Eine Turbo-Wahl

Dieses Tempo hat Seltenheitswert. Seit der Annahme des Rücktritts von Kardinal Joachim Meisner Ende Februar sind nicht einmal viereinhalb Monate vergangen. Und schon hat das Kölner Domkapitel einen neuen Erzbischof gewählt. Im Vergleich zu anderen Auswahlverfahren in Deutschland ist das fast schon rekordverdächtig. So dauerte es satte 14 Monate, bis Meisner im Dezember 1988 nach dem Tod von Kardinal Joseph Höffner ernannt wurde.

Erzbistum Köln | Köln - 11.07.2014

Dieses Tempo hat Seltenheitswert. Seit der Annahme des Rücktritts von Kardinal Joachim Meisner Ende Februar sind nicht einmal viereinhalb Monate vergangen. Und schon hat das Kölner Domkapitel einen neuen Erzbischof gewählt. Im Vergleich zu anderen Auswahlverfahren in Deutschland ist das fast schon rekordverdächtig. So dauerte es satte 14 Monate, bis Meisner im Dezember 1988 nach dem Tod von Kardinal Joseph Höffner ernannt wurde.

Bischofswahlen hierzulande erfolgen nach einem mehrstufigen, durch Konkordate festgelegten Verfahren. Für Köln gilt das Preußenkonkordat von 1929. Danach schlagen, wenn ein Bischofsstuhl frei wird, der Apostolische Nuntius als Vertreter des Papstes, die Bischöfe der Diözesen auf dem Gebiet des ehemaligen Preußen und das Kölner Domkapitel Kandidaten vor.

Kardinal Rainer Maria Woelki
Seit August 2011 ist Kardinal Rainer Maria Woelki verantwortlich für das Erzbistum Berlin.
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Papst kann Vorschläge akzeptieren - oder ersetzen

All diese Namen erhält die Bischofskongregation in Rom. Dort wird aus allen Vorschlägen eine Dreierliste zusammengestellt. Der Papst kann die Namen akzeptieren oder aber durch andere ersetzen. Hat der Papst seine Dreierliste festgelegt, gelangt diese in einem versiegelten Brief an das Domkapitel. Dieses wählt dann aus den drei Kandidaten den neuen Erzbischof.

Bei Meisners Wahl vor gut 25 Jahren gab es Unsicherheiten im Verfahren. Nach Darstellung des jetzigen Dompropstes Norbert Feldhoff hatten die damals 16 Domkapitulare zunächst ihr Wahlrecht "verwirkt", weil es ihnen nicht gelang, in der vorgeschriebenen Frist von drei Monaten einen Erzbischof aus der Dreierliste des Papstes zu küren. Denn so oft die Domkapitulare auch zur Abstimmung schritten, keiner der Drei habe die in der Kölner Wahlordnung vorgeschriebene notwendige absolute Mehrheit erhalten, also mehr als die Hälfte aller möglichen Stimmen.

Ein Konflikt drohte

Zunächst wollte der Vatikan selbst über den neuen Erzbischof entscheiden. Nachdem aber ein Konflikt mit den betroffenen Landesregierungen über das Wahlrecht des Kapitels drohte, ließ Rom das Gremium erneut abstimmen - diesmal aber nach den Regeln des allgemeinen Kirchenrechts. Damit konnte auch derjenige Erzbischof werden, der nach mehreren Wahlgängen nur die einfache Mehrheit erreicht hat.

Nach dieser Erfahrung hat das Domkapitel schon 1989 seine Wahlordnung verändert und dem allgemeinen Kirchenrecht angepasst. Jetzt ist nur bei den ersten Wahlgängen eine absolute Mehrheit erforderlich, danach reicht die einfache Mehrheit. Damit ist eine Entscheidungsblockade wie 1988 ausgeschlossen.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".
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Aufs Tempo gedrückt

Aber diesmal hat das Domkapitel unter dem geschickt und routiniert agierenden Feldhoff auch schon bei der Erstellung seiner Vorschlagsliste aufs Tempo gedrückt. Bereits sechs Wochen nach Meisners Rücktritt schickte es Mitte April seine Vorschläge nach Rom. Dabei hätte das Gremium bis zum 28. Mai Zeit gehabt. "Die Liste ist also zügig abgewickelt worden", zeigte er sich zufrieden. Offenbar wurde aber auch in Rom schnell gearbeitet, wo in der dortigen Bischofskongregation seit kurzem Münsters Bischof Felix Genn mitarbeitet.

Katholiken aus anderen Bistümern mussten in der jüngeren Vergangenheit viel längere Bischofsvakanzen als in Köln erdulden. So wartete das Bistum Trier knapp 14 Monate auf einen Nachfolger von Reinhard Marx , der 2009 Münchner Erzbischof wurde. Eineinhalb Jahre dauerte es im Bistum Passau , bis im April 2014 Stefan Oster die Nachfolge von Wilhelm Schraml antrat.

Auch Erzbistum Hamburg ist vakant

Seit eindreiviertel Jahren wird ein neuer Erfurter Oberhirte gesucht. Der Übergangsverwalter , Weihbischof Reinhard Hauke, macht aus seinem Unmut keinen Hehl. Bei einer Jugendwallfahrt Mitte Juni zum Thema "Auf wen wartet ihr?" gab auch er eine Antwort: "Was mal aus mir als Weihbischof wird, ist unklar. Wer wird in Rom auf die Liste geschrieben? Welches sind die drei Kandidaten, aus denen das Domkapitel in Erfurt einen Bischof auswählen soll? Wird dieser auch Ja sagen und die Wahl annehmen, oder müssen wir noch lange warten, weil er sich nicht entscheiden kann?"

Solche Fragen dürften derzeit auch Hamburgs Katholiken bewegen. Dort ist Erzbischof Werner Thissen vor dreieinhalb Monaten in den Ruhestand getreten . Man darf gespannt sein, ob die Norddeutschen nun genauso so schnell wie die Rheinländer einen neuen Erzbischof bekommen.

Von Andreas Otto (KNA)

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