Sedisvakanz

Ein Dutzend Papstwähler fehlt noch

142 Kardinäle nahmen an erster Generalkongregation teil

Vatikanstadt/Bonn - 04.03.2013

Die Vorbereitungen zur Papstwahl haben begonnen: Die Kardinäle kamen am Montagmorgen zu ihrer ersten Generalkongregation zusammen. Gegen 12.30 Uhr endete die erste Konferenz des in Rom anwesenden Kirchensenats. Eine Entscheidung über den Beginn der Papstwahl wurde noch nicht getroffen.

Kardinaldekan Angelo Sodano (85) eröffnete die Generalkongregation mit dem traditionellen Gebet "Veni Sancte Spiritus" (Komm Heiliger Geist). An der Konferenz nahmen 142 Kardinäle teil, darunter 103 zur Papstwahl Berechtigte. Damit fehlte noch ein Dutzend der wahlberechtigten 115, die unter 80 Jahre Jahre alt sind.

Keine freie Platzwahl

Neben dem Dekan des Heiligen Kollegiums nahm der Camerlengo , Kardinal Tarcisio Bertone (78), am Präsidiumstisch Platz. Die Kardinäle hatten genau zugewiesene Plätze, gemäß der Reihenfolge der drei Kardinalsklassen und dem Ernennungsdatum, wie Vatikansprecher Federico Lombardi bei seinem täglichen Medienbriefing erklärte.

Nach dem Rücktritt von Benedikt XVI . muss die Wahl seines Nachfolgers spätestens zwischen dem 15. und 20. März beginnen. Sie kann vorgezogen werden, wenn die Kardinäle dies mehrheitlich wollen und alle Wahlberechtigten in Rom sind. Dies hatte Papst Benedikt XVI. als eine seiner letzten Amtshandlungen verfügt.

Grußbotschaft für den emeritierten Papst

Kardinaldekan Sodano kündigte an, dass am Montagnachmittag die erste der zwei vorgesehenen Meditationen für die Kardinäle gehalten werde. Den Vortrag werde der Prediger des Päpstlichen Hauses, Pater Raniero Cantalamessa (78), halten. Die zweite Meditation ist laut Statut für den Beginn des Konklaves vorgesehen. Die Kardinäle kamen in der ersten Sitzung überein, eine Grußbotschaft für den emeritieren Papst Benedikt XVI. vorzubereiten.

Die erste Kongregation sei in einer gelassenen, herzlichen und konstruktiven Weise verlaufen, berichtete Vatikansprecher Lombardi. Nach einer kurzen Einführung durch Sodano leisteten die Kardinäle mit der Hand auf der Bibel ihren lateinischen Eid zur Geheimhaltung und Beachtung der Wahlnormen.

Wahl, Kaffeepause und Aussprache

Danach wurden die drei Kardinalassistenten gewählt, die den Camerlengo für die kommenden drei Tage unterstützen werden. Ausgewählt wurden aus der Klasse der Kardinalbischöfe Giovanni Battista Re (79), für die Kardinalpriester Crescenzio Sepe (69) und für die Kardinaldiakone Franc Rode (78).

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Begriff Konklave, die Papstwahl.  katholisch.de

Nach einer kurzen Kaffeepause begann die Aussprache. 13 Kardinäle hätten dabei in kurzen Statements das Wort ergriffen, teilte Lombardi mit. Die Beratungen der Kardinäle werden synchron in fünf Sprachen übersetzt: Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch.

Ankunft mit Chauffeur oder zu Fuß

Die Kardinäle waren unter den Augen vieler Schaulustiger und Medienvertreter am Montagmorgen kurz nach 9 Uhr an der vatikanischen Audienzhalle eingetroffen. Die meisten Würdenträger ließen sich von den Priesterkollegien, in denen sie untergebracht sind, oder von den Botschaften ihrer Länder chauffieren. Viele, wie etwa der Münchener Kardinal Reinhard Marx, trafen aber auch zu Fuß am Eingang zum Vatikanstaat ein.

Die beiden deutschen Kardinäle Marx (59) und Walter Kasper (79) kamen in kleinen Gruppen an, andere einzeln. Auch Kurienkardinal Paul Josef Cordes (78) war in der neuen vatikanischen Synodenaula anwesend; die Kardinäle von Mainz, Köln und Berlin, Karl Lehmann (76), Joachim Meisner (79) und Rainer Maria Woelki (56) werden in Kürze in Rom erwartet.

Nähere Angaben zu Inhalt und Verlauf des ersten Gesprächs wollte am Mittag keiner der Kardinäle machen. Die meisten gingen wortlos an den wartenden Journalisten vorüber, als sie die vatikanische Synodenaula zur Pause verließen. Einige wenige machten allgemeine Angaben zur Tagesordnung oder verwiesen auf das vatikanische Presseamt. Vor den versammelten Journalisten wollte sich kein Kardinal äußern.

Falscher Bischof sorgt für Gelächter

Für einen Zwischenfall sorgte ein falscher Bischof, der sich für einige Zeit auf dem Vatikan-Gelände unter die Kardinäle gemischt hatte: Der Mann, angeblich ein Australier, trug einen zu kurzen Talar, eine unübliche Kette mit Kruzifix und statt der Schärpe einen violetten Schal, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Demnach fiel er schließlich auf dem Platz vor dem Tagungsort unter den mehr als 100 Kardinälen auf. Er wurde daraufhin unter dem Gelächter wartender Journalisten des Vatikan-Geländes verwiesen. (luk/KNA/dpa)

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