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Ein Priester bricht das Schweigen

Stefan Hartmann (59), seit 2001 katholischer Pfarrer im fränkischen Oberhaid, will sich am heutigen Freitag öffentlich zu seiner erwachsenen Tochter bekennen. Das kündigt der SWR auf seiner Internetseite an und verweist auf die Talkshow "Nachtcafe" um 22.00 Uhr. Als Gast der Sendung wolle Hartmann berichten, "dass er unendlich froh über diese großartige Tochter-Freundin und stolz auf sie ist".

Zölibat | Oberhaid/Ludwigsburg - 10.01.2014

Stefan Hartmann (59), seit 2001 katholischer Pfarrer im fränkischen Oberhaid, will sich am heutigen Freitag öffentlich zu seiner erwachsenen Tochter bekennen. Das kündigt der SWR auf seiner Internetseite an und verweist auf die Talkshow "Nachtcafe" um 22.00 Uhr. Als Gast der Sendung wolle Hartmann berichten, "dass er unendlich froh über diese großartige Tochter-Freundin und stolz auf sie ist".

Über den promovierten Theologen heißt es in der SWR-Mitteilung weiter, er habe über Jahre sein Kind verleugnet, um seine Kirchenkarriere nicht zu riskieren. "Das lange Schweigen war feige und ist durch nichts gut zu machen", wird der Geistliche zitiert. Heute diene er der Kirche noch immer, bekenne sich aber offen zu einer Lebenslüge, für die er um Verzeihung bitte.

Zu dem Schritt an die Öffentlichkeit habe ihn Papst Franziskus ermutigt, so Hartmann. Außerdem gehe es ihm um eine sachliche Diskussion über die Verpflichtung zum Zölibat für Weltpriester. Der Papst habe sich nicht in die Einsamkeit des Apostolischen Palastes begeben wollen, "die sicher so hart sein kann wie die Einsamkeit von oft zu großen Pfarrhäusern", betont der Priester.

Erzdiözese Bamberg ist informiert

Der Pfarrer hebt hervor, den Sinn des zölibatären Lebens vieler Priester und Ordensleute nicht infrage stellen zu wollen. Die Leitung der Erzdiözese Bamberg sei über die Situation des Priesters informiert, teilte deren Pressestelle auf Anfrage mit. Disziplinarische Konsequenzen müsse dieser aktuell nicht befürchten.

Hartmann wurde 1954 in Oberhausen geboren. Nach dem Studium der Psychologie, Philosophie und Theologie empfing er 1982 in Trier die Priesterweihe. Er war unter anderem Kur- und Klinikseelsorger in Bad Säckingen sowie Universitätsseelsorger an der Katholischen Hochschulgemeinde Wien. Seit September 2001 ist er im Erzbistum Bamberg tätig. (KNA)

Stichwort Zölibat

Aus dem Lateinischen caelebs = "ehelos": die aus religiösen Gründen gewählte Ehelosigkeit, in der lateinischen Kirche für alle Priester verpflichtend. Diese Verpflichtung übernehmen Priester aus freier Entscheidung; sie ist Ausdruck eines ungeteilten Dienstes für Gott und die Menschen. Im katholischen Kirchenrecht heißt es dazu: "Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Amtsträger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können" (can. 277). Aus der Bibel lässt sich der Zölibat nicht direkt ableiten. Erst 1139 wurde die Zölibatsverpflichtung zum Kirchengesetz. Ausgenommen von der Zölibatsverpflichtung sind verheiratete Pastoren anderer christlicher Gemeinschaften, die konvertieren. Sie dürfen als Priester ihre Ehe fortsetzen. Quelle: Manfred Becker-Huberti/Ulrich Lota | © Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010

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