"Erst einmal sehen, hören und lernen"

Dass Ulrich Neymeyr kein Mann des großen Trubels ist, sieht man ihm an. Den vielen Fotografen, die beim Fototermin an den Erfurter Domstufen tausende Bilder v om neuen Bischof schießen, ruft er zu: "Dann hoffen wir, dass eines der Bilder etwas geworden ist." Die Lacher hat er auf seiner Seite.

Bistum Erfurt | Erfurt - 19.09.2014

Dass Ulrich Neymeyr kein Mann des großen Trubels ist, sieht man ihm an. Den vielen Fotografen, die beim Fototermin an den Erfurter Domstufen tausende Bilder v om neuen Bischof schießen, ruft er zu: "Dann hoffen wir, dass eines der Bilder etwas geworden ist." Die Lacher hat er auf seiner Seite.

Seinem Vorgänger Joachim Wanke schüttelt er als erstem die Hand. Bescheiden, fast schüchtern wirkt der Mann. Als ihm auf den imposanten Erfurter Domstufen Kinder mit einem selbst gebastelten Willkommensplakat entgegenkommen, ist ihm die Freude ins Gesicht geschrieben. Und doch scheint es, als stünde er noch sehr überrascht vor der neuen Aufgabe, die mindestens so groß wie der Erfurter Domberg ist.

"Der Blick auf meine Vorgänger Hugo Aufderbeck und Joachim hat mich abgeschreckt. Ich habe mich gefragt, ob ich in deren Fußstapfen treten kann", sagt Neymeyr bei dem Pressegespräch im Kapitelssaal, gleich neben dem Dom. "Vor einer Woche war ich einfach nur Weihbischof und gerade in Magdeburg", berichtet Neymeyr fast wehmütig. An den Gedanken Bischof eines Bistums zu werden, muss er sich noch gewöhnen.

Beim Gesprächsforum der Deutschen Bischofskonferenz in Magdeburg sei er gebeten worden den Erfurter Dompropst zurückzurufen. Das Domkapitel müsse mit ihm sprechen, habe Gregor Arndt am anderen Ende der Leitung berichtet. "Da habe ich noch gehofft, das Bistum Erfurt will jetzt doch Vollmitglied in der Gesellschaft für rheinische Kirchengeschichte werden", berichtet Neymeyr.

"Kardinal Lehmann hat mich freigegeben"

Am Sonntagnachmittag habe das Domkapitel ihm dann persönlich mitgeteilt, dass man ihn zum Bischof von Erfurt gewählt hat. "Ich habe mir eine Bedenkzeit ausgebeten", erzählt er und berichtet, dass er sich mit Kardinal Lehmann besprochen habe. "Er hat mich freigegeben", sagt der Mainzer Weihbischof. Erfurt würde zu ihm passen habe ihm der Kardinal auch gesagt.

Die Wahl zum Erfurter Bischof krempelt Neymeyrs Leben vollkommen um. "Ich habe mir erst einmal einen neuen Kalender für 2015 gekauft. Der bisherige wäre vor lauter Korrekturen ja nicht mehr zu lesen", sagt Neymeyr und bestätigt, dass er kein Freund von zu viel Technik ist. "Ich habe eine Vorliebe für Offline-Kommunikation", sagt Neymeyr als er auf seine Social-Media-Gewohnheiten angesprochen wird. Einige Bischöfe ließen so etwas von Referenten machen. Das wolle er nicht, sagt Neymeyr. Man müsse sich schon persönlich zu Wort melden.

Die persönliche Begegnung suchen

Die persönliche Begegnung will Neymeyr suchen. Und den "Kontakt zu möglichst vielen Gruppen" aufnehmen. Er erinnert sich an positive Erinnerungen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den neuen Bundesländern bei den Weltjugendtagen. "Ich habe dort einmal gesagt, dass es schön wäre, wenn die jungen Leute, die sich vorher in der Pfarrgemeinde engagiert haben, auch an ihrem Studienort den Weg zur Hochschulgemeinde finden", berichtet Neymeyr. Da sei einer der Jugendlichen aufgestanden und habe gesagt: "Bei uns ist das so." "Wir werden aus dem Westen irgendwann zu Euch in den Osten kommen und fragen 'Wie habt ihr das gemacht'", habe Neymeyr geantwortet. Das dieser Moment jetzt gekommen ist, steht dabei unausgesprochen im Raum.

Er will sein Bistum erst einmal kennenernen. "Schaun 'mer mal klingt so oberflächlich", sagt der neue Bischof und fügt hinzu: "Aber ich muss erst mal sehen, hören und lernen." Spezielle Angebote, wie die Lebenswendefeiern für nichtchristliche Jugendliche wolle er auf keinen Fall abschaffen, sagt Neymeyr. Dafür gebe es auch im Westen immer größeren Bedarf. Auch im Bistum Mainz nehme die Zahl ungetaufter Kinder zu. Da brauche es solch neue Angebote. "Die Situation hier ist eine, von der der Westen lernen kann", sagt er.

Eine Umstellung wird das Bistum Erfurt für ihn. Die gesellschaftliche Situation, die Diaspora, das sei vollkommen anders, er sei vollkommen anders geprägt, so der Mainzer Weihbischof. Ein Journalist will wissen, ob er denn auch ein großer Karnevalist sei. Schließlich habe das Nachbarbistum Dresden-Meißen mit seinem neuen Bischof Reiner Koch einen bekennenden Jecken als Oberhirten bekommen. "Nein", sagt Neymeyr und lächelt. "Ich zähle zu den Fastnachtsflüchtlingen. Bisher bin ich immer in den Schwarzwald geflohen. Da standen dann die Autos der Karnevalsflüchtlinge mit Düsseldorfer, Kölner und Mainzer Kennzeichen." Man kann es sich vorstellen. Der Trubel ist nicht seine Sache.

Von Markus Kremser

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