Erster Gebetstag für Missbrauchsopfer

Der erste Freitag in der Fastenzeit wird für die polnische Kirche zu einem Gedenktag. Der Bußgebetstag für den Kindemissbrauch hat neben der Entschuldigung für Vergangenes eine starke Botschaft für die Zukunft.

Missbrauch | Warschau - 24.02.2017

In Polens katholischen Kirchen wird am ersten Freitag der Fastenzeit in der kommenden Woche für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester gebetet. Die Kirche und besonders die Priester wollten sich so für die "Sünde mancher unserer Brüder entschuldigen", sagte Polens Primas, Erzbischof Wojciech Polak, am Freitag der polnischen Nachrichtenagentur KAI. Zudem gehe vom ersten landesweiten Bußgebetstag für den Kindesmissbrauch die Botschaft "null Toleranz für Pädophilie" aus.

In Polen wurden in den vergangenen Jahren mehrere Priester wegen Sexualverbrechen zu Haftstrafen verurteilt. Kritiker werfen den Bischöfen vor, Kinder nicht genügend vor Übergriffen geschützt und Vorfälle nicht aufgeklärt zu haben. Mit dem Bußgebetstag entspreche man einer Bitte von Papst Franziskus an alle Bischofskonferenzen, so Polak. Anlass sei die Fastenzeit, die den Menschen zur Bekehrung ihrer Herzen dienen solle.

2014 hatten Polens Bischöfe in einer Messe in Krakau die Missbrauchsopfer um Vergebung gebeten und eingeräumt, dass sie das Wohl der Kinder oft nicht an die erste Stelle gesetzt hätten. Ein Jahr zuvor hatte ein Skandal um den aus Polen stammenden Vatikanbotschafter in der Dominikanischen Republik, Erzbischof Jozef Wesolowski, Empörung ausgelöst. In dem Karibikstaat hatte er nach Erkenntnissen der vatikanischen Staatsanwaltschaft mehrere Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren sexuell missbraucht. Ein gegen ihn im Vatikan geplanter Strafprozess kam nicht mehr zustande, weil Wesolowski zuvor eines natürliches Todes starb.

Im Gegensatz zu den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz lehnen Polens Bischöfe Schadenersatzzahlungen an Missbrauchsopfer ab, die über eine Übernahme von Therapiekosten hinausgehen. Im ersten Schadenersatzprozess eines Missbrauchsopfers gegen die katholische Kirche einigten sich beide Seiten 2015 Medienberichten zufolge auf die Erstattung von umgerechnet 36.000 Euro. (KNA)

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