Einiges schon umgesetzt

Die Kirche muss den Weg zur Erneuerung weitergehen", sagte Freiburgs ehemaliger Erzbischof Robert Zollitsch kürzlich. In "seinem" Erzbistum tut sie das am kommenden Samstag wieder, wenn zur zweiten Runde im diözesanen Dialogprozess geläutet wird. Wichtige Themen sollen unter anderem das Zusammenwirken von Männern und Frauen in der Kirche und die "Stärkung des synodalen Prinzips" sein.

Dialogprozess | Freiburg/Bonn - 23.05.2014

Die Kirche muss den Weg zur Erneuerung weitergehen", sagte Freiburgs ehemaliger Erzbischof Robert Zollitsch kürzlich. In "seinem" Erzbistum tut sie das am kommenden Samstag wieder, wenn zur zweiten Runde im diözesanen Dialogprozess geläutet wird. Wichtige Themen sollen unter anderem das Zusammenwirken von Männern und Frauen in der Kirche und die "Stärkung des synodalen Prinzips" sein.

Rund 250 Gläubige werden zur Diözesanversammlung (DV) in der Karlsruher St.-Stephan-Kirche erwartet. "Die DV ist bei uns kein gewähltes Gremium wie ein Diözesanrat", sagt Martina Kastner, Mitglied des DV-Präsidiums, katholisch.de. Die Versammlung sei extra für die Beratungen innerhalb des Dialogprozesses eingerichtet worden. Für den weiteren Verlauf erhoffe sie sich "etwas Rückenwind aus Rom", gesteht Kastner. Denn Papst Franziskus habe in seinem Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" einiges gesagt, was auch im Dialogprozess schon oft benannt worden sei.

Martina Kastner ist Mitglied des Präsidiums der Diözesanversammlung und Vorsitzende des Freiburger Diözesanrats.
 Stephan Langer

So setzt sich die Versammlung zusammen

Die DV setzt sich aus Mitgliedern des Erzbischöflichen Ordinariats, aus dem Priester-, Diözesanpastoral- und Diözesanrat zusammen. Außerdem sind Mitglieder der Kirchensteuervertretung, der Dekanekonferenz und eigens hinzu berufene Personen – zum Beispiel von Universitäten oder aus der Seelsorge – mit dabei. Auf der DV im April vergangenen Jahres kristallisierten sich elf Themengebiete heraus, die in 41 Empfehlungen mündeten. Unterteilt sind diese in verschiedene Kategorien wie Leitungsvollmacht, Ehrenamt, Glaubensweitergabe oder Differenzierte Lebensformen.

"Die Empfehlung 16, in der es um das Thema Wiederverheiratete geht, liegt mir besonders am Herzen", sagt Kastner. Die Freiburger Handreichung habe ja letztes Jahr bereits Wellen geschlagen, "obwohl sie meiner Meinung nach eigentlich relativ 'harmlos' ist". In der Empfehlung wünschen sich die Mitglieder der DV durch eine Unterschrift des Erzbischofs eine höhere Verbindlichkeit des Papiers.

Live auf katholisch.de

Auf katholisch.de haben Sie die Möglichkeit große Teile der Diözesanversammlung am Samstag live mitzuverfolgen: 9.30 Uhr: Liturgische Eröffnung im Anschluss bis 12.30 Uhr: Einblicke in die Plenumsdebatte 16 bis 17 Uhr: Abschluss der Versammlung

Neben der Handreichung seien im Erzbistum Freiburg aber auch schon andere Ergebnisse der ersten Sitzung in die Tat umgesetzt worden, berichtet Kastner. Zum Beispiel eine Gleichstellungsordnung für Frauen und Männer in Leitungsaufgaben oder Rahmenrichtlinien für das ehrenamtliche Engagement. Diese Dokumente seien schon zuvor in Arbeit gewesen, erhielten aber durch die DV dann einen "gewissen Schwung", was die Veröffentlichung angeht, so die Diözesanrats-Vorsitzende.

Kastner: "Ein Diakonat zweiter Klasse"

An einer Empfehlung "reibe" sich Kastner jedoch: nämlich an der, zu überprüfen, "ob und wofür die mögliche Wiederherstellung des 'frühkirchlichen ministeriums' von Diakoninnen erforderlich ist". Heißt: Die Frauen würden bei dieser Form des Diakonats nicht geweiht, sondern im Laienstand verbleiben. "Es gibt genug theologische Forschungen, die die Weihe von Frauen zum Diakonat positiv bekunden, sagt die Delegierte. Das "frühkirchliche ministerium" sei dagegen nur ein Diakonat zweiter Klasse.

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Entdecken Sie die Karlsruher Stephanskirche, Treffpunkt für die Diözesanversammlung des Erzbistums Freiburg Ende Mai
 Nicole Stroth

Am Samstag soll weiter über diese und weitere Themen diskutiert werden. Das Arbeitsprogramm bezeichnet Kastner als "enorm". "Ich hoffe, wir können das bewältigen." Denn es geht Schlag auf Schlag, wenn über die 41 Empfehlungen gesprochen wird. Wortbeiträge mussten bereits vor der Veranstaltung angemeldet werden, um den zeitlichen Rahmen nicht zu sprengen. Abgestimmt wird schließlich ganz modern – mit dem Tablet.

Missen will Kastner den Dialogprozess nicht. "Es war ein mutiger Schritt, solch einen Prozess in Gang zu setzen", sagt sie. Letztendlich stehe man in Freiburg nun aber vor einer "Wende". Denn Erzbischof Zollitsch könne die Empfehlungen nicht mehr zur Umsetzung bringen, so die Delegierte. "Ich hoffe, dass sein Nachfolger die Impulse aus dem Dialogprozess weiterführt."

Von Björn Odendahl

Vorgeschichte

Seit Herbst 2012 hatte eine eigens beauftragte Kommission Themen aus den zahlreichen Rückmeldungen und Zukunftskonferenzen identifiziert und gebündelt. Gemeinsam mit Fachleuten aus Theologie und Pastoral wurden Vorlagen für die Arbeit der Diözesanversammlung 2013 erstellt. Dabei haben sich elf Themen herauskristallisiert, die schließlich in 41 Empfehlungen mündeten.

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