"Erwarte Loyalität zu Franziskus"

Das Ende der Synode rückt näher, aber gerade bei heißen Eisen gibt es noch immer unterschiedliche Meinungen. Dennoch erwartet der Erzbischof Heiner Koch, dass die gesamte Kirche dem abschließenden Votum des Papstes folgt.

Familiensynode | Vatikanstadt - 20.10.2015

Für den Berliner Erzbischof Heiner Koch ist klar, dass sich alle Katholiken an die Entscheidungen halten müssen, die Papst Franziskus nach Abschluss der Familiensynode treffen wird. In einem Interview der "Tagespost" vom Dienstag sagte Koch wörtlich: "Wenn der Heilige Vater ein klares Votum spricht, so oder so, erwarte ich von der gesamten Kirche, auch der deutschen Kirche, dass sie sich an dieses Votum hält. Punkt."

Koch äußerte sich auch zur Frage, ob er Spielräume sehe für Änderungen der pastoralen Praxis in Deutschland, wenn der Ausgang der Synode nicht den von den drei deutschen Bischöfen (Marx, Bode, Koch) vertretenen Positionen entspreche. Mit Sicherheit, so der deutsche Familienbischof, werde man "weder gestern, noch heute, noch morgen die Verbindung mit dem Heiligen Vater und der katholischen Kirche verlassen". Die deutschen Bischöfe würden nach der Synode überlegen, was das Ergebnis für sie bedeute.

Koch erwartet Loyalität zu Franziskus

Zugleich sagte Koch, er erwarte von allen, "dass man mit der Loyalität, die man Johannes Paul II. und Benedikt XVI. entgegengebracht hat, nun auch zu Franziskus steht." Er habe außerdem "das große Vertrauen, dass uns der Heilige Geist, auch durch den Papst, zu einem Ergebnis führt, dass uns neu die Wahrheit erkennen lehrt".

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Das deutsche Ehepaar Buch hält die offene und tabulose Gesprächssituation auf der Familiensynode für eine Sensation. Mit Blick auf das Ergebnis sind sie noch zurückhaltend optimistisch, jedoch voller Vertrauen in Papst Franziskus.
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Es wäre auch "völlig zu knapp gesprungen, zu sagen, dass wir alles nur auf die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen reduzieren", so Koch weiter. Als weiteres wichtiges Thema für die Kirche in Deutschland nannte er unter anderem die Ehevorbereitung. Da bestehe noch "Entwicklungsbedarf". Außerdem könnte die Synode Impulse geben für den Umgang mit alten und sterbenden Menschen in den Familien, die aktuelle Diskussion um die Sterbehilfe und die Frage, "was es bedeutet, wenn jetzt so viele Menschen mit anderen Religionen zu uns kommen".

Hoher Erwartungsdruck

Persönlich würde Koch gerne mit der Botschaft aus Rom abreisen, dass die Kirche viele Menschen und ihre unterschiedlichen Anliegen im Blick habe und beachte. Dazu gehörten auch Homosexuelle, die den Wunsch hätten, nicht diskriminiert, sondern geachtet und geschätzt zu werden. Oder Menschen, die Kinder haben, die den Glauben an Gott verloren oder sich von der Kirche getrennt haben. Diesen wolle er vor allem die Nachricht bringen, "dass wir sie stärken, dass wir zu ihnen stehen, dass wir sie mit ihren Sorgen nicht alleine lassen, dass es keine abgehobene, menschenferne Synode war".

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Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Auf die Frage nach dem Erwartungsdruck betonte Koch, dieser Druck sei sehr gegensätzlich: Es gebe Menschen, die erwarteten, "dass die Kirche klar bei ihrer Linie bleibt, auch wenn das dann dazu führt, dass die Kirche noch stärker abgelehnt wird und die Menschen sich von ihr abwenden". Andere dagegen sagten, "dass Gott uns gerade in den Menschen in Gebrochenheit nahe ist und wir viel mehr auf sie hören müssen". Dazwischen liege "eine ganze Palette" unterschiedlicher Perspektiven.

Wir sind nicht 'fertig'

Wenn in den Abstimmungen der Synode unterschiedliche Auffassungen nebeneinander stünden, sei das aber nicht unbedingt ein Problem. Schließlich gehöre zum Wesen der Kirche das Suchende und Fragende: "Das vielleicht Beglückendste ist für mich, dass ich hier so vielen begegnet bin, die auf der Suche sind und die nicht sagen, wir sind 'fertig' – 'fertig' werden wir auch am Ende der Synode nicht sein", verdeutlichte der Berliner Erzbischof.

Kritik äußerte er an der Arbeitsweise der Synode. Durch die Arbeit im Detail und die vielen einzelnen Änderungen am Instrumentum laboris könne "ein fließender, ein begeisternder Text, der eine schwungvolle Theologie des Ehesakraments bietet", nicht entstehen. Er könne dem Heiligen Vater nur empfehlen, nach der Synode das Abschlussdokument zwar aufzugreifen, dann aber einen eigenen Text zu schreiben. "Es wäre vielleicht besser gewesen, dass man dogmatisch, pastoral, kirchenrechtlich und psychologisch geschulte Fachleute zu Rate gezogen hätte, die jetzt auch Rede und Antwort stehen könnten, die man jetzt, im Plenum, auch befragen könnte: Ist das jetzt theologisch möglich oder nicht, da möchte ich eine Klarstellung haben", so Koch: "Das wäre sicherlich eine Bereicherung gewesen." (gho/KNA)

20.10.2015, 11:00 Uhr: Ergänzt um weitere Details.

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