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Ein Schrein für drei Könige

- 07.01.2015

Der wichtigste Ort für die Verehrung der Heiligen Drei Könige in Deutschland ist der Kölner Dom. Dort steht der Schrein, in dem Knochen aufbewahrt werden, die wohl zu den Weisen aus dem Morgenland gehören. Groß, golden und prunkvoll verziert steht der Schrein hinter dem Altar in einer gläsernen Vitrine, und sein Inhalt hat einen langen Weg hinter sich, bevor er ins Rheinland kam.

Von Konstantinopel über Mailand nach Köln

Die Heilige Helena, die von ungefähr 250 bis 330 nach Christus lebte, hatte viele Reliquien - zum Beispiel Knochen, Haare oder Kleidungsstücke - von Heiligen und Märtyrern gefunden. Darunter waren auch die Knochen der Heiligen Drei Könige. Sie brachte diese mit in ihre Heimatstadt Konstantinopel, ein prachtvoller Ort, der heute Istanbul heißt und in der Türkei liegt.

Ihr Sohn, Kaiser Konstantin, schenkte die Knochen in der Mitte des 4. Jahrhunderts dem Bischof Eustorigus von Mailand. Dort wurden sie in einer Kirche beigesetzt. Gut 700 Jahre später herrschte Kaiser Friedrich Barbarossa, aber die Mailänder wollten nicht seine Untertanen sein. Deshalb zog der Kaiser mit einem Heer im Jahr nach Mailand und belagerte im Jahr 1161 die Stadt, bis die Bevölkerung nichts mehr zu essen hatte. Mit dabei war auch Rainhard von Dassel, der Erzbischof von Köln war.

Drei Könige im Tausch gegen einen Bürgermeister

Um die Einnahme der Stadt rankt sich eine Geschichte: In dieser verteidigte der Bürgermeister von Mailand die Stadt so geschickt, dass Kaiser Friedrich ihn nach der Eroberung der Stadt töten wollte. Die Schwester des Bürgermeisters war Nonne und leitete ein Kloster, in dem die Knochen der Heiligen Drei Könige aufbewahrt wurden. Als Rainhard das herausfand, verhandelte er heimlich mit ihr: Sie bot ihm die Knochen an, wenn er den Bürgermeister vor dem Tode bewahrte.

Rainhard dachte sich eine List aus: Er half dem König dabei, die Stadt zu erstürmen. Als Lohn wollte er aber nur das, was die Nonne auf ihrem Rücken aus der Stadt hinaustragen konnte. Der König stimmte verwundert zu – und ärgerte sich umso mehr, als er sah, dass die Ordensfrau ihren Bruder - den Bürgermeister - auf dem Rücken davon trug. Rainhard nahm sich die Knochen der Heiligen Drei Könige und brachte sie nach Köln.

Der Kölner Dom vom Rhein aus gesehen.  xurzon/Fotolia.com

Eine Kirche im Dom

Dort schuf der damals sehr berühmte Künstler Nikolaus von Verdun für die Heiligtümer einen großen Schrein aus Gold mit vielen Edelsteinen. Er sieht aus wie eine kleine Kirche und zeigt unter anderem die Geschichte der Heiligen Drei Könige, die wir aus der Bibel kennen, außerdem Szenen aus der Ostergeschichte und Abbildungen von Jesus, Propheten, Aposteln und vielen anderen Gestalten. Dieser Schrein gilt als die größte Goldschmiedearbeit des Mittelalters in Europa und ist, ganz nebenbei, sogar älter als der Kölner Dom, wie er heute ist. Der wurde nämlich unter anderem deshalb gebaut, weil man den Reliquien ein würdiges Zuhause geben wollte.

Mehr als drei Heilige

Jedes Jahr pilgern viele tausend Menschen zum Kölner Dom, um den Heiligen Drei Königen ganz nahe zu sein. Der Schrein wird ganz selten geöffnet: Das letzte Mal war im Jahr 1864, genau 700 Jahre nach der Ankunft der Knochen in Köln. Die Heiligen Drei Könige liegen übrigens nicht alleine darin: Dort liegen auch Knochenteile von Felix und Nabor, die damals zusammen mit Jesus Christus gekreuzigt wurden, und vom Heiligen Gregor von Spoleto, der zur Zeit der Christenverfolgung Anfang des 4. Jahrhunderts starb.

Von Stefan Knopp

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