"Dort, wo die Menschen sind"

Das Jahr des Glaubens neigt sich dem Ende entgegen - auch im Erzbistum München und Freising. Doch vorher steht noch ein Höhepunkt auf dem Programm: das letzte von sechs Glaubensgesprächen mit Kardinal Reinhard Marx am Samstag (ab 14 Uhr im katholisch.de-Livestream) . Worum es dabei gehen wird und was das Apostolische Glaubensbekenntnis damit zu tun hat, erklärt Gabriele Rüttiger, Ressortleiterin für Grundsatzfragen und Strategie im Erzbischöflichen Ordinariat. Sie hat das Jahr des Glaubens im Erzbistum koordiniert.

Jahr des Glaubens | Bonn - 09.11.2013

Das Jahr des Glaubens neigt sich dem Ende entgegen - auch im Erzbistum München und Freising. Doch vorher steht noch ein Höhepunkt auf dem Programm: das letzte von sechs Glaubensgesprächen mit Kardinal Reinhard Marx am Samstag (ab 14 Uhr im katholisch.de-Livestream) . Worum es dabei gehen wird und was das Apostolische Glaubensbekenntnis damit zu tun hat, erklärt Gabriele Rüttiger, Ressortleiterin für Grundsatzfragen und Strategie im Erzbischöflichen Ordinariat. Sie hat das Jahr des Glaubens im Erzbistum koordiniert.

Frage: Frau Rüttiger, was zeichnet das Jahr des Glaubens speziell im Erzbistum München und Freising aus?

Rüttiger: Es gibt eine große Vielfalt von Angeboten in unseren Pfarreien, Verbänden, Gemeinschaften: Gottesdienste, Gespräche über den Glauben, Bildungsveranstaltungen, Begegnungsangebote, eine Mitmachaktion. Viele verschiedene Gruppen beteiligen sich und versuchen, den Menschen Anregungen zu einer Auseinandersetzung mit ihrem Glauben zu bieten. Herausragend sind sicher die von Kardinal Reinhard Marx angebotenen Glaubensgespräche. Sie sollten nicht an einem zentralen Ort, etwa im Münchner Liebfrauendom, stattfinden, sondern in den unterschiedlichen Regionen der Erzdiözese, eben dort, wo die Menschen sind. So ist die Idee entstanden, an sechs verschiedenen Orten mit sechs verschiedenen Personengruppen zu sprechen. Alle sechs Glaubensgespräche tragen die Überschrift "Credo", also das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Frage: Die Glaubensgespräche mit Kardinal Marx stehen also im Mittelpunkt. Können Sie einen kurzen Abriss über die bisherigen fünf Gespräche geben?

Rüttiger: Ausgangspunkt ist der Satz "Ich glaube…". Wir haben den Gesprächen dann jeweils Schwerpunkte zugeordnet: "Ich glaube an Gott", "…an Jesus Christus", "…an den Heiligen Geist", "…an die Kirche", "…an die Vergebung der Sünden", und am kommenden Samstag: "Ich glaube an die Auferstehung". Es war uns wichtig, den gesamten Spannungsbogen des Credos aufzugreifen. Bei den Personengruppen haben wir mit Schülerinnen einer diözesanen Schule in München angefangen, waren dann in der Muffathalle mitten in der Münchner Kulturszene, später mit Firmlingen auf dem Chiemsee und mit jungen Erwachsenen in den Berchtesgadener Bergen unterwegs. Das waren natürlich besondere Herausforderungen, die Glaubensgespräche mit jungen Menschen, die Szenarien, in denen man Kirche zunächst nicht vermutet.

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Mehr als 400 Jugendliche haben mit Kardinal Reinhard Marx auf dem Chiemsee und der Fraueninsel ein Glaubensgespräch geführt.
 Sankt Michaelsbund

Frage: Sie haben schon kurz das Thema der kommenden und zugleich letzten Veranstaltung, nämlich die Auferstehung, angesprochen. Worum wird es am Samstag genau gehen?

Rüttiger: Zielgruppe des Gesprächs werden junge Familien sein. Bei Workshops in Schulen haben sich Kinder bereits mit dem Thema "Tod und Auferstehung" auseinandergesetzt und Bilder dazu gemalt. Die werden am Samstag in einer Vernissage gezeigt. Das Glaubensgespräch beginnt mit drei Statements inklusive Fragen zum Thema, die von Anwesenden vorgebracht werden: von der Leiterin der Grundschule, in der wir zu Gast sind, von einem Familienvater und dem neunjährigen Lucas. Diese Aussagen fließen auch in die anschließende Katechese des Kardinals mit ein. Danach findet eine Dialogphase statt: erst tauschen sich die Teilnehmer untereinander aus, dann mit Kardinal Marx. Zum Abschluss sprechen wir miteinander das Glaubensbekenntnis. Und nach dem allgemeinen Segen besteht die Möglichkeit, dass sich die Kinder vom Kardinal persönlich segnen lassen.

Frage: Zum Dialog über den Glauben bedarf es eines gewissen Grundverständnisses. Wie viel Wissen über den eigenen Glauben kann man heute aber noch voraussetzen?

Rüttiger: Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt natürlich darauf an, wer an diesen Glaubensgesprächen teilnimmt. Von den Teilnehmern wird meist das vorgebracht, was mit ihrem Leben ganz konkret zu tun hat. Bei der Veranstaltung zum Thema "Ich glaube an die Vergebung der Sünden" war gerade die Handreichung zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Erzdiözese Freiburg erschienen, da spielte dieses Thema natürlich eine Rolle. Es gibt Überlegungen, die Glaubensgespräche weiterzuführen und dabei auch neue Themen aufzugreifen. Die Menschen sollen merken: "Hoppla, das hat ja direkt mit meinem Glauben und meinem Leben zu tun." Am Samstag wird das vielleicht noch einmal leichter sein als bei den Veranstaltungen zuvor, da wir alle Erfahrungen mit dem Tod machen. Es ist ein sehr existenzielles Thema.

Frage: Alle Veranstaltungen liefen unter der Formel "Ich glaube…" Was bedeutet dieses "Ich glaube…" für Sie persönlich?

Rüttiger: Mein Glaube bietet mir immer wieder Orientierung im Alltag und zeigt mir, auf was es im Leben wirklich ankommt. Ich möchte mein Leben und die Art und Weise, wie ich es gestalte, vor Gott verantworten können. Mein Glaube ist für mich der tragende Grund in meinem Leben.

Das Interview führte Björn Odendahl

Jahr des Glaubens

Am 16. Oktober 2011 hatte Papst Benedikt mit einem Motu Proprio ein "Jahr des Glaubens" ausgerufen. Er schrieb: "Die 'Tür des Glaubens' (vgl. Apg 14,27), die in das Leben der Gemeinschaft mit Gott führt, steht uns immer offen…" Der Papst ermutigte dazu, "den Weg des Glaubens wiederzuentdecken, um die Freude und die erneuerte Begeisterung der Begegnung mit Christus immer deutlicher zutage treten zu lassen" und so der tiefen Glaubenskrise in der modernen Gesellschaft entgegenzuwirken. Auftakt war der 11. Oktober 2012, der 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, seinen Abschluss findet das Jahr am Christkönigssonntag, dem 24. November 2013. In diesem Zeitraum fanden und finden weltweit zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter auch die Katechesen mit Kardinal Marx im Erzbistum München und Freising.

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