Erzbistum Köln

"Eine heile, katholische Welt"

Kardinal Rainer Maria Woelki auf Heimatbesuch in Köln-Mülheim

Köln - 18.09.2014

Köln-Mülheim - das klingt nach Arbeitslosigkeit, nach Armut, nach Problemen. Der Stadtteil im äußersten Kölner Norden, von dem es im Behördendeutsch heißt, er sei durch "starke wirtschaftliche Umbrüche und soziokulturelle Problemlagen" gekennzeichnet, gilt weit über Köln hinaus als sozialer Brennpunkt, an dem man das Scheitern der Integrations- und Sozialpolitik besichtigen kann.

Köln-Mülheim - für Kardinal Rainer Maria Woelki klingt das ganz anders. Der künftige Kölner Erzbischof ist hier geboren und aufgewachsen, Mülheim ist seine Heimat. Und dass er diese Heimat nicht verleugnet, machte Woelki am Mittwochnachmittag deutlich. Drei Tage vor seiner offiziellen Amtseinführung im Kölner Dom ( Livestream bei katholisch.de ) lud der 58-Jährige zur Pressekonferenz in den Stadtteil - und damit mindestens geografisch an den unter Papst Franziskus so oft beschworenen Rand.

Zurück an seinen persönlichen Wurzeln erzählt Woelki im Pfarrsaal der Gemeinde St. Bruder Klaus in warmen Farben von seiner Kindheit und Jugend. Das Mülheim der 1960er Jahre nennt er "eine heile, katholische Welt"; er sei dankbar, hier aufgewachsen zu sein. "Das hat mich geprägt", bekennt er.

Bei der Tour durch sein frühes Leben greift Woelki immer wieder auch auf Stichworte von Freunden und Bekannten zurück. Die sind an diesem Nachmittag zahlreich in den Pfarrsaal gekommen, um "ihren" Rainer zu Hause willkommen zu heißen. Woelki erzählt vom Garten seines Großvaters, von Ziegen, Hühnern und Kaninchen. Er erzählt von Ausflügen mit dem Dreirad, vom Fußballspiel auf dem Kirchhof, von Seifenkisten-Rennen. Vor den Augen seiner Zuhörer entsteht das Bild einer unbeschwerten Kindheit im Nachkriegs-Deutschland.

120 Kinder bei der Erstkommunion

An dieser "heilen Welt", das macht Woelki deutlich, hat die Kirche einen wesentlichen Anteil. Woelki, dessen Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen in das Rheinland geflohen waren, wird in einem zutiefst katholischen Umfeld von Anfang an katholisch sozialisiert. Der christliche Glaube ist selbstverständlicher Teil seiner Kindheit und seiner Umgebung. 120 Kinder seien sie damals bei der Erstkommunion gewesen, 180 später bei den Ministranten, erzählt er. Nach der Firmung wird Woelki in der katholischen Jugendarbeit aktiv. Auch hier malt er ein fast schon romantisches Bild von Zeltlagern mit Schnitzeljagden und Nachtwachen ("Da hatte man als kleiner Junge immer Angst im Dunkeln").

Woelki ruft an diesem Nachmittag das Bild einer weitgehend untergegangenen Epoche des Glaubenslebens in Erinnerung, in der Kirche noch selbstverständliche Heimat war. Doch dahin zurück, das macht er deutlich, will er nicht - wohl weil er weiß, dass dies ohnehin eine Illusion wäre. "2014 ist nicht 1960. Die Vermittlung des Evangeliums funktioniert heute anders als vor 50 Jahren. Die damaligen Zeiten lassen sich nicht wiederholen", sagt er. Umso wichtiger sei es, die Lebenssituation der heutigen Menschen genau in den Blick zu nehmen.

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Kardinal Woelki wird neuer Erzbischof von Köln. Die meisten Kölner äußern sich positiv über diese Nachricht. Nur die Berliner haben das Nachsehen.  

Vor allem um die Jugend will sich Woelki als Kölner Erzbischof bemühen. Sein Ziel: "Die Jugendlichen sollen mit dem Evangelium in Berührung kommen und ihr Christsein entdecken." Aus dem Evangelium heraus müsse den jungen Menschen eine Antwort gegeben werden, die ihre Lebenswirklichkeit ernst nehme.

Und noch eine andere Gruppe will er in den Blick nehmen: Die Menschen, die vor den Kriegen und Krisen dieser Welt nach Deutschland und auch in das Erzbistum Köln flüchten. Schon bei seiner Vereidigung als neuer Kölner Erzbischof am Donnerstag wolle er mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) über dieses Problem sprechen. Es müsse alles dafür getan werden, Flüchtlinge gut unterzubringen und zu integrieren, so Woelki, der innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz als Vorsitzender der Caritas-Kommission ganz besonders für soziale Fragen zuständig ist und auch bereits als Erzbischof in Berlin entsprechende Akzente gesetzt hat.

"Meine Botschaft trägt den Namen Jesus Christus"

So politisch Woelki bei diesem Thema wird, so wenig will er Politiker sein. Seine Aufgabe sei es, dem Evangelium ein Gesicht zu geben und den christlichen Glauben so zu übersetzen, dass er für Menschen heute attraktiv sei. "Meine Botschaft trägt den Namen Jesus Christus. Ich bin kein Politiker", erklärt er - und wird sofort wieder politisch: "Wir müssen zeigen, dass es besser ist, an der Hand eines Menschen zu sterben, als durch die Hand eines Menschen", betont er und bezieht damit klar Position in der aktuellen Sterbehilfe-Debatte.

Ausweichend äußert er sich dagegen über seinen Vorgänger auf dem Kölner Bischofsstuhl. Wie er die Amtszeit von Kardinal Joachim Meisner bewerte, will ein Journalist wissen. "Die Vergangenheit ist Schnee von gestern. Ich bin ein Mann der Gegenwart und Zukunft", sagt er nur. Für sich formuliert er den Anspruch, als Erzbischof Brückenbauer sein zu wollen: "Ich möchte die verschiedenen Ränder unseres Erzbistums zusammenhalten." Er wolle sich bemühen, alle ernsthaften Anfragen auch ernsthaft zu beantworten.

Und wenn bei den Verpflichtungen im neuen Amt noch Zeit bleibt, wird Rainer Maria Woelki sicher auch einmal im Rhein-Energie-Stadion anzutreffen sein. Denn auch seine Liebe zum 1. FC Köln blitzt an diesem Nachmittag in Mülheim auf. Für das Spiel am Sonntag gegen den Erzrivalen aus Mönchengladbach hofft der Kardinal jedenfalls auf einen Sieg seiner Kölner.

Von Steffen Zimmermann

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