einen wiederverheiratet Geschiedenen bis hin zu einem homosexuellen Mann, dem sein Coming-out vor seiner katholischen Familie besonders schwer fiel. Unter dem Motto "Hören! Was Familien sagen" hatte die Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Familien eingeladen, von ihrem Leben zu erzählen.

"Die Aufgabe der Kirche ist es, Menschen auf ihrem persönlichen Weg durch das Leben zu begleiten", hieß es in der Einladung zur Veranstaltung in Berlin. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müsse sie hören, verstehen, und sich selbstkritisch hinterfragen, heißt es in einer Mitteilung von DBK und ZdK. Und das wollten die Menschen offensichtlich in Anspruch nehmen: Rund 150 kamen nach Berlin – damit war die Veranstaltung ausgebucht.

Entstanden ist die Idee zur Tagung mit Blick auf die XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode über Ehe und Familie im Herbst im Vatikan. Zudem soll "Hören! Was Familien sagen" als Vorbereitung für ein Wort der deutschen Bischöfe zu Ehe und Familie dienen. Auch das ZdK steckt mitten in einem Beratungsprozess zum Thema.

Bischof Heiner Koch bei einer Pressekonferenz
Bischof Heiner Koch, Vorsitzender der Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, war beeindruckt von den Glaubenszeugnissen der Teilnehmer auf der Veranstaltung "Hören! Was Familien sagen".
 Markus Kremser/katholisch.de

Bei der Veranstaltung hatten die Teilnehmer auch die Möglichkeit, Wünsche an die Kirche äußern. Man dürfe die kinderreichen Familien nicht vergessen, die nach einem klassischen Rollenmodell lebten, hieß es aus dem Plenum. Die Bischöfe sollten in ihrem Wort den Beitrag der Ehe zu einem gelingenden Leben würdigen. Ortskirche und Gemeinden sollten die Vielfalt von Familien bewusst wahrnehmen. Auch die Forderung nach einer stärkeren Anerkennung dessen, was täglich in Familien geleistet werde, wurde laut.

Die vorgetragenen Glaubenszeugnisse hätten ihn beeindruckt, so Koch am Ende des Tages. Mit Blick auf das geplante Wort der Bischöfe zum Thema Ehe und Familie betonte er, dass es "entgegengesetzte Erwartungen" gebe. "Wir müssen uns aber auch fragen, was das Sakrament und das kirchliche Verständnis von Ehe ist", ergänzte er. Das sei nur im Zusammenhang mit Fragen der Berufung und der Nachfolge verständlich. Um die Wichtigkeit eines Dialogs wisse er, so Koch. "Wir müssen weiter im Gespräch bleiben und weiter ringen, in guten Gesprächen und kontroversen Debatten." Dabei zähle der Wert jedes Einzelnen: "Es geht nicht um eine losgelöste Sexualität, sondern um den Menschen und die in seine Persönlichkeit integrierte Sexualität."

Zufrieden mit den Ergebnissen der Veranstaltung war auch ZdK-Präsident Alois Glück. "Ich habe noch keine Veranstaltung erlebt, in der Menschen sich so geöffnet haben und wo nicht über Positionen, sondern über das eigene Leben gesprochen wird", sagte er. Menschen mit den verschiedensten Lebensformen müssten von der Kirche angesprochen werden. Um modern oder konservativ gehen es dabei nicht: "Wir müssen den Menschen vermitteln, wie wichtig Werte und Verbindlichkeit für ein gelingendes Leben sind." Oft stünden Familien heute vor schwierigen Situationen, so Glück. Trotz aller Debatten sei eines daher besonders wichtig: "Dass wir uns in den politischen Prozess um den besonderen Schutz von Ehe und Familie einbringen."

Linktipp: Themenseite zur Familiensynode

Theorie trifft Praxis: Über zwei Jahre beraten Bischöfe und Laien im Vatikan über die "pastoralen Herausforderungen der Familie". Das ist ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften

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Von Sophia Michalzik

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